Finnland begegnet grandioser Kunst aus Afrika im AMOS REX


Helsinki, die Hauptstadt von Finnland wird selten erwähnt, wenn es um zeitgenössische Kunst geht. Dabei bieten 3 Museen regelmäßig Ausstellungen auf internationalem Niveau: das KIASMA, das HAM (Helsinki Art Museum) und besonders innovativ das AMOS Rex. Genau dieses Museum basiert auf einer privaten Stiftung des Unternehmers Amos Anderson und glänzt mit den im Untergrund fast versteckten futuristischen Ausstellungsräumen unter einem Kino der 60ger Jahre mitten im Zentrum der Stadt.
Der Titel der Show: „The Other Side of the Mountain” ist selbstverständlich metaphorisch zu sehen, denn es geht einfach darum, mit offener Wahrnehmung auf die Kunst zu schauen, die „hinter dem Berg“ auf einem weit entferneten anderen Kontinent, Afrika, entsteht oder von Menschen mit afrikanischen Wurzeln gestaltet wurde. Klar wird, dass hier wie dort großartige Kunst-Konzepte und Ideen realisiert werden.

Foto: Frank Ossenbrink
An der Gruppenshow sind elf Künstlerinnen und Künstler mit afrikanischen Wurzeln beteiligt, die bereits Grenzen überwunden haben und auf internationalem Parkett hoch geachtet sind.



Allen voran: Ibrahim Mahama, der 2025 von der englischen Kunstzeitschrift ArtReview bereits als einflussreichste Persönlichkeit der Kunstszene unter den TOP100 ausgezeichnet wurde. Museen und Institutionen reißen sich danach, ihm hohe Auszeichnungen. Zuhause in Ghana bekam er diplomatische Ehren und nächste Woche erwartet ihn Kassel zur Vergabe des Arnold-Bode-Preises im Andenken an der legendären Gründer der Documenta. Kurz bevor seine zu riesige Show in der Fondacion Cartier in Paris beginnt, hat sich Helsinki noch Mahamas Teilnahme gesichert.
Für Amos Rex gestaltete er eine Wandverkleidung des breiten einladenden Treppenabganges aus pinkfarbenen Textil-Gummibändern. Zur Herstellung hatte er eine ehemalige Gummifabrik in seiner Heimat Ghana reaktiviert, weil eins seiner vorragigen Anliegen die Erhaltung handwerklicher Fähigkeiten für weitere Generationen ist. Außerdem verwendet Mahama in seinen Kunstwerken stets gebrauchte oft benutzte Materialien aus dem Leben oder Produktionsstätten seiner Heimat, in diesem Fall Hunderte von großen Nadeln, mit denen die von ihm typischerweise oft verwendeten Jutesäcke zusammengenäht und repariert wurden.


Emeka Ogboh stammt aus Nigeria, lebt aber vorwiegend in Berlin. Seine Kunst-Aktion für diese Ausstellung war die Reise mit einem für Nigerias Hauptstadt Lagos typischen „DANFO-Bus“ von Berlin über Kopenhagen und Stockholm nach Helsinki. Auf dem Weg gab es immer kleine fröhliche Events, bei denen Ogboh afrikanische Lebensfreude und Kultur dem Norden Europas nahebringen wollte. Den Dokumentarfilm darüber kann man in der Heckscheibe des Busses ansehen. Emeka Ogboh ist auch bekannt als Bier- Künstler. Sowohl zur Documenta 14 als auch zur Afrika-Ausstellung in der Völklinger Hütte hatte er jeweils eine Biersorte kreiert und brauen lassen („Sufferhead original“ und „ROST“). Für Helsinki schuf er eine eigene Gin-Sorte („Migratory Notes“ von Nordic Premium Beverages). In Helsinki veranstaltet Emeka Ogboh zusätzlich ein Artist-Dinner. Für 45€ werden Tickets verkauft für ein Essen in exklusiver kleiner Runde mit dem Künstler inklusive Gin-Tasting: wieder eine neue inovative Variante eines Kunstwerkes, eine Art „Soziale Plastik“, wenn man an Beuys denkt. Am 27.10.2026 können Sie über die Museumsseite versuchen, ein Ticket zu ergattern und somit Teil des Kunstwerkes zu werden.


Sandra Mujinga ist in der demokratischen Republik Congo geboren und lebt jetzt in Oslo. Sie ist bereits seit der Teilnahme an der Biennale in Venedig 2022 international bekannt und ihre Serie grüner Riesen-Geister wirkt in den Räumen des Amos Rex mit dem Sound und den Spiegeleffekten überwältigend. Gruselig, aber zugleich absolut anziehend. (“Skin to Skin“)


Auch die weiteren Künstlerinnen und Künstler prägen mit ihren Beiträgen den hervorragenden Eindruck, dass afrikanisch fundierte Kunst ein unübersehbares Schwergewicht in der globalen Contemporary Art darstellt. Es ist ein großer Gewinn, den Blick „hinter den Berg“ zu richten.


“The Other Side of the Mountain” – Notes from African an Afro-Nordic Perspecties: AMOS REX,14.Okt.2026 -21.März 2027
ACHTUNG: Bitte schon jetzt freuen auf das große Einzel-Interview mit Ibrahim Mahama….. comming SOON!