Die Reunion der fünf Künstler-Freunde

Fünf excellente Künstler*Innen, die jede/r allein große Soloausstellungen zum Publikumsmagneten werden lassen, treffen sich zu einer gemeinsamen Show in Berlin und plaudern fröhlich wie bei einem Klassentreffen. Was sie vereint, ist eine gemeinsame Schaffenszeit in alten Industriehallen Anfang der 2000der Jahre direkt hinter dem Gebäude des Hamburger Bahnhofs.

Diese 5 Schwergewichte der Kunst hat der 30. Geburtstag des Hamburger Bahnhofs, die Nationalgalerie für Gegenwartskunst wieder zusammengeführt. 2002 entdeckte Thomas Demand direkt hinter diesem Gebäude die großen aufgegebenen Hallen der Riek-Werke. Er mietete sie ohne Heizung für seine großformatigen Bilder und lud seinen Freund Olafur Eliasson ein, ebenfalls einen Teil als Atelier zu nehmen. Es folgten Tacita Dean, Tomas Saraceno und Henrik Hakanson zeitversetzt. Sie fertigten keine gemeinamen Werke, sondern jeder arbeitete weiter an seinen eigenen Ideen. Doch sie trafen sich: im Garten, beim Essen, beim Feiern und sie besuchten sich gegenseitig in ihren Ateliers. Der Austausch  und die Freundschaft waren für alle offensichtlich eine große Bereicherung. „Berlin war damals unglaublich „soft“. Wir konnten machen, was wir wollten und die Miete der Ateliers war unglaublich günstig. Ein Paradies. Das Softe spürt man in Berlin bis heute. Für uns Künstler eine tolle Atmosphäre!“ erzählt Olafur Eliasson. Sie wohnten also alle „Next Door = Tür an Tür“ miteinander und mit dem Hamburger Bahnhof.

Zur aktuellen Austellung hat jede/r eine neue, aber für sie typische Installation beigetragen

Olafur Eliasson ist berühmt für seinen künstlichen Wasserfall von der Brooklyn-Bridge in New York und riesigen Lichtobjekte, beispielsweise in der großen Halle der Tate Modern in London. Für die aktuelle Show konstruierte er Projektionen, die von Spiegeln ausgehen, angesteuert von Soundeffekten.

Tomás Saraceno baute ein weiteres für ihn typisches raumgreifendes Spinnennetz aus Wollfäden und thematisiert erneut die Arachnophobie= die Angst vor Spinnen: mit Zeichnungen, Filmplakaten und einem echten Spinnennetz. (Im gläsenen Käfig!) Weltweites Aufsehen erregte er auch mit seinen ökologischen Projekten. So stellte er einen riesigen Ballon aus schwarzen Kunststoffplanen her, der sich in der Chilenischen Wüste allein durch die Sonnenenergie in die Luft erhob und schwebte.  Die Luft im Inneren des Ballons wurde von der Sonne unter der schwarzen Folie erhitzt, ohne jeglichen Verbrenner.

Tacita Dean hat gemeinsam mit Bruce Nauman eine Super8-Filmschleife hergestellt, die eine große bunte Hand an die Wand projeziert. Es ist die zittrige Hand des Künstlerkollegen Bruce Nauman, der versucht, sie deckkungsgleich auf den Bildausschnitt zu bringen. Tacita Dean nahm auch an vielen Groß-Events teil, z.B. mit wunderschönen weißen Kreidegemälden an der dOCUMENTA 13.

Henrik Håkansson filmte mit einer Hochgeschwindigkeitskamera einen bei ihm einheimischen Schmetterling. Die Videos werden in einer großflächigen, aber trotzdem filigranen Projektion auf 4 halbdurchsichtigen Wänden detailgenau liebevoll gezeigt. „Das ist der berühmte Flügelschlag des Schmetterlings, der vielleicht der Auslöser für eine Kette von Umweltveränderungen ist, die in einer Katastrophe enden.“ Sagt Hakansson.

Thomas Demand fotografiert Räume und Natur, aber nicht direkt, sondern, nachdem er sie aus Papierstücken nachgebaut hat. So werden die Besucher in der jetzigen Ausstellung von der „Lichtung“ empfangen, dem Motiv, mit dem er ursprünglich bekannt wurde, weil man es als Foto nicht von der umgebenden Natur unterscheiden konnte.

Dass diese Künstlergruppe eine große Freundschaft verbindet, wird sofort deutlich, sobald man sie zusammen erlebt. Offensichtlich muss man nicht in harter Konkurenz miteinander umgehen, um extrem erfolgreich zu werden.

„Next Door“ im Hamburger Bahnhof, Nationalgalerie der Gegenwart, Berlin, 9.Okt. 2026 bis 27.Juni 2027


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