Kokoschkas Adenauer. Warhols Brandt.

Kanzlerportraits und Angela Merkel

Im Bundeskanzleramt gibt es die berühmte Galerie mit den Portraits der ehemaligen Bundeskanzler und vor kurzem ist jadafür auch das Gemälde von Angela Merkel fertig geworden. Im Bestand der Kunstsammlung des Bundestages gibt es aber zusätzlich Portraits, die ohne staatlichen Auftrag von berühmten Künstlern angefertigt wurden  und zwar von besonders prägenden Kanzlerpersönlichkeiten.

Dass der damals schon hoch gehandelte Maler Oskar Kokoschka Konrad Adenauer portraitierte, ist dem rührigen Galeristen Johannes Wasmuth zu verdanken, der beide dafür gewinnen konnte. Die Bedingung war jedoch, dass das Werk für einen guten Zweck versteigert werden sollte.

In der neuen Ausstellung im Forum Kunst des Bundestags ist Oskar Kokoschkas Adenauer jetzt zu sehen und wird im Kontext anderer Portraits, Zeichnungen und Büsten des Altkanzlers präsentiert.  Zur Eröffnung sprach auch Angela Merkel, denn sie ist die „ideelle“ Leihgeberin. Wie jede/r Abgeordnete konnte sie sich aus der Sammlung des Hauses ein Bild für ihre Amtsräume aussuchen. Seit sie Fraktionsvorsitzende der CDU war, begleitet sie das Kokoschka-Gemälde bis heute in all ihre Büros.  Frau Merkel erläutert ihre Verbundenheit nicht nur mit dem Gemälde, sondern besonders mit Konrad Adenauer. Seine Entscheidung für die Freiheit der neu gegründeten Bundesrepublik und gegen ein vereinigtes, aber „neutrales“ Deutschland ohne Verankerung im westlichen Wertesystem halte sie bis heute für absolut richtig.

Das zweite besondere Kanzlerportrait der Ausstellung ist kein Gemälde, sondern der farbige Siebdruck von Willi Brandt in der ikonografischen Gestaltung Andy Warhols. Auch er war damals schon ein Star der Kunstszene. Seine Motive suchte Warhol jedoch nach eigenem Ermessen sehr exklusiv aus. So steht Willi Brand in einer Reihe mit Marilyn Monroe, Mick Jagger, Michael Jackson, Jackie Kennedy, Muhammad Ali, aber auch Franz Beckenbauer oder Joseph Beuys. Künstler und Kanzler sind sich nur einmal kurz in einem Hotel begegnet, wo Warhol ihn auf 26 Polaroid-Fotos ablichtete. Eine fertige Grafik wurde wie verlangt für UNICEF versteigert. Zwar hatte die Boulevard-Presse über die Begegnung zwischen dem Friedensnobelpreisträger und und dem amerikanischen Pop-Art-Künstler als Sensation berichtet, doch der Verkaufserlös war nur mäßig. Für die Sammlung des Bundestages war dies jedoch ein Glück für einen günstigen Ankauf.

Die Geschichte um das später offizielle Portrait Willi Bandts zeigt dagegen deutlich schwierigere Hürden. Helmut Schmidt als Nachfolger musste Brandt mehrmals auffordern, sich einen Maler auszusuchen, wobei zwei Bilder von dem – berechtigt unbekannt bleibenden – Georg Meistermann richtige Reinfälle wurden. Sie sind in der Ausstellung zu sehen, so dass man sich ein eigenes Urteil machen kann. Auch gerade im Kontrast hierzu erkennt man das Geniale an Andy Warhol.

Die von Kristina Volke kuratierte Ausstellung ist nicht nur eine Präsentation zweier Kanzlerbilder, vielmehr entfacht sie Gedanken über den Sinn von Portrait-Malerei angesichts heute verfügbarer Fotografie, Herrschafts-Verehrung , Zeitgeist oder der Identifikation einer Bevölkerung mit ihren gewählten Regierenden.

Extra: Am 5. Januar 2027 wäre Konrad Adenauer 150 Jahre alt geworden.

Kokoschkas Adenauer. Warhols Brandt. Im Forum Kunst des Bundestags, 22. Sept. 2026 – 10.Jan. 2027


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