Kunst oder Klamauk: Beeples „Regular Animals“ in der neuen Nationalgalerie

Sie waren der absolute Hit auf der ART Basel Miami Beach und rasch ausverkauft: die Roboter-Hunde, die mit den Köpfen berühmter MÄNNER herumtappeln, kleine Papiere drucken und ausscheiden. Alles sei eine künstlerische Demonstration, was eine selbstdenkende Künstliche Intelligenz so könne. Die sehr realistischen Köpfe sind neben dem Künstler selbst Andy Warhol, Pablo Picasso, Kim Jong-un, Elon Musk, Mark Zuckerberg und  Jeff Bezos. Zum Gallery Weekend beschert uns die Neue Nationalgalerie diesen witzigen Spaß, der sicher viele Menschen in das Museum lockt.

Doch fehlt da nicht zum Unterschied eines Spektakels für Disneyland ein etwas tieferer philosophischer Background? Hierfür hat die großartige Documenta-Kuratorin Carolyn Christov-Bakargiev im Artist-Talk fast eine Laudatio beigetragen. Aus ihrer Sicht sei die digitale Kunst eine neue relevante Kunst-Richtung. Gefragt, ob sie so etwas auf ihre Documenta eingeladen hätte, meinte sie: aus heutiger Sicht ja. Doch damals habe es keine NFTs o.ä. gegeben. Sie habe 2012 die Zentrierung der Kunst auf den Menschen aufbrechen wollen und eine Wertschätzung anderer belebter und unbelebter Natur bewirken wollen. Das habe ihr die übertriebene Schlagzeile eingebracht, sie fordere ein Wahlrecht für Erdbeeren. Hätte die digitale Technologie mit Smartphones und KI damals schon eine so erhebliche Verbreitung in der Welt gehabt, hätte sie diesen Aspekt sicher gezeigt.

Wer aber ist Beeple: Mike Winkelmann ist ein US-amerikanischer Web- und Game-Designer, der sehr früh aus Freude digitale Kunst-Werke produziert hat. Über 5000 Tage stellte er täglich kleine aktuelle Bildchen her, die er in einer Collage zusammenstellte, aber nur virtuell als NFT, dieser berühmten Form des nicht greifbaren „Kunstwerkes“, das aber jeder online anschauen kann. Doch NFTs sind auch käuflich: aber nur als Eintrag in ein hoch gesichertes Register und nur mit Kryptowährung zu bezahlen. Man bekommt den Eintrag , „um damit angeben zu können“. Beeples „Everydays: The first 5000 Days“ entstand 2021 und wurde für 69 Millionen Dollar (laut SPIEGEL) versteigert. Es begann ein wahrer Boom von Spekulationen mit NFTs. Auch Kunstgaleristen versuchten, diese neue „Kunst“-Gattung zu vermarkten und erfanden wundersame kreative Erklärungsversuche über den Wertzuwachs. 2025 crashte der NFT-Markt komplett! Die Blase war geplatzt.

Jetzt begeistern also diverse Roboter nicht nur in Ausstellungen, sondern auch z.B. den Bundeskanzler in China. Und werden momentan nicht auch die schrecklichen Kriege mit Drohnen, also fliegenden Robotern geführt, die extrem zerstörerisch sind? Vielleicht gibt es also doch einen sozialpolitischen Hintergrund, der die Hündchen zu einem Kunstwerk mit warnendem Charakter erhebt?  

BEEPLE. „Regular Animals“, Neue Nationalgalerie Berlin, NUR vom 29.4. bis 10.5.2026


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