Gehrys Eispalast in Paris

Die Fondation Louis Vuitton

Als Pendant zu dem fantastischen Guggenheim-Museum in Bilbao konstruierte Frank O. Gehry einen weiteren ebenso großartigen Palast für Moderne Kunst für einen Privat-Investor. Diesmal ist es Bernard Arnauld, der über mehrere Luxusmarken wie Louis Vuitton, Dior, den Champagner Moet Chandon und den Cognac Hennessy herrscht.

Das Gebäude am Bois de Boulogne schwebt wie eine Wolke aus Schleiern wie Eis über dem Park. Faszinierend ist nicht nur die Außenansicht, sondern auch die Innengestaltung. Hier finden sich im Kern die schlichten Ausstellungsräume mit einer Höhe bis zu 9 Metern. Verbunden sind sie locker mit vielen asymmetrischen Übergängen, durch die stets neue Ein- und Durchblicke entstehen. 12 Schleier aus gebogenen Glasplatten schweben fast kontaktlos über der Grundkonstruktion. So entsteht ein offener Dachgarten auf multiplen Ebenen, der Ausblicke sowohl auf den Eiffelturm, als auch La Defense, das Skyline-Quartier von Paris freigibt.

Ein besonders imposantes und perfekt in einen freien Bereich eingepasstes Kunstwerk ist die Installation von Katharina Grosse. Sie wirkt ebenfalls schwebend, jedoch mit ihren typischen bunten Farben.

Die aktuelle Ausstellung ist Mark Rothko gewidmet. (18.10.2023 – 2.4.2024) Der amerikanische Maler ist bekannt durch seine Reduktion auf wenige Farbfelder mit Umrahmungen, bei denen die Übergänge verwischt gestaltet sind. Er lebte von 1903 bis zu seinem Suizid 1970. Seine Grundidee hierbei basiert angeblich darauf, dass wir Menschen zwischen Vergangenheit und Zukunft ständig intensiv daran arbeiten, unsere Gegenwart zu gestalten, in dem wir Erfahrungen von früher so verwerten, dass sie für die Zukunft eine gute Perspektive schaffen. Die Farbflächen symbolisieren diese Epochen. Dabei sei wichtig, dass Farbe wie halbdurchsichtig ist. Man kann einfach von außen darauf sehen, aber auch hindurch. Je geringer der Helligkeitsunterschied zwischen den zwei Farbflächen sei, desto mehr sei das Jetzt harmonisch mit Vergangenheit und Zukunft im Reinen.

Andererseits sind in der Chronologie der in Paris gehängten Bilder im Laufe der Jahre immer düsterer werdende Farben bis zu einer komplett schwarzen Fläche deutlich erkennbar, wonach der Suizid folgte. So entspricht dies womöglich mehr einer zunehmenden Düsterheit auch der Seele, also einer Depression und nicht der vollkommenen Harmonie. Ob die Zuspitzung wegen oder trotz Rothkos intensiver Beschäftigung mit der Philosophie Friedrich Nietzsches erfolgte, bleibt der Spekulation überlassen.

Mark Rothko war selbstverständlich auch Teilnehmer bei einer Documenta, und zwar der zweiten im Jahr 1959, was auch die Bedeutung dieser einmaligen alle 5 Jahre erneut stattfindenden Ausstellung untermauert.

Beim Besuch sollte auf keinen Fall das Untergeschoss vergessen werden. Die dortige Anlage des Wasserbasins ermöglicht herrliche Spiegelungen. Ebenso ist die ständig überlaufende Treppe ein Ort der Meditation.

Fondation Louis Vuitton, 8 Av. du Mahatma Gandhi, 75116 Paris


Eine Antwort zu “Gehrys Eispalast in Paris”

  1. Das Gebäude von Gehry hat dich sehr beeindruckt. Als ich vor ca. 14 Jahren dein Museum in Bilbao sah, ging es mir auch so. Das Museum beschäftigte mich lange, ich machte eine Führung mit, kaufte und las ein dickes Buch über die Entstehungsgeschichte- ich fand es genial, ebenso wie das Gebäude in Paris. Übrigens auch das Bankgebäude am Pariser Platz von ihm!
    Das wäre auch ein Thema, und gestaltet er nicht auch den Saal für Baerenboim??

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