
Er ist einer der vielseitigsten Künstler und stammt aus Johannisburg, doch seine Kunstwerke begeistern Menschen auf allen Kontinenten.
William Kentridge (Jg1955) arbeitet mit Kohlezeichnungen, Animationsfilmen, Papiercollagen, Installationen, Bühnenbildern oder führt Regie bei Theaterstücken.




In Deutschland ist er vielen Besuchern der dOCUMENTA(13) in Erinnerung geblieben. Seine dortige Installation 2012 im Kulturbahnhof zeigte auf vier Wänden in dem alten Lagerraum Szenen aus dem Leben von Familien, experimentierenden Wissenschaftlern oder die scherenschnittartige Darstellung von Prozessionen. In der Mitte des Raumes gab eine hölzerne Maschine den Arbeitstakt an, ebenso wie die Metronome in den Filmsequenzen. „The Refusal of Time“ war der Titel und stellte mahnend dar, wie unsere permanent getacktete Zeitplanung gefährlich ist und jegliche Kreativität verhindert.




Im Pressegespräch am 4.November 2024 in Essen anlässlich der aktuellen Preisverleihung erzählt William Kentridge von seiner Arbeit im Atelier, als er ganz allein die 9 Episodenfilme „Self-Portrait as a Coffee-Pot“ während der Pandemie herstellte. Er arbeite immer mit Einzelbildaufnahmen, bei denen er nach jedem Bild seine Zeichnung selbst kurz verändert. Nein, er habe eine Assistenz nicht vermisst. „Ich laufe immer zwischen Kamera und Leinwand hin und her. Das mag ich, denn wenn da ein Assistent auf den Auslöser drückt, kommt eine Hektik auf, man denkt, man muss immer schneller werden und darunter leidet meine Kreativität.“


Die jeweils 30minütigen Filme sind zurzeit in Venedig nahe den Giardini der Biennale zu sehen, aber auch auf der Internetplattform „MUBI“.
INart.berlin: „Abgesehen von der Arbeitsweise, welche Inhalte möchten Sie mit Ihrer Kunst vermitteln? In Ihren älteren Arbeiten ging es oft um das Leben in Südafrika und die Ungerechtigkeiten hierdurch in der Gesellschaft. Heute diskutieren Sie in den Coffee-Pot Szenen mit sich selbst über Ihre Rolle als Künstler für die Menschheit.“
W.K.: „Richtig! Mir geht es grundsätzlich um Kolonialismus überall. Doch ebenso um Optimismus. Beispielsweise ist die BRAS-Band aus „Refusal of Time“ ein Symbol für Optimismus.
Die politischen Themen kommen immer automatisch von überall draußen in die Arbeit hinein, auch in das geschlossene Atelier. In den aktuellen Filmen wollte ich die Frage aufwerfen, ob aber nicht ebenso gut ein Coffee-Pot oder ein anderer Gegenstand die Rolle des Künstlers einnehmen kann, der die Fragen der Zeit aufgreift. Ein Gedankenspiel.“
Den Preis erhält William Kentridge zum 70sten Geburtstag. In Deutschland wird er mit einer Doppelausstellung im September 2025 unter dem Titel „Listen to the Echo“ hierfür geehrt.
Im Museum Folkwang in Essen soll der Schwerpunkt auf dem Bergbau als Verbindung zwischen Johannisburg und dem Ruhrgebiet liegen. Bergbau ist ein oft wiederkehrendes Thema bei William Kentridge,, ebenso wie die Verwendung von Kohle zum Zeichnen.

Gleichzeitig werden in der Dresdener Albertina die Prozessionen, die so oft in Werken von Kentridge vorkommen, in Bezug auf den berühmten Dresdner Fürstenzug gesetzt. Können wir uns dort vielleicht auf die Optimismus-Musik der südafrikanischen Brass-Band freuen?


Auch von INArtberlin ein Herzlicher Glückwunsch zu dem wichtigen Kunst-Preis an WILLIAM KENTRIDGE!



2 Antworten zu “Internationaler Folkwang-Preis für William Kentridge”
vielen dank für das anschauliche „Aufmerksammachen“ so vieler wunderbarer ausstellungen. auch ein trost, weil man ja nicht überall dabei sein kann!
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Ich mag Kentridge SEHR und freue mich auf seine Ausstellung im Albertinum. Wir sahen seine Werke auch in Kopenhagen, aber zuerst mit Dir auf der documenta! Liebe Grüße!
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