Comic-Kopie und doch einzigartig



Comics und Werbung lieferten die Vorlagen für die Gemälde eines der wichtigsten Begründer der POP-Art. Neben Andy Warhol, Keith Haring und James Rosenquist war Roy Lichtenstein der berühmteste Künstler dieses Genre. Die Albertina in Wien zeigt aktuell eine Soloshow mit nahezu 100 Werken aus allen Schaffensperioden.


Das erste Bild „Look Mickey“ in seinem typischen Stil malte Lichtenstein nach dem Disney-Comic 1962 und hatte das Glück, von dem einflussreichen Galeristen Leo Castelli entdeckt zu werden. Lichtensteins Maltechnik imitierte mit den Punkten und Rastern die Technik des Offset-Druckes, er blieb aber konstant bei der Malerei, punktete mittels Blechschablonen und gestaltet so Unikate.

Später nahm er klassische Gemälde von z.B. van Gogh oder Picasso als Vorbilder, die er neu mit seinen Stilmitteln und nur in den Grundfarben schuf. Doch auch ein simpler abstrahierter Pinselstrich zeigte auf großformatiger Leinwand in dieser Darstellung eine völlig innovative besondere Wirkung.


Roy Lichtenstein wurde 1923 in New York geboren, studierte klassische Malerei und wurde 1943 zum Militär eingezogen. Er war dabei in mehreren europäischen Ländern stationiert und arbeitete als Konstruktionszeichner. Nach dem Krieg wollte er in Paris weiter studieren, doch er zog wegen der Erkrankung seines Vaters zurück in die USA. Er nahm im Weiteren eine Assistenzprofessur für Industriedesign an und lehrte an der Universität in New Jersey Kunst.


Heute herrscht ein Zeitgeist, in dem besonders Künstler präsentiert werden, die entweder aus indigener Herkunft stammen oder eine Non-Hetero-Sexualität leben. So wird auch in Wien parallel in der Albertina Modern eine Ausstellung unter dem Titel „Beauty of Diversity“ gezeigt. Ebenso sind für die Venedig-Biennale, die in wenigen Tagen öffnet, vorzugsweise Kunstschaffende dieser Kategorien vom Kurator Adriano Pedrosa angekündigt, alternativ Künstler*Innen mit Migrations-Lebenslauf, People of Colour oder zumindest Frauen. Es scheint eine Mode-Tendenz zu sein, die bereits mit der Documenta 15, damals noch als Novum begonnen hatte.
Roy Lichtenstein gehörte zu keiner dieser besonderen Gruppen. Er war ein weißer US-Amerikaner und hatte aus zwei heterosexuellen Ehen zwei Söhne. Trotzdem reüssierte er als Künstler. Kreativer einzigartiger Wiedererkennungswert und malerische Qualität waren offenbar zumindest in den 60er bis 90er Jahren erfolgversprechend. Roy Lichtenstein malte passend dazu in seinen späteren Jahren viele Frauenbilder.

Er starb 1997 im Ort seiner Geburt, in New York.
Es ist eine große Freude, in Wien beschwingt und fröhlich durch die farbenfrohen großen Bilder im Comic-Stil zu spazieren, auch weil sie die postmoderne Lebensfreude ausstrahlen, die in jenen Jahren besonders in Amerika vorherrschte. Die Erinnerung an deren Ausstellung 1995 in den riesigen Deichtorhallen in Hamburg hat sich jedoch noch beeindruckender und überwältigender im Gedächtnis eingebrannt, weil sich in dem Ambiente die Wirkung der Vergrößerung noch intensiver entfalten konnte. Trotzdem ist die Wiener Präsentation ein absoluter Highlight-Tipp für diesen Sommer.
Roy Lichtenstein, Albertina Wien, Albertinaplatz 1, 8.März bis 14.Juli 2024