„Landschaftsbilder“
Jetzt auch im Museum Barberini: Edvard Munch. In der Berlinischen Galerie sehen wir bereits seit ein paar Wochen Gemälde des norwegischen Malers. Hier wurde mit Herzblut und kompetenter Recherche ein eigenständiges Konzept entwickelt, das thematisch neuwertig den Fokus auf den Bezug Edvard Munchs zu Berlin legt und einen besonders empathischen Blick auf sein Leben und Werk wirft.
Das ganze Gegenteil prägt die Ausstellung in Potsdam. Hier wurde ein Komplettpaket vom Clark Art Institut in Williamstown eingekauft, das die US-amerikanische Herkunft nicht verleugnen kann. Möglicherweise liegt genau darin ein Grund für die große Distanz des Betrachtenden mit schwieriger Einfühlbarkeit und mangelnder Begeisterung.



Ein Holzfäller im bunten Wald, ein grell gelber Baumstamm, verwaschene, verschmierte Farben, die als Schneesturm definiert werden und nackte Männer am Badestrand. Wie passt das zusammen? Nun, die badenden Männer habe Munch gemalt, als er sich in Warnemünde am Ostseestrand von seiner Depression erholt hatte. Oder entspringen sie vielleicht doch einem sonst heftig abgewehrten erotischen Kontext?

Ein besonderer Raum ist der „Aula“ gewidmet. Edvard Munch bewarb sich in einem Wettbewerb um die künstlerische Ausstattung der Aula der Universität Oslo. Er fertigte dafür zunächst Entwürfe in kleinerem Maßstab an, die als Ensemble erhalten und in Potsdam ausgestellt sind. Der Titel ist „Licht und Wissen“. Trotz aller Genialität des Künstlers wirken sie nun richtig skizzenhaft und unfertig, was sonst dem regelrechten Werk von Munch ungerechtfertigt vorgeworfen wurde. Allerdings ist die thematisch führende Darstellung der Sonne gerade durch die Unvollkommenheit ein heiteres fröhlich frisches Gemälde.



Als kleines Highlight hängt jedoch ein „Schrei“ in der Potsdamer Ausstellung im Gegensatz zu Berlin, leider aber nur als recht kleine Lithografie. Auffällig der handschriftliche Titel: „Geschrei“! Dazu noch: „Ich fühlte das große Geschrei durch die Natur.“ Meint er, dass damals schon die Natur aufgeschrien hat, weil man sie zerstörte? Es soll zu jener Zeit durchaus Angst um die Natur bei den Menschen geherrscht haben, jedoch befürchtete man im Gegensatz zu heute eine bevorstehende Eiszeit. Oder war Munch von Stimmen oder Tinnitus geplagt?



Für Anhänger von Edvard Munch ist die Postdamer Ausstellung sicher ein schönes Zusatzgeschenk in diesem Winter, doch den zauberhaften „Zauber des Nordens“ in der Berlinischen Galerie kann sie in keinem Fall überstrahlen.
Ein Tipp für den Besuch: Es gibt Kombinationstickets für beide Ausstellungen für 20€.
Munch. Lebenslandschaften, 18.11.23 bis 1.4.2024, Museum Barberini , Potsdam
Eine Antwort zu “Munch in Potsdam”
Ich war noch nie im Barberini, aber nach allem, was ich über die Jahre mitbekommen habe, ist es halt ein Privatmuseum, das sich bei der Auswahl der Ausstellungen gerne dem Mainstream anbiedert. So auch bei Munch, wie man deiner Beschreibung entnehmen kann.
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