West Coast USA – “The Broad”

The Art of America -Teil 1

Was hängt in den Museen in Kalifornien?

Die Amerikaner lieben eindeutig amerikanische Kunst! Das ist auf keinen Fall verwunderlich. Und sie lieben große Formate. Überhaupt: Großartiges! Allen voran im Museum „The Broad“ in Los Angeles!

Auf den ersten Blick hängen hier vor allem Hunderte Millionen Dollar in Form von Kunstwerken an den Wänden, z.B. allein 6 Werke von Jean Michel Basquiat, von dem ein anderes für 100 Millionen schon mal versteigert wurde.

Weiterhin finden sich 4 Säle voll mit Schlüsselwerken von Roy Lichtenstein, einem der wichtigsten Vertreter der Pop-Art, ebenso wie Andy Warhol.

Auch die poppigen Skulpturen von Jeff Koons sind Vertreter der typischen zu Hollywood passenden Kunst.

Interessant und künstlerisch differenzierter, aber ebenso wertvoll, Werke von Julie Mehretu, die auch an der Documenta 13 (2012) teilnehmen durfte, sowie Jenny Holzer.

Das Museum „The Broad“ besteht seit 2015 und wurde hauptsächlich von dem Milliardär Eli Broad und seiner Frau Edith privat finanziert für ihre Privatsammlung, die etwa 2000 Werke umfasst. Den riesigen Bau in prominenter Lage von L.A. ließen sie vom Architekturbüro Diller Scofidio u. Renfro erstellen.

Da passt doch das Werk von Barbara Kruger typisch hinein: „I shop, therefore I am“.

„The Broad“ ist nur ein Beispiel für die Museumskultur in den USA, die allein deshalb existiert, weil sehr reiche Familien sie als Sponsoren finanziert. Das bedingt jedoch, dass dort gehängt wird, was der Besitzer bestimmt. Wir sehen keine komplexe Thematik oder die Finesse kuratorischer Ideen. Vielmehr sollen wir lediglich die Besitzer bewundern. Deutlich zu spüren ist dieser Unterschied zu Europa, wo viele staatliche Museen den Kurator*innen den Freiraum für thematische Ausstellungen ermöglichen oder auch noch wenig bekannten Künstler*innen den Raum geben. Hier sehen wir wechselnde Ausstellungen mit komplett anderer Ausrichtung als der reinen Zurschaustellung von Vermögen.

Auch in weiteren Museen in Kalifornien sind große Abteilungen mit Dauerausstellungen gefüllt und nach den Namen der Sammler und Geldgeber benannt. Dabei sei an den Kampf von Nan Goldin erinnert, die fordert, dass genau geschaut wird, woher deren Reichtum kommt und dass keine Huldigung von fragwürdigen Geschäften in Kunstmuseen geduldet werden darf.

Bei unserem Besuch an einem Sonntag im Februar gab es großen Andrang von Besuchern, besonders auch Familien mit Kindern jeden Alters. Ebenso fehlten keineswegs – wie oft bei uns in Deutschland – die jungen Erwachsenen. Möglicherweise liegt das auch daran, dass keinerlei Eintritt verlangt wird.

Trotz aller Kapitalismus-Kritik ist es schon ein großes Vergnügen, so viele wundervolle Kunstwerke mal anzuschauen, die wenigstens nicht in hochgesicherten Lagern verschwinden, sondern der Öffentlichkeit zugänglich gemacht werden.

„The Broad“: 221 S Grand Ave, Los Angeles, CA 90012, USA


2 Antworten zu “West Coast USA – “The Broad””

  1. Angemessen, dass Nan Goldin nicht im (Museums-)Haus eines jeden Milliardärs ausgestellt sein will. Unangemessen, dass sie fordert, Israel bei der Biennale von Venedig auszuschließen und damit Künstler*innen zu boykottieren. Das disqualifiziert sie als Mahnerin

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