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Firelei Baez in Wolfsburg
Farbenprächtige pure Lebensfreude überwindet koloniales Weltbild

Schon beim Eintritt in den ersten Saal entsteht angesichts der faszinierenden Farbenvielfalt sofort ein begeisterter Wow-Effekt beim Betrachten. Die fröhliche Pracht der Farben bringt karibisches Feeling und die hervorragende exakte Malerei entringt höchsten Respekt. Eine Flut wunderschöner Farbspiele beflügelt die Seelen sofort. Doch die Bilder der Künstlerin sind auch durchzogen von differenzierter soziopolitischer Kritik.
Firelei Baez wurde 1981 in der Dominikanischen Republik geboren. Sie wuchs an der Grenze zu Haiti auf. Die Familie zog nach Miami, als sie 9 Jahre alt war. 2010 erreichte sie den Master of Fine Arts am Hunter College in New York. Von Beginn ihrer künstlerischen Tätigkeit an beschäftigte sich Firelei Baez in ihrer Kunst mit dem historischen Rassismus in den USA und den Auswirkungen der Kolonialisierung in der Karibik.


Die Grundlage der Gemälde von Firelei Baez sind vergrößert auf Leinwände projizierte historische Landkarten oder Seiten ausrangierter historischer wissenschaftlicher Bücher. Die Karten stellen teils falsche geografische Verhältnisse dar. So wurde z.B Hispaniola, die Insel, auf der sie geboren wurde, mehrfach völlig unterschlagen. Heute ist Hispaniola in Haiti mit vorwiegend schwarzer Bevölkerung und die dominikanische Republik mit karibischer Bevölkerung streng geteilt.


Auf anderen Untergründen wird ein historisches Brettspiel von Pierre Duval aus dem Jahr 1645 erkennbar, bei dem man sich durch Würfeln aus dem Außenkreis damals unbedeutender Länder wie z.B. Hispaniola in das dem eurozentrischen Weltbild der Zeit Ludwigs des 14en entsprechende höchstentwickelte Zentrum der Welt, nämlich Frankreich vorarbeiten muss. Firelei Baez bedeckt mit ihren farbenprächtigen menschlichen Figuren dieses Zentrum und verlagert es so in die Bedeutungslosigkeit, aber ohne Gewalt, nur mit purer Lebensfreude.
Mit dem Titel “Trust Memory Over History” möchte die Künstlerin ausdrücken, dass nicht immer alte Behauptungen die Wahrheit beinhalten, nur weil sie schwarz auf weiß aufgeschrieben sind. Vielmehr soll auf mündliche Überlieferungen geachtet werde, die aus der Sicht der kolonial Beherrschten, nicht der Herrschenden stammen.

Die Faszination karibischer Farbenpracht springt auf die BetrachterInnen sofort über. Auffällig ist dabei, dass keine Gesichter in ihren Bildern vorkommen. Die Künstlerin sagt dazu, dass in ihrer Umgebung immer die genaue Hautnuance zwischen schwarz, braun, karamell oder weiß sofort zur Klassifizierung der Menschen missbraucht wurde. Zusätzlich würden alle Gesten, z.B. des Lächelns bewertet. Sie wehre sich gegen solche Kategorisierungen, indem sie Gesichter durch andere Materialien aus der Natur symbolträchtig ersetzt.

Wogende Palmen sind biegsam, flexibel und stark. Sie würden als Bräute bezeichnet, die auf ihren Bräutigam warten. Bei Firelei Baez sind sie als Karikatur und Symbol des feministischen Widerstandes gedacht.


Ein häufig wiederkehrendes Motiv sind dicke glatte glänzende Haarknoten. Auch dies ist feministische Kritik. Die Künstlerin berichtet, dass ihr schon als kleines Mädchen die Afro-Haare streng gekämmt, geglättet und in dicke Zöpfe geflochten wurden, eine Idee, dem weißen Schönheitsideal nachzueifern. Heute trägt sie ihre wilden Naturlocken frei als Symbol der Befreiung und des Stolzes auf ihre Identität.

Wolfsburg geht mit dieser Ausstellung wieder konsequent den Weg, zunehmend weibliche Künstler zu zeigen und macht mit Firelei Baez Werken allen BesucherInnen damit eine bewundernswerte große Freude.
Firelei Baez „Trust Memory Over History”, bis 13.10.2024 im Kunstmuseum Wolfsburg
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Die doppelte Bedeutung von Ketten
Melvin Edwards in Kassel


Melvin Edwards wurde 1937 in Housten/Texas geboren. Als Afroamerikaner erlebte er seither Rassendiskriminierung hautnah. Die Kritik an jeglichem Rassismus durchzieht auch thematisch seine Werke.
Im Fridericianum in Kassel wird mit ihm auch zwischen den Documenta Ausstellungen hervorragende Kunst gezeigt. Aktuell sind 50 Werke des US-Amerikaners in den großen Räumen zu erleben.

Some bright Mornung 1963 
1963 entstand das erste Wandrelief der Serie, die Melvin Edwards Lynch-Fragmente nannte. Dessen Titel „Some bright morning“ steht auch für die komplette Ausstellung und bezieht sich auf einen Bericht über eine schwarze Familie, die frisch in eine weiße Siedlung gezogen von Lynchjustiz offen bedroht wurde. Weiße Trupps von Nachbarn kamen „eines schönen Morgens“ an ihre Tür, um sie zu vertreiben. Der Familie gelang es sich durch rechtzeitige Bewaffnung davor zu schützen. Symbolisch sollen die an Klingen erinnernden spitzen Ecken des Kunstwerkes darauf hinweisen.
Auch hier arbeitet Edwards bereits mit Kettenelementen. Sie tauchen ebenfalls in großen Außenskulpturen aus Stahl auf und werden in seinen Papierarbeiten als eine Art Schablone benutzt. Die farbenfrohen Bilder wirken zwar fröhlich, behalten aber auch die Schwere der metallischen Kettenglieder.


Ketten treten in Edwards Werk in doppelter Bedeutung auf. So sind sie stets ein Symbol für Verbundenheit, aber gleichzeitig auch für erzwungene Unfreiheit, wenn sie, schon seit es Sklaverei gab, der afroamerikanischen Bevölkerung angelegt wurden.
Stacheldraht ist ein weiteres bevorzugtes Material des Künstlers: einerseits wie zarte Fäden verwendet und andererseits gefährlich scharf.


Melvin Edwards studierte Malerei in Los Angeles, wo ihn zusätzlich Hollywoods Filmstudios beeinflussten, auch bei seinem Job bei „Grafic Films“. Später lernte er Schweißen und den Umgang mit schweren Materialien. Dies war der Ursprung, sich mit Skulpturen künstlerisch auszudrücken. 1970 zog er nach New York, erneut in eine wichtige Kunstmetropole.

Im Jahr 2000 reiste Edwards nach Afrika und richtete sich sogar in Dakar ein Atelier ein, um die künstlerischen Positionen in den Ländern seiner Vorvorfahren zu erkunden. Melvin Edwards Werk spiegelt somit eine Verbindung der unterschiedlichen Kulturen wider. Der Künstler richtet jetzt beim Eröffnungsrundgang auch einen mitreißenden Apell an die Besucher, sich dafür einzusetzen, dass die Benin-Kunstwerke an ihr Herkunftsland zurückgegeben werden.


In Europa wurde der Künstler durch Teilnahme an der Biennale 2015 bekannt, die Okwui Enwezor kuratierte. Kassel sieht sich in Reminiszenz an diesen großartigen Documenta 11 -Kurator (2002) und ist die erste Station, die Melvin Edwards in einer Einzelpräsentation zeigt. Die Ausstellung wandert weiter zur Kunsthalle in Bern und das Palais de Tokyo in Paris.
Melvin Edwards „Some bright morning”, Fridericianum Kassel 11. August 2024 bis 12. Januar 2025.
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Chemnitz 2025
Vorboten des Europäischen Kulturstadtjahres, Kunstschätze beleben die entlegene Region
Im tiefsten Sachsen in und um Chemnitz herum findet eine bemerkenswerte Transformation statt. Kleine Dörfer, die einst in Vergessenheit schlummerten, erwachen jetzt, nicht durch erneuten Industrielärm, sondern durch den Reiz erstklassiger Kunst. Dieser Wandel wird durch den Skulpturenpfad „Purple Path“ vorangetrieben, das ehrgeizigste Projekt der Kulturhauptstadt Europas 2025.

„Glance“ von Tanja Rochelmeyer in Flöha 
Der „Purple Path“ist nicht nur eine Sammlung von Skulpturen, sondern ein lebendiger Leitfaden durch die reiche Geschichte, Kultur und Identität dieser oft übersehenen Region. Das von Alexander Ochs kuratierte Projekt brachte international anerkannte Künstler und Künstlerinnen mit 38 Bürgermeister*Innen des Erzgebirges zusammen. Durch die lokalen Gespräche erfuhren die Kunstschaffenden alle spezifischen Narrative des jeweiligen Ortes und schufen mit diesem Wissen ortsspezifische Skulpturen unter dem verbindenden Thema „Alles kommt vom Berg her“. Dieses Konzept ist eine Hommage an das tief verwurzelte Bergbauerbe der Region, in der bereits im 12. Jahrhundert Silber, später Zinn, Kobalt und Eisen abgebaut wurden. Die geförderten Uranmengen lieferten Russland über Jahrzehnte bis zu 60% ihres Bedarfs, während Bergleute in Aue an Bronchialkarzinomen aufgrund chronischer Strahlenexposition im Bergbau starben.


Kurator Alexander Ochs 
Michael Sailstorfer Die Skulpturen sind mehr als nur ästhetische Ergänzungen dieser Dörfer – sie sind in Metall, Stein und andere Materialien gespeicherte Erzählungen. Jedes Stück spiegelt die lokalen Geschichten über die Industrie und die Erlebnisse der Menschen wider, die dort leben. In Zschopau einer Stadt, die einst für ihre Motorradproduktion im VEB Motorradwerk bekannt war, hat der Künstler Michael Sailstorfer am Ufer des idyllisch plätschernden Flusses, dem der Ort seinen Namen verdankt, eine riesige Motorradspiegelskulptur installiert. Anders als typische Original-Spiegel reflektiert dieser auf beiden Seiten und symbolisiert die Dualität der Perspektiven – eine Anspielung auf die industrielle Vergangenheit der Region und ihre sich entwickelnde neue Identität.


Gregor Gaida „Polygonales Pferd“ in Gahlenz Viele Skulpturen des Purple Path sind bereits an ihren Standorten verankert, so dass schon jetzt eine Rundfahrt spannend ist. Dabei werden abgelegene, stille Orte durchquert, in denen fast keine Menschen auf den Straßen zu sehen sind. Es schleicht sich ein Gefühl von Dornröschenschlaf ein, der vielleicht durch die Kunstwerke zunehmend aufgeweckt wird.
Weiter entlang des Weges, in Schneeberg, hat der britisch-amerikanische Künstler Sean Scully einen abstrahierten Münzstapel aus Bronze geschaffen. Dieses Stück ist nicht nur eine zufällige Anordnung. Sie erinnert an die Silberbergbautradition der Stadt und an die Geschichte des Vaters des Künstlers, eines Friseurs, der jeden Abend sorgfältig seinen Verdienst aufstapelte. Die Skulptur erinnert auch an einen bedeutenden Moment in der Arbeitergeschichte, möglicherweise an den ersten Arbeiterstreik, als die Bergleute gegen Lohnkürzungen aus Protest die Arbeit verweigerten.


In Aue-Bad Schlema steht prominent im Kurpark eine faszinierende riesige Bronze-Skulptur von Tony Cragg. Einige der Skulpturen seien laut Kurator Alexander Ochs auch geliehen, was bei den üblicherweise erzielten Verkaufspreisen dieses Künstlers angesichts des doch begrenzten Etats möglich erscheint.


In Zwönitz hat sich die in Berlin lebende Künstlerin mit türkischem Migrationshintergrund Nevin Aladag von der Strumpfwarenindustrie der Stadt inspirieren lassen. Die Installation der Documenta 14-Teilnehmerin besteht aus bunten Laternen aus Strumpfstoff, der über Metallrahmen gespannt ist. Diese Laternen, die in der Nacht sanft leuchten, symbolisieren das Licht, nach dem sich die Bergleute sehnten, wenn sie im Dunkeln arbeiteten – eine schöne Metapher, die Vergangenheit und Gegenwart verbindet.


Die öffentliche Interaktion mit den Kunstwerken wird nicht nur gefördert, sondern gefeiert. In Jahnsdorf beispielsweise lädt die komplex gewundene Parkbank in hellem Grün des dänischen Künstlers Jeppe Hein sowohl zum entspannten Nachdenken als auch zum Spielen ein. Bei einem kürzlichen Besuch verwandelten ein Vater und seine Kinder die Bank in einen Spielplatz, und ihr Lachen hallte durch das Dorf – ein lebendiges Zeugnis der Vision des Künstlers, Nähe und Kommunikation im öffentlichen Raum zu fördern. Über Jeppe Hain wurde in diesem Blog vor kurzem berichtet, weil die Galerie König im mondänen Bergson Kunstkraftwerk in München aktuell eine Einzelpräsentation des Künstlers zeigt. Auch hier steht unter anderem eine ähnliche verschlungene Bank in gelb, zu der er von den Bänken im New Yorker Central Park inspiriert wurde.


Die Fähigkeit der Kunst, zu fesseln und zu inspirieren, zeigt sich auch in Freiberg, wo Wilhelm Mundts glänzender Silberstein zu einem Magneten für Kinder geworden ist, die eifrig seine glatten Oberflächen erkunden und erklettern. Diese lebendige Interaktion unterstreicht die Überzeugung, dass öffentliche Kunst gelebt und erlebt und nicht nur aus der Ferne betrachtet werden sollte.



Allerdings sind nicht alle Installationen von Destruktionen verschont geblieben. In Lößnitz steht eine Porzellanskulptur von Uli Aigner, die offensichtlich zerstört ist. Doch hier herrschte kein Vandalismus, denn sie brach schon während der Herstellung in China zusammen. Die Künstlerin veränderte sie jedoch nicht, denn in ihrem zerbrochenen Zustand kann die Skulptur noch Bedeutung gewinnen. Ähnlich wie Ai Weiweis sturmgeschädigte Installation auf der Documenta 12 in Kassel, die zum Symbol der unberechenbaren Kraft der Natur wurde, ist Aigners Skulptur ein Beweis für die physikalischen Genzen, an die wir Menschen immer noch stoßen.


Der „Purple Path“ ist mehr als ein Kunstpfad – es ist eine mutige Initiative, die einer Region, die lange Zeit eher für ihre industrielle Produktion als für ihre kulturellen Beiträge bekannt war, neues Leben einhaucht. Während sich Chemnitz darauf vorbereitet, im Jahr 2025 als Kulturhauptstadt Europas in den Mittelpunkt zu rücken, wird dieses Projekt hoffentlich ein Beweis für die transformative Kraft der Kunst selbst in den entlegensten Winkeln Europas.
Für Besucher bietet der Purple Path eine aufregende Entdeckungsreise, ähnlich den Skulpturenprojekten in Münster oder den kollateralen Pavillons der Biennale in Venedig. Es ist eine Chance, die verborgenen Schätze Sachsens zu erkunden, wo Kunst von Weltklasse an den unerwartetsten Orten blüht. Allerdings ist ein modernes Navigationssystem unerlässlich.


Bahnhof Flöha wird noch bis 2025 saniert 
Chemnitz: Claire Fontain 

Projekt von Forensic Architectur 
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Heizkraftwerk Chemnitz,
umgestaltet von Daniel Buren 2013
Chemnitz historisch: Karl Marx Seit die Europäische Union 1985 begann, Kulturhauptstädte zu ernennen, hat die Initiative den Fokus schrittweise von etablierten Kulturzentren wie Athen, Paris, Berlin oder Weimar auf Regionen verlagert, die keine solche Tradition haben. Diese Verlagerung hat es Gebieten wie Chemnitz und dem Erzgebirge ermöglicht, sich neu zu definieren und über ihr industrielles Erbe hinauszugehen. Während die ehemalige Karl-Marx-Stadt mit ihrem Umland ihre neue kulturelle Identität annimmt, besteht die Hoffnung, dass eine mentale Einstellung von Offenheit und Wertschätzung für Ungewohntes und Überraschendes wie die zeitgenössischen Kunstwerke entsteht und auch dann noch Bestand haben wird, wenn das Rampenlicht des Jahres 2025 längst verblasst ist.
Eröffnung des Europäischen Kulturhauptstatjahres Chemnitz: 18.Januar 2025 Offizielle Eröffnung des „Purple Path“: 11. bis 13. April 2024 https://chemnitz2025.de/programm/purple-path/
Bergson mit Jeppe Hein: https://wordpress.com/post/inartberlin.com/2634 Nevin Aladag: https://wordpress.com/post/inartberlin.com/2064
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Nairy Baghramian in Zürich
Skulpturen der Kunstfreiheit


Sie ist Bildhauerin mit Weltruhm. Ihre Skulpturen waren und sind ausgestellt nicht nur in Zürich, sondern auch in Venedig, New York, Nimes, Kopenhagen, Dallas, Wien, Madrid, Mailand oder Berlin. Sie bestehen aus unterschiedlichen Materialien wie Aluminiumguss, Stahl und Stein und sind in ihrer Formgebung völlig abstrakt. Ohne Hinweise auf menschliche oder naturalistische Vorlagen zeigen sie sich als dreidimensionale spielerisch verbundene Objekte im Raum, die unsere Versuche einer Interpretation grundsätzlich scheitern lassen….sollen. Nairy Baghramian spricht oft von FREIHEIT. Sie liebt und lebt ihre absolute Freiheit bei der Gestaltung und sieht die Kunstwerke auch passenderweise als Symbol für Freiheit.


Nairy Baghramian ist 1971 im Iran geboren. Ihre Familie gehörte der Minderheit der armenischen Christen an. Nach dem Sturz des Shah-Regimes und der Errichtung des islamischen Gottesstaats flohen sie nach Berlin, damals West-Berlin, als sie 13 Jahre alt war. Auch heute lebt und arbeitet die Künstlerin in Berlin.
Aktuell zeigt die Galerie Hauser und Wirth in Zürich eine Einzelschau mit einer Werkauswahl, die deutlich macht, dass die Mischung aus weichen Formen in zartem Rosa mit den kantigen spiegelglatten Stahlkonstruktionen komplex kontrastiert.

Eine weitere Serie besteht aus einer Art Mobiles teils mit Fotos kombiniert. Ähnliche Objekte sind außerdem zurzeit Im Palazzo Grassi in Venedig als Zusatz der Ausstellung von Julie Mehretu zu sehen, wobei ebenfalls der Kontrast zu den zweidimensionalen Bildern der Kollegin und dem prunkvollen Palast eine großartige Wirkung entfaltet.

Im Züricher Haus Konstruktiv ist ebenfalls ein Werk zu finden, denn sie war 2016 auch eine Preisträgerin des von dort vergebenen „Zurich Art Prize“.


Auch Nairy Baghramian war bereits Teilnehmerin einer Documenta, und zwar der D14 in Kassel und Athen (2017).


Die Skulpturen wirken auf den ersten Eindruck sperrig und machen ratlos, doch nach Einlassen auf Material und die Tatsache, dass man keine tiefe Bedeutung suchen muss, ergibt sich eine erstaunliche Strahlkraft.
Hauser und Wirth: Zürich Limmatstrasse bis 7.September, Haus Konstruktiv: Zürich Selnaustr.25; Venedig: Palazzo Grassi bis 6.1.2025
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Kunst auf Spiel
Die fantastischen Bilder auf Brettspielschachteln


Sie sind keine Unikate, sondern werden in Tausenden gedruckt. Auch handelt es sich nicht um reine Kunst, sondern Gebrauchskunst. Doch die individuellen unterschiedlichen grafischen Gestaltungen der Schachteln, in denen komplexe Brettspiele angeboten werden, sind auch Zeugnisse künstlerischen Schaffens, das viel mehr beachtet werden sollte.
Vergleichbar ist dieses Genre der Illustration mit den früheren Platten-Covern, von denen es ja bekanntlich hochinteressante künstlerische Exemplare gibt wie z.B. die Jeans von Andy Warhol für die Stones. (Sticky Fingers). Auch Film- (https://wordpress.com/post/inartberlin.com/1653) oder Protestplakate können hervorragende Kunstwerke sein. (Klaus Staeck: https://wordpress.com/post/inartberlin.com/1712)
Die Grafiken der Brettspielschachteln haben im Gegensatz zu reinen Kunstwerken eine Funktion. Sie dienen als Eye-Catcher für Kunden und sollen inhaltlich auf das Narrativ, in das das Spiel eingebettet ist, oder das Spielmaterial hinweisen. Für die Qualität eines Brettspiels bleibt aber der Spielmechanismus verantwortlich. Er stammt vom Spiele-Autor, dessen Name stets auf der Schachtel gedruckt ist. Doch wer kennt oder nennt den Illustrator? Namen wie Chris Quilliams (Azul), Mads Berg (E-Mission) oder Klemens Franz (Agricola) bleiben nahezu unbekannt.
Manche Verlage arbeiten strikt mit immer den gleichen Illustratoren zusammen, was ihren Spielen einen Wiedererkennungseffekt und ein Markenprofil gibt. Das bekannteste Beispiel ist der 2F-Verlag von Friedemann Friese, dessen stets grüne Spiele mit 2 F im Titel (Fiese Freunde, Fremde Federn) von Mauro Kalusky oder Harald Lieske gezeichnet wurden.



Beliebt in der Brettspielszene sind historische, Weltraum- und Fantasy-Themen.
Andererseits gibt es völlig abstrakte Spiele und auch solche, die sich thematisch um Kunst drehen.




Eine aktuelle sozio-politische Thematik wird weniger gern angeboten, weil die Verlage meinen, dies lasse sich nicht gut verkaufen. Doch ein Gegenbeispiel ist aktuell E-MISSION, ein Spiel über Klimaproblematik, das vor wenigen Tagen sogar zum Kennerspiel des Jahres gewählt wurde.

Kennerspiel des Jahres 2024 
Letztlich ist die Schachtelgrafik nicht kaufentscheidend, sondern der Spielwert. Allerdings macht es große Freude, sich einmal die Vielseitigkeit der grafischen Umsetzungen zu veranschaulichen. Vielleicht lässt sich mit Brettspielschachteln im Sinn einer Petersburger Hängung sogar eine Wand zu einem ausgefallenen Gesamtkunstwerk gestalten.









Wer mehr als im örtlichen Spieleladen sehen will, kann die weltgrößte Brettspielmesse besuchen: SPIEL 2024 in den Messehallen in ESSEN vom 3. bis 6. Oktober 2024
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Danielle Brathwaite-Shirley: “The Soul Station”
Game and Art im Club Berghain

Danielle Brathwaite-Shirley 
Das Kunstwerk in dieser Ausstellung ist eine Arena um ein riesiges Video-Game. Auf zwei Sesseln sitzen die Leader, die das Spiel steuern, während von den Zuschauerplätzen in einer Art demokratischem Prozess Anweisungen gerufen werden sollen. Im knallbunten Computer-Design wird eine imaginäre Parallelwelt simuliert, in der 6 Charaktere gerettet werden sollen. Indem die Community dies anstrebt, sollen auch die eigenen Seelen gereinigt werden.


Das aktuelle Werk ist eine Auftragsarbeit der LAS-Stiftung, die den Austausch zwischen Kunst, Wissenschaft und Technologie fördert. Themen der Zeit wie künstliche Intelligenz, Gaming und Quantencomputering sollen künstlerisch gestaltet werden.
Ein Projekt genau dieser Art stellt die Installation von Danielle Brathwaite-Shirley dar. Das immersive Eintauchen in ein Parallel-Universum können ältere Kunstbegeisterte sicher auch bei Caspar David Friedrich oder Marc Rothko, doch für die junge Generation sind es die virtuellen Welten im Cyber-Raum. Für diese junge Zielgruppe ist die Location des Berghain, dem legendären Berliner Club die perfekte Umgebung.
Danielle Brathwaite-Shirley ist eine junge Künstlerin, die nach Abschluss des Studiums an einer London School of Fine Art in Berlin lebt und arbeitet. Eine Rolle spielen in ihren Werken die Erfahrungen Schwarzer und queerer Menschen und letztlich sei ihr wichtig, dass im Spiel ein Gemeinschaftsgefühl entsteht. Dass niemand alleinige Entscheidungen treffen muss, sondern stets mit allen zusammenarbeitet und gegebenenfalls auch der Leader abgewählt und ersetzt werden kann, ist ein wichtiges Anliegen. „Du bist nicht allein“ soll den Mitspielern vermittelt werden.


Ob dies jedoch durch eine virtuelle Situation in einem Videogame vermittelt werden kann, muss eigentlich offenbleiben. Für Menschen älterer Generationen ist ein zwischenmenschliches Wir-Gefühl ausschließlich im direkten Face-to-Face-Kontakt vorstellbar. Die weltweit intensiv spielende Community hat diesbezüglich wohl aber eine andere Perspektive. Doch auch dieser Bericht ist eine Aufforderung, es mal auszuprobieren!
In der großen Halle am Berghain sind zusätzlich weitere frühere Games der Künstlerin aufgebaut, die alle gespielt werden können.
LAS Art Foundation: Danielle Brathwaite-Shirley,Halle am Berghain, Am Wrietzener Bahnhof, 10243 Berlin, 12.Juli bis 13.Oktober 2024
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Sommer in Berlin
Drei neueAusstellungen im KW-Institut

Das KW-Institut für zeitgenössische Kunst hat für die Sommermonate drei aktuelle künstlerische Positionen ausgesucht, die sich mit Problemen von Menschen außerhalb des Normativen befassen.

Luiz Roque 
Luiz Roque aus Brasilien präsentiert mehrere großartige Videos mit offenem Ende. In der großen Halle berichtet er darin über das Leben ausgewählter Beispiele der queeren Community, teils Reportage artig, teils skurril oder als Science-Fiction. Außerdem werden Filme ohne sexuellen Bezug gezeigt, die künstlerisch vielschichtig sind oder in faszinierender hochauflösender Technik gedreht wurden. Da fliegt beispielsweise ein Wolf völlig allein in einem Flugzeug über verschiedene Landschaften oder ein Stein zerschlägt eine Fensterscheibe, die malerisch in Einzelteile zerspringt.


Pia Arke: die Künstlerin lebte von 1958 bis 2007 in Grönland. Ihre Mutter war indigener Herkunft als Inuk, der Vater Däne. Pia Arke erzählt in Dokumenten Collagen, Filmsequenzen und Zeichnungen über ihr Leben mit einer inneren Zerrissenheit im Kampf um die eigene Identität und Anerkennung. „Arctic Hysteria“ ist zusätzlich eine feministische Anklage, weil gerade der indigene weibliche Körper so oft lächerlich gemacht und schlecht behandelt wurde. Bei all dem spielt Dänemark als ausbeutende Kolonialmacht in Grönland eine wichtige Rolle.




Im Obergeschoß sind Werke zweier Künstler ausgestellt mit Schwerpunkt auf unterschiedlichen Darstellungen von Portraits. Der US-Amerikaner Jimmy DeSana starb 1990 an AIDS. Ihm gegenübergestellt finden sich Bilder des Californiers Paul P. (geb. 1970). Thematisch beschäftigen sich beide Künstler mit der Darstellung homosexuellen Begehrens und ihrem Kampf um gleichberechtigte gesellschaftliche Anerkennung.


Ein besonderes Highlight des Ausstellungsortes ist immer der schönste Innenhof in Berlins City mit dem Café Bravo, wo es stets zu wunderbaren bereichernden Gesprächen mit anderen Ausstellungsbesuchern aus aller Welt kommt.

Foto: Frank Ossenbrink KW Institut, Auguststr. 69, 10117 Berlin, 6.Juli bis 20.Oktober 2024



























































