Ein Extra-Tipp von INArtberlin: Besuchen Sie auf jeden Fall das Café im c/o Berlin. Dort sollte das Werk von Christoph Niemann auf keinen Fall unbeachtet bleiben, denn es ist weit mehr ist als eine dekorative Wandverkleidung.
Christoph Niemann ist ein weltweit erfolgreicher Grafiker und Illustrator. Er gestaltet regelmäßig das Cover der beliebten Zeitschrift „The NEW YORKER“ und schuf u.a. den Entwurf für den Innenbereich der U-Bahnstation Wannsee oder auch eine Briefmarke der Deutschen Post. Für das Café im c/o Berlin entwarf er den gewebten Wandteppich als Analogie zu einem der ersten fotografischen Experimente: „Der gedeckte Tisch“ des französischen Erfinders Nicéphore Niépce aus dem Jahr 1822. INArtberlin sprach mit Christoph Niemann anlässlich der Eröffnungsausstellung.
I.B.: Welche Idee hatten Sie für diese sogenannte „künstlerische Intervention“ der Wandgestaltung und wie ist sie realisiert worden?
Christoph Niemann: „Technisch ist es ein Wandteppich, ein gewebtes Stück Stoff, 16m lang, 2 m hoch mit zusätzlichen Arbeiten auf Leinwänden, die erhaben daraufmontiert wurden, um die reine Fläche aufzulockern. Seit ich auch Museumsausstellungen mache, weiß ich, dass die Gestaltung eines Raumes andere Anforderungen stellt. Theoretisch ist alles immer eine Frage der Zeichnung, aber zwischen einem Blatt Papier und einer Wand ist mehr Unterschied als alles nur zehnmal grösser, weil Räume anders funktionieren als einfach nur die Vergrößerung einer Zeichnung. Wenn ich zum Beispiel ein Magazin aufschlage, habe ich 2 Sekunden, um gefangen zu werden. In einem Raum sitze ich länger, da brauche ich eine mehrschichtige Textur, nicht nur einen Inhalt.
Bei der Herstellung des Wandteppichs arbeitete ich mit der Textildesign-Professorin Veronika Aumann zusammen. Wir haben mehrere Web-Techniken ausprobiert, was für mich absolut neu war. Besonders toll finde ich, dass man für eine schwarze Fläche die Fäden einfach herausspringen lassen kann, was einen dreidimensionalen und lebendigen Eindruck hinterlässt. Die Schattierungen entstehen aus Punkten schwarzer und weißer Fäden in unterschiedlicher Menge und Dichte. Das war für mich auch eine Verbindung zu meiner fotografischen Arbeit.
Oft entstand so auch für mich Überraschendes. Einerseits will ich immer alles kontrollieren. Doch gleichzeitig passierte während der Produktion das Interessante, wenn die künstlerische Vorstellung auf die Realität traf,z.B. die Fäden plötzlich über der Fläche flatterten. Das spannende Element des Unvorhersehbaren ist oft ein großartiges Erlebnis.“
I.B. Vielen Dank für Ihre instruktiven Erklärungen.
Christoph Niemann: „Premier Plat“ im Café des c/o Berlin, September 2025 bis September 2026
„Wenn dein Foto nicht gut genug ist, warst du nicht nah genug dran.“ Auf dieser Aussage von Robert Capa, dem Mitbegründer der renomierten Foto-Agentur Magnum basiert der Titel der neuen Ausstellung im c/o Berlin. Hier geht es aber nicht um Centimeter, sondern um die emotionale Nähe zwischen Fotografin und ihrem Motiv. Die Ausstellung präsentiert Fotoserien von 12 internationalen Fotografinnen, mit denen sie auf ganz besondere Weise diese Beziehungen darstellen. Exemplarisch werden drei von ihnen hier vorgestellt.
SABIHA CIMEN ist Türkin und fotografierte zwischen 2017 und 2020 Mädchen in der Istanbuler Koranschule, die sie selbst früher besucht hatte. Wahrscheinlich kann nur eine Frau gleicher Herkunft diese beeindruckenden Aufnahmen bekommen, die tiefe Einblicke in die Seele und das Leben der Abgebildeten möglich erscheinen lassen.
Sabiha Cimen Künstlerin
Ein anderes Beispiel ist HANNAH PRICE. Sie war in einer Vorstadt von Colorado aufgewachsen und gerade in die Metropole Philadelphia umgezogen. Dort erlebte sie als attraktive junge Frau oft, dass fremde Männer ihr übergriffig hinterherpfiffen. Als Reaktion entwickelte sie vorsichtig die Fähigkeit, diese schwierige Situation zu entschärfen, indem sie die Männer ansprach und nach kurzem Gespräch fragte, ob sie sie fotografieren dürfe. Vorwiegend reagierten die Männer irritiert und verschüchtert. Ihrer Fotoserie gab sie den Titel: „City of Brotherly Love“
CHRISTINA DE MIDDEL gab 2015 für ihr Fotoprojekt „Gentlemen’s Club“ in Rio de Janeiro eine Zeitungsanzeige auf, in der sie Kunden von Sexarbeiterinnen gegen ein Honorar bat, sie über ihre Motivation, Gefühle und Erfahrungen mit bezahltem Sex befragen und fotografieren zu dürfen. Die Resonanz und Offenheit überraschte sie und so führte sie ihr Projekt in weiteren Städten fort: Havanna, Mexico City, Paris, Amsterdam, Lagos, Mumbai, Los Angeles, Kabul.
Die 12 künstlerischen Positionen, ausschließlich von Frauen fotografisch gestaltet, zeigen, dass es einen speziellen weiblichen Blick gibt und die große Nähe zu den abgebildeten Menschen eine beeindruckende Ausstrahlungskraft entwickeln kann.
c/o Berlin im Amerika-Haus: „Close enough“, Perspectivs by Women of MAGNUM, vom 27.September 2025 bis 28. Januar 2026
Betritt man die großen Rieckhallen im Hamburger Bahnhof, wird man eingehüllt in eine Welt aus Fabelwesen, einer untergehenden Sonne und umhüllt von weicher farbiger Beleuchtung sowie von zarten Opernmelodien. Petrit Halilaj (Jg 1986) hat seine bunte Installation aufgebaut wie eine Theaterkulisse und tatsächlich ist sie auch die kleine immersive Welt, in der seine Oper spielt. Diese basiert auf einer Anekdote, die in seiner Heimat, dem Kosovo erzählt wird. Danach verliebten sich Fuchs und Hahn – absichtlich ein queeres Paar – und wanderten nach dem Verstoß aus dem Paradies in das uralte Dorf Syrigana, wo sie letztlich nach einigen Wirrungen von der Bevölkerung liebevoll aufgenommen und verheiratet wurden.
Nicht Adam und Eva, nicht die Schlange, sondern der Schneider, nicht der Apfel, sondern die Birne; es bleibt die eindeutige Anlehnung an die biblische Geschichte, die alle drei monotheistische Religionen vereint. Tatsächlich hat der Künstler die komplette Oper inzeniert und sie am Ursprungsort im Kosovo, in dessen Nähe er selbst an der Grenze zwischen Serbien und Albanien aufgewachsen ist, uraufgeführt: im Freien und durchaus gegen Widerstände in der vormaligen Kriegsregion. Ein Brandanschlag auf die Kulissencontainer musste überwunden werden. Die Zweisprachigkeit (serbisch und albanisch) wurde kompensiert, indem die meist vogelartigen Rollen mit zwitschernden Stimmen singen. Doch es wurde ein Riesenerfolg, an dem 1200 Menschen vor der Kulisse eines sagenumwobenen Felsens teilhaben konnten.
Die Ausstellungsversion in Berlin lässt dies erahnen, wenn man sich hineinziehen lässt. Doch auch einzelne Skulpturen wirken schon in ihrer verspielten Art magisch inspirierend. Symbolisch sind es Motten, Vögel oder Engel.
Halilajs Installation ist ein typisches Beispiel für ein Kunstwerk, das mit den Grenzen der verschiedenen Kunst-Genres spielt. Die Musik einer Oper, die Literatur eines Märchens, die bildende Kunst als skulpturale Installation und textile Arbeiten als Mode bzw. Kostüme: ein Crossover, wie es dem mega-aktuellen Trend in der Kunst entspricht. Diese multimediale Anregung aller Sinne lässt die Besucher in eine wundervolle eigene Traumwelt eintauchen, wenn sie sich darauf einlassen möchten.
Petrit Halilaj: „An Opera Out of Time”, 11.9.2025 – 31.5.2026 im Hamburger Bahnhof in Berlin.
Achtung: Geplant ist konsequenterweise eine reale live-Aufführung der Oper in den Ausstellungsräumen im April 2026. Deshalb sollte man regelmäßig schauen, wann es Tickets gibt.
Roger M. Buergel (Jg. 1962) war 2007 künstlerischer Leiter der Documenta 12 diskutiert die aktuelle Rolle von Kuratoren in der Kunstszene und deren Verhältnis zur Politik.
IB: Herr Buergel, wie wichtig ist die Position der Kuratoren in der Kunstszene heute? Werden sie wirklich zu wichtig beschrieben und stehlen den Künstlern die Show?
RB: Der Begriff des Kurators entwickelte sich erst in den 2000er Jahren, auch bedingt durch neue Märkte. Insbesondere in Asien hatten Kuratoren die Aufgabe, den Menschen Überblicksausstellungen zu bieten. Doch der Kurator ist keine Art neoliberales Künstler-Subjekt, der andere für sich arbeiten lässt, alles nur irgendwie zusammenfasst und am Ende als seine Vision vermarktet. Heute geht es darum, die Werke mehrerer Künstler in Beziehung zu setzen und zu verknüpfen. Das führt oft zu einem kritischen Widerspruch, also Ärger, weil man vermeintlich dem Künstler ein Stück weit sein Werk wegnimmt. Auf diesen Machtkampf muss man Lust haben. Ich bin aber überzeugt, dass es dazu keine Alternative gibt.
IB: Welche Rolle spielen Sammler in diesem Konstrukt?
RB: Eine völlige Freiheit ist beim Kuratieren nie gegeben, sie muss erkämpft werden. Das war auch schon bei Königen, Päpsten so und existiert heute ebenfalls bei amerikanischen Milliardären. Sammler, die jedoch nur zur Selbsthuldigung ausstellen, tun sich keinen Gefallen, denn sie schaffen letztlich nur zahnlose Ausstellungen. Die Lösungen sind sehr spezifisch.
IB: Was macht eine schlechte Ausstellung aus?
RB: Eine schlechte Ausstellung zeigt Kunst, die nur dem Markt dient. Beispiele sind die Pinault-Ausstellungen in Venedig 2024. Die Julie Mehretu-Ausstellung im Palazzo Grassi kann ich schon wegen der Menge nur als „Kaufhaus-Kunst“ bezeichnen. Bei Pierre Huyghe, einem wirklichen Super-Künstler, war der Raum der Punta della Dogana mit der schwarzen Verkleidung geschmacklos und kalt – das scheiterte formal. Da ist einfach zu viel Geld im Spiel.
Julie MehretuPierre HuyguePierre Huygue
IB: Wie stark sind Sie dem Einfluss von Galeristen und Lobbyisten ausgesetzt? RB: Man ist nur den Leuten ausgesetzt, denen man erlaubt, sich ihnen auszusetzen. Das Kunstfeld ist heterogen, und es gibt viele Galeristen, die aus echter Begeisterung investieren.
IB: Ist es auch eine Aufgabe von Kuratoren, Künstler zu entdecken und berühmt zu machen?
RB: Das lässt sich nicht vorhersagen. Die Einladung von Ai Weiwei 2007 zu unserer Documenta beispielsweise kam durch politische Vermittlung des Schweizer Botschafters in Peking zustande. Im asiatischen Raum hatte Ai Weiwei schon einen Namen. Dass seine Karriere dann in kürzester Zeit weltweit explodierte, konnten wir gar nicht beeinflussen. So etwas passiert einfach.
Documenta 12: 3 mal Ai Weiwei-Werke
IB: Welche neuen Entwicklungen sehen Sie in der zeitgenössischen Kunst in China seit 2007?
RB: China ist ein großes Land mit komplexen Debatten. Künstler navigieren geschickt in diesem System. Es gibt besonders in China schon traditionell keine festen Kategorien von Kunst und junge Leute interessieren sich auch für digitale Trends. Die aktuelle Entwicklung ist erfreulich grenzüberschreitend und fließend zwischen den Kategorien: Architektur, Mode, Musik, Gestaltung, Literatur und Technologie inklusive KI. Junge Leute begeistern sich z.B. für digitale Sneekers. Das schafft spannende neue Möglichkeiten.
Bei der Documenta 12 gab es schon eine künstlerische Modenschau!
IB: Sehen Sie ähnliche Tendenzen in Deutschland und Europa?
RB: Nein, nicht in dem Maße. In China gibt es eine lange Geschichte, in der Kunst und Kunsthandwerk ineinander übergingen. In Europa gibt es aber auch besonders in der jungen Generation eine wachsende Sensibilität für die Schnittmengen zwischen verschiedenen Disziplinen.
IB: Sie haben mal gesagt, der Kunst werde zu viel Politik zugeschrieben. Welche Funktion sollte in diesem Kontext die Documenta haben?
RB: Die Documenta muss sich jedes Mal neu definieren. Politisierung hat viele Aspekte. Viele Künstler thematisieren politische Inhalte, oft aber anstelle künstlerischer Substanz. Es gibt andereseits auch die Identifikation junger Menschen mit Protestthemen, die aber mehr mit ihnen selbst zu tun haben. Persönliche Enttäuschungen über das eigene Leben oder den Wohlstandsverlust in Europa werden stellvertretend auf die Solidarisierung mit anderen Krisengebieten übertragen und zornig ausgerufen.
Documenta 15, 2024Venedig Biennale 2024
IB: Es gab bei jeder Documenta „Skandale“.
RB: Ja, bei uns 2007 wurde heftig debattiert, ob es Kunst sei, einen Koch einzuladen oder dass wir bunte Wände verwenden.
Die Documenta 15 musste stärkere Kritik aushalten, weil hier die Reibungen mit der Staatsdoktrin deutlich wurden. Ruan Grupa war schlecht beraten und lief ungeschützt ins Messer. Das wird sich so nicht mehr wiederholen. Zukünftige Skandale werden kommen, aber andere Formen annehmen.
IB: Das hat Tradition bei der Documenta.
RB: Richtig. Wenn man sich auf diese Aufgabe als Kurator einläßt, kann man nicht nur geliebt werden, sondern muss den Finger in Wunden legen, letztendlich auch in die eigenen und das ist schmerzhaft. Klar gibt es dann einen Aufschrei. Doch wie bereits gesagt: man muss Freude an intersivem Diskurs haben. Ich jedenfalls mag das!
Alle reden über Kentridge. WIR AUCH! Doch nicht nur, weil momentan sowohl in Essen als auch in Dresden riesige Ausstellungen den südafrikanischen Künstler zu seinem 70. Geburtstag feiern, sondern weil sein Werk wirklich großartig ist.
Seit 50 Jahren ist William Kentridge künstlerisch tätig und spätestens seit der dOCUMENTA(13) 2012 verbreitete sich seine Beliebtheit exponentiell. Damals schuf er mit „The Refusial of Time“ eine herrliche immersive Installation, als dieser Begriff noch gar nicht benutzt wurde. Ein Raum, in den man eintrat und sofort in die philosophische Auseinandersetzung mit der uns dominierenden ZEIT-Taktung mit allen Sinnen eintauchte.
Im Folkwang-Museum in Essen wird aktuell aus dem umfangreichen Werk des Künstlers zunächst das Thema Bergbau in den Vordergrund gestellt, ein verbindendes Element zwischen dem Ruhrgebiet und Johannisburg, der Heimat des Künstlers. Etwa ein Viertel des weltweiten Goldes stammt aus Minen der Umgebung. In beiden Regionen findet jetzt jedoch kein aktiber Bergbau mehr statt, sondern eine Transformation von Arbeit und Gesellschaft. Die Kunstwerke haben sich dementsprechend von schweren Bedingungen für die Bergleute zu Landschaften und Kunst, auch aus Literatur und Theater verändert.
Ein zweiter Themenbereich sind die Auswirkungen des Kolonialismus in Afrika. Hierzu wird bespielsweise ein automatisches Theater mit Zeichnungen und Figuren gezeigt, das den Völkermord an den Herero durch die kaiserliche deutsche Armee in Süd-West-Afrika verübt hat.
Doch auch die Migrationsbewegungen, die bis heute folgten, sind künstlerisches Thema in der Ausstellung. Zu sehen ist u.a. ein riesiger Wandteppich mit einem Boot-Motiv. Gefragt wurde, wie und wer ihn hergestellt habe. William Kentridge erklärt:“Ich habe nie gedacht: Oh, ich will einen Teppich, dann suche ich mal in der Welt eine Fabrik. Nein, die Werkstätte für die Tappisserie gab es vorher schon ganz nah an Johannisburg. Wir hatten uns getroffen und gemeinsam überlegt, was wir zusammen machen könnten. Dann haben viele fleißige Hände aus Mohairwolle der Region das Bild gewebt.“ Auch die kleine Vorlage hierfür ist in der Ausstellung zu sehen.
Bei all diesen dramatischen Geschichten schwingt bei Kentridge oft auch eine heitere humorvolle Machart mit. Danach befragt erklärt der Künstler, dass er dies eher als Groteske meine. Massaker und Kriege seien letztlich doch unsinnig und grotesk.
Man braucht für die Freude an der Kunst von William Kentridge jedoch gar nicht alle Themen sofort zu verstehen, sondern kann von der feinen perfekten Art des Zeichnens und der Spannung in der Zusammensetzung von Linien und Kollagen einfach begeistert sein. Es sind grafische Meisterwerke und gleichzeitig Suchbilder.
Berühmt ist der multimediale Künstler auch für seine Animationsfilme, die er in Einzelbildern durch kleine Veränderungen von Kohlezeichnungen aufnimmt. Doch auch Theaterstücke oder Opern inszeniert er, meist mit KünstlerInnen aus Johannisburg inkusive Brass-Band.
Das ging plötzlich nicht mehr, als wir alle zur Tatenlosigkeit im Corona-Lockdown verpflichtet wurden. Kentridge ging allein in sein Atelier – seinen Lieblings-Lebensraum – und produzierte eine 9teilige Filmsequenz, in der er mit einem Doppelgänger über sein Leben und Schaffen philosophierte. Gleichzeitig gibt er hierin einen wunderbaren Einblick in seine Arbeitsweise. „Self-Portrait as a Coffee Pot“ ist genau das groteske und gerade deshalb das ehrlichste seiner Werke. (Fun-fact: Er möge den Kaffee aus dieser Zubereitung eigentlich gar nicht, sondern lieber French-Press!) Wer sich die 9×30 Minuten komplett anschauen möchte, findet sie nicht nur in der Ausstellung, sondern auch bei MUBI.
Ganz Deutschland scheint im Kentridge-Fieber zu sein: In Berlin wird sein Stück „The great YES and the great NO“ im November aufgeführt. In Weimar gibt es eine Wiederkehr von „Faustus in Africa!“, eine alternative Puppenspiel-Adaptation, die Kentridge vor 30 Jahren beim Kunstfest Weimar vorgestellt hatte.
Weiterhin präsentiert die Dresdner Kunstsammlung die zweite Hälfte von „Listen to the Echo“ in drei Häusern. Eröffnet wurde sie spektakulär mit einer Live-Prozession in der Art von Kentridge vorbei am berühmten Fürstenzug, dem Wandbild aus Meißner Porzellan-Kacheln. (Fotos: B. Rühl)
Kentridge mag Prozessionen. So wird auch „More Sweetly Play The Dance“ auf 9 Leinwänden im Albertinum gezeigt, ein Ablauf des Lebens und Sterbens. Es gebe multiple Arten von Prozessionen, nicht nur spirituelle, meint der Künstler. Auch Protestmärsche gehören dazu. Z.B. zogen am Dresdner Fürstenzug schon „Fridays for-Future“-Schüler vorbei, doch auch rechtsextremistische ausländerfeindliche Demos oder Trauerzüge von Polizisten für ihre getöteten Kollegen. Viele Analogien sprachen für das Werk von William Kentridge an diesem Ort.
Es gibt eine Fülle an fantastischen Kunstwerken des sympatischen und nachdenklichen William Kentridge momentan wiederzusehen oder neu zu entdecken. Ein absolutes Pflichtprogramm für leidenschaftliche Kunstliebhaber*Innen!
William Kentridge: „Listen to the ECHO“
Museum Folkwang, Essen: 4.September 2025 bis 18.Januar 2026
Im Karussel der Kunstbiennalen entwickelt sich im europäischen Norden ein kleiner Diamant: die Helsinki Biennale! Zum dritten Mal findet sie nicht nur im HAM (Helsinki Art Museum), sondern besonders idyllisch auch auf der Insel Vallisaari statt. Vorwiegend wurden skandinavische Kunstschaffende eingeladen, doch auch international renomierte Künstlerinnen und Künstler.
Olafur Eliasson(Island/Berlin) ist einer der wenigen Künstler-Stars. Er brachte eine „Viewing machine“ nach Vallissari, die an einem nebligen Tag Mosaike entstehen läßt wie auf einem alten Schwarz-Weiß-Foto.
Eindrucksvoll und wunderschön stehen die Glasskulpturen von Tania Candiani aus Mexiko in einem ehemaligen Munitionsdepot. Sie sind Kleinstlebewesen aus der Tiefsee nachemfunden und strahlen in vielfältigen Farben.
Wie unter riesigen Vogelschwingen geborgen sollen wir uns unter dem zeltähnlichen Bau des Brasilianers Ernesto Neto fühlen, einer Reminiszenz an die Vielfalt der Vogelwelt der Insel und ebenfalls ein Statement für den Schutz der Natur.
Nomeda &Gediminas Urbonas aus Littauen bauten aus blauen Wasserleitungen mit unterschiedlicher Länge und Durchmesser ein schickes Klettergerüst, das jedoch an feuchten Tagen sehr rutschig ist.
Vallisaari war früher eine Militär-Insel, deren Zugang bis 2021 verboten war, zumal noch 1937 alte Munition explodierte. Auch heute sind 2/3 des Geländes wegen Explosions- und Vergiftungsgefahr eingezäunt und für Besucher unzugänglich. Im freien Bereich bereitet jedoch eine unverfälschte üppige Pflanzenwelt nicht nur Botanikern viel Freude.
Im Museum HAM inspiriert ein Video der norwegischen Sami-Künstler Jenni Laiti & Carl-Johan Utsi über das eigentümliche Herdenverhalten von Tausenden Retieren in eisig glitzernder Natur, doch wirft es auch viele Fragen auf, die nicht erklärt werden.
Die Künstlerin Aluainy Kaumakan stammt aus einer indigenen Bevölkerung Taiwans und präsentiert eine riesige flatternde feine textile Skulptur. Sie ist eine Hommage an die altertümlichen Möglichkeiten des Überlebens in einer schwierigen Umgebung.
Dies sind nur einige Positionen, die nicht gerade dem Mainstream künstlerischer Werke entsprechen, dafür aber spannend als Neuentdeckungen sind.
Doch zusätzlich sind auch ein typischer Bronze-Baum mit Stein von Giuseppe Penone und eine Blume von Yayoi Kusama zu sehen.
Die kuwaitische Künstlerin eröffnete vor kurzem noch ihre Ausstellung in Berlin. Doch auch das Finnische Museum für Moderne Kunst in Helsinki KIASMA widmet ihr deren großen Saal unter dem Dach für eine Einzelausstellung.
Die persönliche Thematik von Erdöl im Spannungsfeld zwischen Schönheit und zerstörerischer Kraft ist auch hier sichtbar, allerdings in ganz anderen Werkgruppen. Die großen schwebenden ballonartigen Molekularmodelle sind aus Kunststoff auf Erdölbasis hergestellt und schimmern ebenso herrlich wie erneut die Bohrköpfe der Erdölindustrie in Autolackfarben.
In einem Video inszeniert Monira Al Qadiri eine Ölraffinerie in Nachtbeleuchtung als prachtvollen „Palast“, der wie aus einem Weltraum-Sciencefictionroman schwerelos im All schwebt, während gegenüber aus einer Badewanne voller Öl die Arme eines Ertrinkenden ragen.
Monira Al Qadiri: „DEEP FATE” im KIASMA, Helsinki noch bis 7.9.2025
In seinem eigenen Skulpturenpark Waldfrieden in Wuppertal hat Tony Cragg, einer der zurzeit bedeutendsten Bildhauer schon vielen Kollegen Ausstellungen ermöglicht, doch diesmal zeigt er eine Auswahl eigener Werke aus mehreren Jahrzehnten.
Als ehemaliger Hochschullehrer in Düsseldorf und Berlin kann er selbst auch hervorragend über seine Arbeit und Ansichten berichten.
Wie ist diese fast florale Skulptur entstanden?
„Sie ist aus Aluminium, was eine Seltenheit für meine Arbeiten ist. Doch so eine komplizierte Arbeit kann man nicht in Bronze gießen, das würde viel zu schwer werden. Außerdem ist die Form viel zu kompliziert. Die Skulptur ist wegen des leichten Aluminiums gar nicht so schwer, nur etwa 1,5 Tonnen(= 1500 kg). Sie ist vor etwa 10 bis 15 Jahren entstanden.“
Welche Rolle spielt der Computer, wenn sie ihre Kunstwerke entwerfen? Wir sehen sonst eigentlich nur Zeichnungen von Ihnen.
„Der Computer spielt gar keine Rolle für mich beim Erdenken und Entwerfen meiner Werke. Doch ich habe einen jungen Mann, der damit für den Herstellungprozess sehr gut arbeitet. Wir bauen alle Formen immer zunächst mit den Händen. Alle Formen entstehen im Atelier in Gips oder Holz oder Polyuretan. Man hat früher sowas dann abgeformt in eine Negativ-Form und später gegossen. Das verbrauchte wahnsinnig viel Material. Heutzutage kann man sie einscannen. Der Computer ist für mich ein Werkzeug, das sehr nützlich ist in der Herstellung, aber nicht beim Entwurf eines Kunstwerks. Junge Leute fragen mich durchaus oft, welches Programm ich benutze, doch als ich 1985 anfing, gab es ja überhaupt noch keine Programme für Gestaltung. Ab 2005 haben wir mit ein paar jungen Leuten probiert, mit dem Computer einige Werke zu bauen. Allerdings ist das für mich sinnlos. Solche Entwürfe bleiben für mich völlig emotionslos. Eine gute amerikanische Kollegin hatte den Computer entdeckt und macht seither große schwebende Objekte, doch der Effekt ist für mich emotional gleich null. Für die Herstellung benutzen wir aber auch neuste industrielle Methoden, die aus eingescannten Daten die Objekte herstellen können, besonders die Negativformen.“
Eduardo Chiliida wurde in seiner Kunst von den Eisengießereien in seiner Heimat im Baskenland geprägt. Gibt es solch einen Einfluss eines Materials auch bei Ihnen?
„Nein, die Bildhauerei hat sich weiter entwickelt, wenn es um Materialien geht. Für mich ist aber das einzig wichtige Material, das mich wirklich interessiert, das höchstentwickeltste Material überhaupt, nämlich das menschliche Neuron. Das ist das menschliche Gehirn, weil es ohne das Gehirn gar nichts gäbe: keine Farben, keine Form, kein Denken, kein Fühlen, keine Kunst. Das Großartigste ist, wie wir sehen, empfinden und denken. Ich bin ein begeisterter Bildhauer und denke immer über Material nach. Das findet sich überall: die Natur, mein eigener Körper, meine Umgebung und was das alles in mir auslöst. Material ist zunächst immer etwas niedriges, erst durch den menschlichen Geist entwickelt es sich zu etwas Besonderem. Wie Ideen und Emotionen entstehen, wissen wir nicht und ich kann es nicht steuern, doch es kommt einfach aus mir heraus.“ Hier erklärt sich jetzt auch der Titel der Ausstellung: „Line of Thought“ : eine Linie oder Kette menschlicher Gedanken, die Gestalt angenommen haben.
„Wir haben eine Wahrnehmung, doch die ist sehr gering. Die Wissenschaft forscht weiter, um uns mehr Realitäten verständlich zu machen. Aber die Kunst spielt da auch eine Rolle. Wir verbringen so viel Zeit mit Alltäglichkeiten und unsinnigem häßlichen Streit. Der ganze Globus wird im Moment von Idioten und bösen Menschen regiert. Aber die Kunst nicht. Die Kunst hat niemanden umgebracht. Die Kunst ist eine wahnsinnig positive Eingebung. Sie ist das Höchste, was Menschen hervorbringen.“
Es gibt hier keine Schilder. Wie können Sie Besuchern helfen, die Kunst zu verstehen? „Kunst ist keine Unterhaltung. Kunst ist auch ein bisschen Arbeit. Man kann auch die beste Musik, Literatur oder Wissenschaft nicht verstehen, wenn man sich nicht ein wenig damit befasst. Und den Menschen, die nur durch Ausstellungen rasen und nach kurzem Blick auf Kunstwerke einfach mit: „Gefällt mir, gefällt mir nicht.“ reagieren, kann ich nicht helfen. Wenn Sie 100 Leute fragen, was ein Bild, vor dem sie stehen, aussagt, bekommen Sie 100 Antworten, denn vor dem Bild steht ein individueller Mensch mit all seinen Erfahrungen, Gefühlen und Ideen. Ich möchte die Besucher aufrufen, vor meinen Werken eigene Gedanken zu entwickeln. Wir Menschen entdecken am Ende uns selbst in der Kunst. Kunst definiert uns. Das ist das besondere einmalige Erlebnis.“
In der unteren der 3 großen lichtdurchfluteten Ausstellungshallen finden sich 200 Zeichnungen sowie Glasfiguren von Tony Cragg, die in Murano hergestellt wurden. Aus den Zeichnungen ist der Prozess der Formgestaltungen der großen Skulpturen zu entdecken.
Blutkreislauf-Analogie
„Glas ist ein fantastisches Material, weil es fluide ist. Ich kann das auch nicht selbst herstellen. Das ist viel zu schwer. Die Stangen und das 1000 Grad heiße Glas wiegen 40 Kilo und mehr. Ich stehe nur dabei und sage an, wie ich die Form haben möchte. Die Glasbläser in Murano machen das hervorragend.
Dabei interessiert mich: Was macht Material mit mir? Wie reagiere ich darauf? Glas will immer eine eigene geometrische Form einnehmen, eine Tropfenform, was ein komplexes Zusammenspiel zwischen mir, dem Künstler und dem Material hervorruft.“
Die Glasskulpturen sind wesentlich kleiner, filigraner und vielfältiger in Form und Farbe, doch in den meisten ist Tony Craggs typisch organische Formensprache wiederzuerkennen.
1949 in Liverpool geboren lebt Tony Cragg seit 1976 in Wuppertal. Er stellte mehrfach Werke auf der Documenta und auf Biennalen in Venedig aus. Aktuell stehen große Bronzeplastiken von ihm im Max Ernst-Museum in Wiesbaden, auf dem Skulpturenpfad Purple Path in Chemnitz und vor dem Forum Kunst des Bundestags in Berlin.
ChemnitzBerlinWiesbaden
Der Skulpturenpark in Wuppertal ist zusätzlich voll gespickt mit dauerhaften Figuren auch anderer Bildhauer, die zwischen kühlenden Bäumen hinter jeder Wegbiegung neue Seherlebnisse bieten. Trotz des etwas beschwerlichen Aufstiegs ist jeder Ausflug eine wertvolle Mischung aus Natur- und Kunstgenuss.
Toni Cragg; Line of Thought im Skulpturenpark „Waldfrieden“ in Wuppertal. 20.August 2025 bis 1.1.2026
Die Berlinische Galerie zeigt eine Einzelausstellung von Monira Al Qadiri mit dem Titel „HERO“. Der Titel entspricht eher einer ironischen Anspielung auf die vermeintliche Heldenhaftigkeit des gigantischen Tankers, der auf der langen Wand des Ausstellungsraumes abgebildet ist. Die Künstlerin beschäftigt sich in all ihren Arbeiten mit der Petro-Industrie, wobei sie stets die zwei Seiten des Erdöls betrachtet. Auf der einen Seite war und ist Erdöl der Motor der Industrialisierung der Menschheit, ein Garant für Fortschritt, Innovation und Wohlstand. Andererseits verursachen Transport, Verbrennung und die Chemische Industrie große Probleme für Umwelt und Gesundheit .
Monira Al Qadiri wurde in Dakar im Senegal als Tochter eines Verwaltungsmitarbeiters der marokkanischen Botschaft geboren. Doch als ihrem Vater eine lukrative Verstzung nach Kuwait angeboten wurde, zog er mit der Familie und der kleinen Tochter dorthin. Die Künstlerin erlebte selbst den Wohlstand, den auch ihr das Öl in dem hierdurch ultrareichen Lander möglichte. So konnte sie in Kuwait und später in Japan und Paris studieren. Doch sie entwickelte auch im weiteren eine sehr kritische Sensibilität gegenüber der destruktiven Komponente, die die Ölindustrie verursacht.
Solch ein LNG-Terminal steht auch in der Ostsee vor Lubmin, von wo aus er die Raffinerie in Schwedt versorgt, die widerum für Benzin in Berlin sorgt.
In Berlin stellt sie thematisch in den Mittelpunkt ihrer Message die riesigen Tanker, die über die Weltmeere fahren. Viele unterschiedliche Tanker-Modelle stehen und schweben im Raum, sämtlich mit von ihr gewählten beziehungsreichen Namen.
Am Raum-Ende findet sich eine glänzend rot lackierte Skulptur in Form einer „schnellen Birne“. So wird der Wulst an der Bugspitze der Tanker bezeichnet, der den Wasserwiderstand erheblich rediziert.
Bekannt wurde Monira Al Qadiri auf der Biennale in Venedig 2022 mit Skulpturen, die Bohrköpfen von Ölbohrungen nachempfunden sind. Sie ließ sie mit mehrfarbig schimmerndem Autolack lackieren, was ihnen eine ästhetische Schönheit gibt. Doch die Botschaft der zugrunde liegenden Umweltverschmutzung bleibt trotzdem erhalten.
Fantastische Wesen der Tiefsee sind die Portugiesischen Galeeren. Sie sind eine hochgiftige Art Qualle, die jedoch kein Einzelwesen ist, sondern mit mehreren Organismen einen völlig voneinander abhängigen „Staat“ bilden. Auch sie sind durch die Verschmutzung des Meeresbodens gefährdet. Die Künstlerin fertigte als Mahnung und Aufklärung wunderschöne gläseren Skulpturen dieser außergewöhnlichen Lebensform an.
Der Bezug zu Berlin, der stets ein besonderes Merkmal des Ausstellungsortes ist, besteht ganz einfach in der Tatsache, dass die Künstlerin inzwischen hier lebt.
Die sehenswerte aktuelle Ausstellung in der Berlinischen Galerie ist typisch für die Künstlerin: ein Ausdruck der Zwiespältigkeit zwischen Schönheit und Bedrohung, die die exessive Nutzung des Erdöls beinhaltet. Und wir sind vom Öl immer noch absolut abhängig!
Monira Al Qadiri: „HERO“ , Berlinische Galerie, 11.Juli bis 17. August 2026
Danh Vo „“In God We Trust“Marinella Senatore „We rise by lifting others“
Ein großartiger Bestandteil der ART Basel ist in jedem Jahr die riesige Ausstellungshalle „UNLIMITED“. Zwar sind grundsätzlich auch diese Kunstwerke vekäuflich, doch vor allem bietet sich hier für außergewöhnlich große Werke die Möglichkeit gesehen zu werden.
Es ist ein wahrer Augenschmaus, durch die Halle zu wandeln und sich permanent von einem weiteren Kunstwerk begeistern zu lassen.
Auch kommt es zu Begegnungen mit Künstlern. Hervorzuheben ist in diesem Jahr Michelangelo Pistoletto. Von dem 91 jährigen italienischen Maler, Aktions- und Objektkünstler wird eine Kombination zweier Installationen gezeigt. 2016 zerstörte er im Rahmen einer Performance 24 Spiegel und setzte die Teile so zusammen, dass darunter jeweils das Wort RESPEKT in verschiedenen Sprachen erscheint. Die Spiegel umrahmen einen Spiegelglastisch aus dem Jahr 2002 in der Form des Mittelmeeres. Darum stehen Stühle unterschiedlicher kultureller Herkunft. Pistoletto kommentierte jetzt im Ausstellungsbereich persönlich, dass er gegenseitigen Respekt als wichtigste politische Vorraussetzung für die friedliche Verständigung halte. Ebenso sei der Tisch heute mehr denn je ein Symbol, über Länder- und kulturelle Grenzen hinwegt im Gespräch zu bleiben.
Die Künstlerin Claudia Comte aus Basel (Jg. 1983) präsentiert drei große Statuen aus Carrara-Marmor in der Form einer Koralle, eines Kaktus und eines Blattes, die sie eindrucksvoll vor einer gestreiften Wand mit Ausschnitten in gleicher Form plaziert, was die Skulpturen wellenförmig grafisch kontrastiert. „Temporal Drift“ ist ein aktuelles Beispiel, welch würdevolle Ausstrahlung der altbekannte und in der Kunst seit Jahrhunderten beliebte Stein auch in der zeitgenössischen Kunst weiterhin darzustellen vermag.
Wunderschön ist auch ein monumentales Bild von Antonis Donef, geboren 1978 in Sofia, der jetzt in Athen lebt und arbeitet. Es ist eine Collage aus archivarischen Buchseiten aus Encyclopädien und Landkarten, die er kalligrafisch und farblich überschrieben hat.
Didier Williams schuf einen Raum aus Skulpturen und Gemälden, die an Kolonialismus, Sklaverei und Flucht erinnern sollen. Doch das Ensemble wirkt nicht primär bedrückend, sondern fantastisch in seiner Farbigkeit und ungewöhnlichen Ausdrucksweise. So sind die Oberflächen der Figuren mit schwarzen und weißen Augen bedeckt und die Bäume abstrahiert dargestellt. Williams wurde 1983 in Port au Prince auf Haiti geboren, floh jedoch schon mit 6 Jahren mit seinen Eltern nach Miami. Inzwischen lebt er in Philadelphia, doch seine Herkunft prägt weiterhin seine Kunst.
„Gesture to Home“
Wie eine Halfpipe gewölbt liegt das Gemälde von Hyunsun Jeon auf dem Hallenboden und zeigt ihre persönliche Ausdrucksweise, Natur und Abstraktion kombiniert darzustellen, die etwas an frühe Videospiele erinnert. Die Künstlerin wurde 1989 in Seoul geboren. Sie lebt und arbeitet auch weiterhin in ihrer Heimat.
Auch wenn es auf den Fotos nur schwer nachvollziehbar ist, so löst das mosaikartige Video von Walid Raad trotzdem bei den Besuchenden eine große Faszination aus. Es handelt von Zerstörung und Wiederaufbau in ständiger Endlosschleife. Die zugrunde liegenden Aufnahmen stammen aus Beirut. Walid Raad wurde 1967 im Libanon geboren, war schon Teilnehmer der Documenta 13 (2012) und lebt jetzt in New York.
Dies ist nur ein kleiner beispielhafter Ausschnitt aus der „unendlich“ erscheinenden Menge herrlicher Kunstwerke der UNLIMITED, die – wie in vergangenen Jahren – allein schon den Besuch der Art Basel für Kunstbegeisterte lohnt, selbst wenn keinerlei Kaufinteressen bestehen.
Lee UfanJoep van LieshoutMimmo Palladino
Art Basel 2025 vom 19. bis 22.Juni 2025, jedoch erneut im kommenden Jahr vom 18. bis 21.Juni 2026