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SURVIVAL in the 21st Century
Keine Chance auf Überleben der Menschheit?


Dieses Web-Programm ermöglicht es leider nicht, doch das Wort SURVIVAL ist im offiziellen Titel der Gruppenausstellung in den Hamburger Deichtorhallen tatsächlich bewusst durchgestrichen. Der Direktor Dirk Luckow und die Kuratoren Georg Diez und Nicolaus Schafhausen erzählen, dass sie bereits 2018 auf die Idee mit der Ausstellung rund um die Überlebensfähigkeit der Menschheit gekommen seien. Damals wollten sie hierfür passende künstlerische Positionen über die wichtigen globalen Probleme sammeln, aber auch Lösungsideen aufzeigen. Zu jenem Zeitpukt war die drohende Klimakatastrophe das im wesentlichen einzige Problemfeld. Doch kurze Zeit später stand die Welt 2 Jahre ganz real fast still wegen der Pandemie. Im Anschluss schockierten bis heute die kriegerischen Angriffe Russlands auf die Ukraine und der unlösbare blutuge Konflikt in Gaza, so dass die Kuratoren die Idee, Lösungsvorschläge zeigen zu können aufgaben. Diese Resignation machen sie im Durchstreichen des Wortes Survival deutlich.
Die Ausstellung zeigt jedoch bei aller Widersprüchlichkeit des Titels hervoragende künstlerische Einzelpositionen.
Was bleibt also übrig vom Konzept? Kein Survival, keine Überlebenschance? Nur: „Im 21. Jahrhundert“. Das ist nicht besonders gehaltvoll und schon gar nicht inspirierend.
Die reale Ausstellung zeigt jedoch bei aller Widersprüchlichkeit des Titels hervoragende künstlerische Einzelpositionen.

Yalda Afsah trägt zwei Filme zur Ausstellung bei: in einem Fluss in Frankreich stehen junge Menschen und starren alle in eine Richtung, als warten sie auf etwas Besonderes. Doch was ist das? Jeder Beitrag in Hamburg bekommt eine Frage vorangestellt. In diesem Fall: Was ist eine Katastrophe? Kann man sie vorhersehen? Der zweite Film berichtet über den galicischen Brauch, dass junge Männer Wildpferde aus den Bergen einfangen, scheren und brandmarken, obwohl das überhaupt keinen Anspruch auf Eigentum nach sich zieht. Yalda Afsah hat alles selbst gefilmt, auch um den Emotionen nachzuspüren und sie einzufangen. Sie berichtet, dass es bei diesem Kampf um Macht und bei aller Übergriffigkeit auf die Pferde auch einen liebevollen Moment gab, wenn der Pferdekopf zwar festgehalten, aber auch umarmt worden sei. Doch wozu dienen solche Traditionen?




Abbas Akhavan baute für die Ausstellung einen Säulenhain aus Strohlehm. Die einzelnen Säulen sind Nachbauten des Tempels von Palmyra, der 2015 von der IS komplett zerstört wurde. Es gibt bereits einen Nachbau des Triumpfbogens der Anlage auf dem Trafalgar Square in London. Das britisch/amerikanische Institute of Digital Archaeology liess ihn vom bisher größten 3D-Drucker aus Marmor fräsen. Geplant sei sogar eine Aufstellung am historischen Ort in Syrien. Abbas Akhavan beschäftigt die beliebige Vervielfachung solcher antiker Bauten. So hat er seine Säulen vor einem Green Screen aufgebaut. Durch Projektion beliebiger Orte der Welt ist der Tempel somit überall auf der Erde erneut zu plazieren. Die Frage bleibt jedoch: Wozu dient solch eine Aktion? Wie gehen wir mit Kunstwerken unserer Zivilisationsgeschichte um? Kann Technologie wirklich Zerstörung rückgängig machen?


Ein andere brisante Thematik über unser Leben im 21. Jahrhundert behandelt ein Film von Cao Fei. Er handelt von der totalen Automatisierung und der Beziehung Mensch/Maschine. In der vollautomatischen Sortieranlage in der chinesischen Stadt Kunshan ist nur ein einziger Mensch als Aufsicht tätig, um die Maschinen zu überwachen. Er hat keinerlei menschlichen Ansprechpartner. Plötzlich tritt eine Fehlfunktion der Maschine auf. Sie wirft große gelbe Citrusfrüchte als fehlerhaft aus dem System. Diese kullern auf dem Boden der riesigen Halle ziellos umher. Der Mensch sucht jedoch nicht den Fehler, sondern tanzt um sie herum und mit ihnen bis zur ekstatischen Erschöpfung. Was bedeuten Maschinen für uns Menschen? Sind sie ein Grund für innere Isolierung und Beziehungslosigkeit?

Die polnische Künstlerin Goshka Macuga begeisterte bei der Documenta 13 (2012) mit einem großen Foto-Wandteppich in der Rotunde des Friedricianums. In der Hamburger Ausstellung ist von ihr erneut ein Wandteppich zu sehen, diesmal als 3D-Bild, passende Brillen liegen bereit. Das Motiv sind seltsame Meereslebewesen, Tiefseetiere in Anzug mit Aktentasche. Sie hat das Motiv als Anspielung auf die Weltklimakonferenz 2021 in Glasgow angefertigt. Eine ironische Aufforderung, bei den unbekannten Wesen vielleicht nach Lösungen für die Klimakrise zu forschen.

Thomas Struth visualisiert mit seiner wunderbaren Fotografie aus dem CERN (Europäisches Kernforschungslabor in Genf) exemplarisch die erstaunlichen Erkenntnisse und Chancen der Wissenschaft.


Empfehlenswert ist auch das KI-generierte Video von Emmanuel Van der Auwera, in dem eine Simulation des größten Bergwerks zur Gewinnung Seltener Erden gezeigt wird. Die Frage dazu lautet: Was ist Ausbeutung? Sprengungen, maximale Luftverschmutzung und im Kontrast ein Liebespaar sind zwar grausam, aber ein optischer Hochgenuss.
Die Ausstellung wird durch ein Fortbildungsangebot ergänzt: in der SCHOOL of SURVIVAL können Besucher an Workshops und Seminaren teilnehmen, bei denen die wichtigen Themen für menschliches Überleben erarbeitet werden können. Mit dem Eintrittsticket ist auf Wunsch ein Pass zu bekommen, mit dem der unbegrenzte Besuch dieses Angebotes möglich ist.
Programm: schoolofsurvival.de



Wahrscheinlich soll die Ausstellung verdeutlichen, welch furchtbare Katastrophen für uns Menschen bereits bestehen oder zeitnah drohen, aber auch welch großartige Errungenschaften diese Gesellschaft hervorgebracht hat. Es bleibt zu hoffen, das diese von intelligenten Leuten klug eingesetzt werden, um uns doch ein ÜBERLEBEN zu ermöglichen.
Survival in the 21st Century, Deichtorhallen Hamburg, 18.Mai bis 5.November 2024
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Brutal und destruktiv: die dunkle Seite des Fussballs
Marianna Simnetts Kunstbeitrag zur Fussball EM 2024


Durch einen dunklen Tunnel schreitet man in den Ausstellungsraum wie die Fussballer aus den Tiefen der Kabinen in das tosende Stadion, wie stolze Gladiatoren in die Arena von Rom. Doch deren Weg führte in einen Kampf um Leben und Tod. Genau diesen Eindruck von lebensbedrohlicher Kampfstätte vermittelt Marianna Simnetts künstlerische Darstellung des heutigen Fussballs. Ihre Videoinstallation mit 3 großen und zwei kleineren Screens ist eine bissig brutale Persiflage auf die aktuelle Fussballwelt.


Ein halbes Jahr sei sie für die Recherche eingetaucht in die deutsche und englische Fußballszene aufgrund der Unterstützung der UEFA, die den Auftrag für das Kunst- und Kulturprogramm zur EURO 2024 gegeben hat.
Ihre ganz eigenen Eindrücke bringt sie in Filmszenen zum Ausdruck, wobei es keine Dokumentar- Mitschnitte realer Bilder sind, sondern minutiös mit Schauspielern und Tänzern inszeniert und choreografierte Sequenzen. Abgeschaut von typischen ganz üblichen Fussballergesten und -bewegungen zeigen sie diese in Zeitlupe und extrem überspitzt. Besonders bei Fouls oder beim Torjubel entstehen Bewegungsmuster, deren natürliche Skurilität uns gar nicht mehr auffällt, die jedoch bei Marianna Simnett theatralisch und albern wirken.


Es werden weiterin Szenarien aus der Kabine inszeniert, die eine Mischung aus zunächst gemeinsamem Jubeln und freundschaftlichen Kabbeleien bestehen, zuletzt jedoch in heftige Schlägereien ausarten mit Zerstörungswut am kompletten Mobiliar. Ist das noch ironisch oder schon ein krasser Hinweis auf die Verrohung in der Gesellschaft, exemplarisch auch im Fußball, der doch ein friedvoller sportlicher Wettkampf sein sollte?


Eine andere Szene zeigt genüsslich in ultra slow motion wie Unmengen Ketchup und Mayonaise langsam auf Kochwürste gequetscht werden. Fan-“Kultur“, sarkastisch interpretiert! Außerdem sehen wir Babys in Einheitskleidchen auf Zuschauerrängen sitzen, deren Mundbewegungen Fangesänge imitieren. Das ist mit special effects nachbearbeitet und kein Massentraining kleiner Kinder, keine Sorge. Doch diese Anspielung entstand laut der Künstlerin durch die Beobachtung englischer Fangruppen, die mit Schnullern und Babyspielzeug ins Stadion gehen, was auf die Lächerlichkeit von Fussballfan-Ritualen extrem anspielt.



Dagegen tragen Marianna Simnets Fußballer-Idol-Darsteller Ketten mit zwei roten Säckchen. Die Künstlerin meint, sie habe auch Anlehnungen an Hahnenkämpfe verwendet. Vielleicht auch Anspielungen auf männliche Hoden?
Auf jeden Fall ist dies wirklich kein Loblied auf die Sportart, die Millionen Fans weltweit hat, sondern ein bösartiger Blick auf die gewalttätig und blutig ausartende Seite eines gar nicht friedlichen Kampfsports, der sich Fußball nennt. Nichts für zarte Seelen oder leidenschaftliche Fans. Man kann gespannt sein, wie die UEFA und die Fussballbegeisterten hierauf reagieren.Marianna Simnett „Winner“, Hamburger Bahnhof, Nationalgalerie der Gegenwart, Berlin 17.05.24 bis 31.08.2024
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Länderpavillons afrikanischer Staaten
gar nicht folkloristisch, sondern zeitgenössisch
Der afrikanische Kontinent ist nicht nur im Rahmen des zentral kuratierten Schwerpunktes auf den Globalen Süden bei der Biennale in Venedig stark vertreten, sondern zeigt sich ebenfalls in der Präsentation eigener eindrucksvoller Länderpavillons. Senegal und Benin sind zum ersten Mal mit eigenem Pavillon vertreten und Nigeria präsentiert sich anspruchsvoll in einem prunkvollen, sonst vernachlässigten Palazzo mitten in der Lagunenstadt.

Als Eye-catcher im Senegalesischen Pavillon im Arsenale stolpert man fast über ein traditionelles Kanu, eine Installation des Künstlers Alioune Diagne. Das Boot liegt zerbrochen auf der Seite, aber mit landestypischen Stoffbahnen, die der Künstler selbst coloriert hat, bekommt die Bruchstelle eine Art Verband. Es ist das Gleichnis einer gegenwärtigen Dystopie. Migranten flohen nach sozialen und politischen Turbulenzen in solchen Booten auf gefährlichen Reisen durch das Mittelmeer nach Norden und einige kamen darin um.


Alioune Diagne zeigt dahinter ein großes Wandgemälde, das wie ein Mosaik aus kleineren Bildern zusammengesetzt ist. In seinem ganz persönlichen Stil sind auf der einen Hälfte negative Lebenssituiationen aus den Straßen des Landes dargestellt, in der zweiten Abteilung dagegen positive glückliche Szenen, am Ende ein fröhlich lachendes junges Paar. Der liebevolle Umgang mit der Bruchspalte des Kanus und das versönliche Motiv des Gemäldes sind am ehesten als Wunsch für eine gelungene Zukunft in der eigenen Heimat zu deuten.

Direkt nebenan beeindruckt der Pavillon von Benin mit einem großen schwarzen Iglo von Romuald Hazoumé. Wie auch schon für seine berühmten Masken und das Boot der Documenta 11 (2007) verwendete er – außen kaum erkennbar – alte Benzinkanister hierfür. Innen jedoch wirken sie, als schauten hunderte Augen auf den Eindringling, zumal auch aus den Öffnungen Gerüche kommen, die an ihre Herkunft erinnern.


Moufouli Bello ergänzt den Raum mit großen Bildern stolzer Frauen, alles in einem strahlend tiefen Blau. Es ist ihr ganz persönliches feministisches Anliegen, die Schönheit afrikanischer Frauen zu betonen, um ihnen mehr Respekt zu verschaffen.

Benin wird in der Welt bisher nur duch die Rückgabeforderungen der im Kolonialismus von den Briten geraubten Benin-Bronzen reduziert. Hier jedoch zeigen die Künstler*innen, dass es zeitgenössische anspruchsvolle künstlerische Positionen im Land gibt.

Der Pavillon von Nigeria ist im Palazzo Canal nahe der Accademia in Venedigs Kernstadt untergebracht. Über den nigerianischen Künstler Yinka Shonibare wurde bereits berichtet, weil er im Arsenale mit der Eingangsfigur des Migration-Astronauten vertreten ist. Auch wenn es eine Gemeinschaftsaustellung mehrerer Künstler ist, so ist das Auffälligste Objekt eine Pyramide, auf der Yinka Shonibare hier das „Monument to the Restitution of the Mind and Soul“ präsentiert. Es ist eine Sammlung von 150 Tonobjekten, die Gegenstände darstellen, die während der britischen Benin-Expedition von 1897 geraubt wurden, von denen bisher nur ein Bruchteil zurück restituiert ist.


Ein großes Regal mit schwarzen Holzknüppeln und daran angehefteten Namensschildern soll auf Polizeigewalt hinweisen, die in Nigeria immer noch an der Tagesordnung ist.

Mehrere weitere zeitgenössische Kunstwerke sind zusätzliche Beweise für die lebendige kritische Kunstszene Nigerias.



Wie bereits bei der letzten Ausgabe der Venedig Biennale 2022 mit Ghana, Marokko und Süd-Afrika stellen sich immer mehr afrikanische Staaten stolz und erfolgreich mit einem Pavillon in Venedig vor. Sie setzen Zeichen, um den postkolonialen Wandel und ihre eigene Stärke zu zeigen. Es ist aber auch ein Hoffnungsschimmer für den Willen, trotz der großen sozialen und politischen Probleme die Länder friedlich weiter zu entwickeln. Doch es muss offen bleiben, ob die Kunst die oft chaotischen und gewaltgeprägten Verhältnisse wirkungsvoll verbessern kann. Sie sollte es aber immer wieder versuchen.
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Ibrahim Mahama „TOP Artist 2025“ bei ArtReview und der ArtBasel
Der weltweit gefeierte Künstler war auch in Goslar

Dieser Artikel erschien bei INArtberlin anlässlich der Ausstellung „Rubber-Soul“ mit Gewinn des Kaiserrings in Goslar.
Jetzt 2025 wird Ibrahim Mahama bei den „Power 100“ der britischen ARTReview auf den absoluten Platz 1 der wichtigsten Menschen in der Kunst gesetzt. Außerdem erhielt er gleichzeitig den Goldenen Award der ART Basel. Grund genug, diesen Artikel noch einmal inklusive Interview hier prominent zu präsentieren.
Es sind die unscheinbaren Alltagsutensilien seiner Heimat Ghana, die Ibrahim Mahama zu seinen Kunstwerken inspirieren: kleine Holzkästen mit Schuhputzmaterialien, doch an erster Stelle sind es gebrauchte, zerschlissene Jutesäcke.


Ghana ist der weltgrößte Kakao-Produzent und Arbeiter tragen die wertvolle Ernte in genau diesen Jutesäcken zum weiteren Transport. Sie sind bedruckt mit Angaben zum Inhalt und dem Herkunftsland. Erst wenn sie alt, zerrissen, getränkt mit dem Schweiß der Träger und voller Gerüche der Produkte sind, tauscht Ibrahim Mahama sie bei den Besitzern gegen neuwertige. Die alten Säcke werden aufgetrennt und zu einem riesigen Stück Stoff wieder zusammengenäht gemeinsam mit vielen Helfern an den Orten in der Welt, wo sie Gebäude verhüllen: bei der Biennale in Venedig, der Documenta in Kassel, der Stadtfeier in Osnabrück, der Biennale in Sharjah in den Emiraten, in Berlin oder in London. Sie berichten von den Wegen und der Übermächtigkeit des Welthandels, der einerseits den Absatz sichert, jedoch durch Kontrolle der Preise die Armut in den Herkunftsländern niemals verbessert. Das ist die Message von Ibrahim Mahama.
Jetzt in Goslar sind ausgewählte textile Wandgemälde aus Jutesäcken, Abdeckplanen und Leinensäcken collageähnlich komponiert ausgestellt. Der Geruch bringt Afrika intensiv bis in den Harz. Solche dekorativen Vorhänge kann Mahama im Gegensatz zu den riesigen Gebäudeverhüllungen auf dem internationalen Markt gut kapitalisieren.


In einem Telefonat beantwortete der Künstler einige Fragen:
Frage: Für die Ausstellung in Goslar haben Sie den Titel RUBBER SOUL gewählt. Es gibt doch auch ein Beatles Album mit dem Titel. Hat es etwas damit zu tun?
Ibrahim Mahama: „Ja genau. Als ich neulich bei einer Freundin in Venedig zu Besuch war, sah ich dieses Album bei ihr. Das hat mich darauf gebracht. Soul kann Seele, Soul-Musik oder Schuhsohle bedeuten, also Gummi-Sohle. Da fiel mir ein, dass ja auch in anderen Gegenden der Welt, in Asien, Afrika oder Südamerika Arbeiter in der Gummi-Herstellung und -Verarbeitung schwer und unter schlechten Bedingungen arbeiten müssen. Das ergab dann einen Bezug zu meinen Jutesack-Trägern. Auch ihre Seele leidet dabei. Der Titel passt zusätzlich zu meiner Serie der Schuhputzerinnen-Kisten, wenn man an Gummisohlen denkt.“


Arbeitslose Frauen sind in Ghana heimatlos auf Wanderschaft, nur mit einem Holzkasten, in dem sie Werkzeug oder Schuhputzutensilien bei sich tragen in der Hoffnung, hiermit etwas Geld zu verdienen. Mahama hat besonders ihre Arme fotografisch dokumentiert. Nur durch Tätowierungen dort sind die Frauen zu identifizieren, wenn sie den Kampf ums Überleben verlieren sollten. Die auf den ersten Blick unscheinbaren Kästen sammelt der Künstler seit vielen Jahren und hat bereits riesige skulpturale Regale daraus zusammengesetzt, die beispielsweise bei der ART Basel prominent ausgestellt waren. Auch sie sind ein Mahnmal für Armut und Ausbeutung auf dem afrikanischen Kontinent.


Frage: Welche Bedeutung haben die Farbe und das Material bei Ihren letzten Verhüllungs- Projekten in Osnabrück und London? Einmal blau und einmal pink?
https://wordpress.com/post/inartberlin.com/962
Ibrahim Mahama: „Die Stoffe sind alle in Handarbeit gewebt. Es sieht zwar wie Industrieware aus, ist es aber nicht. Die Stoffe werden sonst für Kleidung Höherer Leute produziert, für Uniformen oder festliche Kleidung. Sie werten deshalb das damit verhüllte Gebäude besonders auf. Die darauf applizierten traditionellen Kleider habe ich von den Familien mit viel Überredungskunst bekommen können, denn sie werden üblicherweise über Generationen weitergegeben und nur zu besonderen Anlässen getragen. Sie symbolisieren Familientradition und sind ein Beispiel für Nachhaltigkeit. Heutzutage wird in den reichen Ländern Kleidung kaum noch repariert und verursacht eine große Menge Textil-Müll auf der Welt.“


90% seiner Einnahmen investiert Ibrahim Mahama in seiner Heimat im Norden Ghanas sozial in Kulturzentren, die er zur Begegnung, für Diskussionen und für Kinder und Jugendliche aufbaut. Die Kinder sind für ihn die wichtigsten GestalterInnen einer gerechteren Zukunft für Ghana.
Inzwischen hat er auch ein altes Silogebäude gekauft. Die Silos dienten unter einem früheren Präsidenten als Speicher, um das Land möglichst unabhängig vom Weltmarkt aufzubauen. Diese Vision scheiterte und die Silos wurden mit Sand zugeschüttet. Als der Künstler sie mit Helfern jetzt freilegte, fanden sich dort große Populationen der in Ghana weit verbreiteten Flughunde, einer Art von Riesen-Fledermäusen. Sie sind als abstrahierte Muster auf den Papiercollagen in Goslar wieder zu entdecken neben Bestell- und Lieferscheinen. Ein Video über die Arbeit am Silo ist in der Goslarer Ausstellung zu sehen.


Frage: Sie haben bereits viele Projekte in Ihrer Heimat realisiert: Ihr Atelierhaus, das offen für Kinder und alle Interessierten ist. Die Kunstschule SCCA (Savannah Contemporary Art Centre), und jetzt das Silo. Sie fördern die jungen Leute hiermit und erweitern deren Bildungshorizont. Haben Sie das Gefühl, bereits etwas für ihr Land bewegt zu haben?
Ibrahim Mahama ändert das Handy auf Video-Modus, winkt uns mit fröhlichem Lachen und Stolz zu. Dann zeigt er uns seine Umgebung vor und im Atelierhaus. Zu sehen ist nebenan auch der angefangene Bau eines weiteren Versammlungshauses. Im Hof laufen kleine Kinder in Schuluniform um die Kunst herum. An einer Wandseite im Haus hängt ein großer Jute-Vorhang. Das sei aber keine Kunst, sondern einfach nur funktional.
„Ja, schauen Sie, wie gut es den Menschen bei uns geht. Und wenn die Kinder mal hier waren, erzählen sie es den Eltern. Die kommen dann auch her und es macht mich sehr stolz, dass viele ihre besondere Sonntagskleidung für den Besuch anziehen.“
Die Ausstellung belegt ein äußerst gelungenes Beispiel, wie Kunst und Künstler ihr Herkunftsland und die Menschen dort bereichern und verändern können, direkt und auf Eigeninitiative. Wir aber bekommen durch Ibrahim Mahama nicht nur neue Erkenntnisse, sondern dürfen uns auch an seinen einzigartig überwältigenden Kunstwerken erfreuen.
Ibrahim Mahama „Rubber Soul“, Mönchehaus Museum Goslar, 5.Mai bis 7. Juli 2024
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60. Venedig Biennale 2024
Der Olymp zeitgenössischer Kunst?

Venedig ist eine Insel der Glückseligkeit, wenn dort in den Stätten der Kunst die internationale Biennale stattfindet. Sie wird manchmal auch als Kunst-Olympiade bezeichnet, weil in Pavillons, die teilweise über die ganze Stadt verteilt sind, die unterschiedlichen Länder ihre aktuelle Kunst präsentieren und um den Goldenen Löwen für den besten Länderpavillon konkurrieren.
Hinzu kommt an den beiden großen Locations, den Giardini und dem Arsenale, die von einem Kurator – in diesem Jahr Adriano Pedrosa aus Brasilien – präsentierte Hauptausstellung.
Adriano Pedrosa will unserem eurozentrischen Kunstgeschmack die Kunst des sogenannten Globalen Südens, das Fremde, nahebringen. Als Titel wählte er: „Foreigners everywhere“: „Fremde überall“ oder inhaltlich besser „Überall Fremdsein“. Hierbei kann es um das Fremdsein in einer Gemeinschaft, einem fremden Land oder auch im eigenen Körper gehen.




Zur Veranschaulichung wählte Pedrosa für seine Hauptausstellung vorwiegend Künstler*Innen mit Außenseiterpositionen: Non-Hetero Sexualität oder anders ausgedrückt aus der Queer-Community, indigener Herkunft, Coloured People oder Menschen mit komplexer Migrationsgeschichte. Dadurch steht nicht unbedingt das extrem innovative Kunstwerk im Vordergrund, sondern das fremde, bisher noch nicht gesehene. In manchen Ausstellungsräumen hängen Bilder eher museal historisch und kontextual korrekt, doch wenig begeisternd. An anderer Stelle findet sich eher folkloristisches anmutendes Kunsthandwerk. Das lässt erneut die alte Diskussion aufblühen: „Was ist Kunst?“ Trifft das auch auf diese Werke zu? Wahrscheinlich Ja, nur benötigt es eine andere Betrachtungsweise. Auf jeden Fall sind letztlich wir als Besucher*Innen gefordert, aber auch berechtigt, unsere ganz persönlich spannenden „Perlen“ herauszusuchen. Doch keine Sorge, davon lassen sich unglaublich viele finden.


Die diesjährige Biennale empfängt und erfreut uns sofort mit einer farbenprächtig komplett bemalten Fassade des zentralen Biennale-Pavillons in den Giardini. Dort ist sofort zu erkennen, was in diesem Jahr gezeigt wird. In typisch südamerikanisch ornamentalen Stil hat die brasilianische Gruppe WAHKU eine Legende illustriert, die erzählt, dass die Kontinente der Erde an der Beringstraße zwischen Alaska und Sibirien in früherer Zeit eine Verbindung hatten, die Menschen in beide Richtungen genutzt haben. Ein großer freundlicher Alligator bildete mit seinem Körper eine Brücke. Als Wegzoll bekam er von den Menschen Nahrung. Eines Tages jedoch töteten Menschen einen anderen Alligator, was den Großen so sehr verärgerte, dass er verschwand. Von da an blieben die Kontinente getrennt.

Im großen Mittelraum des Biennale-Pavillon wird diese ursprüngliche Verbundenheit der Menschen aus unterschiedlichen Erdregionen anhand von Bildern der modernen Abstraktion thematisiert. Hier hängen Werke aus Asien und Südamerika gegenüber und lassen vorwiegend Gemeinsamkeiten erkennen. Die geometrischen Muster entsprechen eher nicht unsere Art der Abstraktion, die wir seit dem Bauhaus kennen, sondern zeigen ihren eigenen Stil südlicher Kultur.

Innen beginnt der Biennale Pavillon mit einer neuen Aufstellung von Nil Yalters „Exile is a hard work“, die auch zuletzt im Berliner KW-Institut für zeitgenössische Kunst zu sehen war. Es bezieht sich auf die türkischen Gastarbeiter aus den 60ger Jahren, bleibt aber immer noch aktuell, weil sie universelle Bedeutung entfaltet. Nil Yalter wurde in diesem Jahr auf der Biennale mit dem Goldenen Löwen für ihr Lebenswerk ausgezeichnet.


Ganz subjektiv betrachtet sind zeitgenössisch spannende Werke mehr noch im Arsenale zu finden. In den riesigen ehemaligen Werftanlagen Venedigs wirken die Ausstellungsstücke besonders faszinierend. Gleich am Eingang empfängt die Besucher der „Refugee Astronaut“ von Yinka Shonibare, dem britisch-nigerianischen Künstler. In Deutschland ist er von der Documenta 11 (2002) bereits bekannt und somit kein unbekannter Außenseiter. Der Astronaut fordert uns auf, ihm auf dem Weg seiner „Flucht“ in die Ausstellung zu folgen.


In der ersten großen Halle schwebt an der Decke ein zeltförmiges Geflecht, das fantastische Schattenspiele ermöglicht. Dies wurde von der Biennale-Jury als bestes Kunstwerk der Ausstellung gekürt. Es stammt vom neuseeländischen MATAAHO Kollektiv, einer Gruppe Maori-Frauen und sei aus der Tradition von Geburtsmatten entstanden. Allerdings benötigte die massive Stahlkonstruktion mit der industriell perfekten Aufhängung sowie dem Flugzeug-Gurtmaterial sicher professionelle Ingenieure und Handwerker.

Ein weiteres Highlight ist „The mapping journey project“ von Bouchra Khalili. Die marokkanische Künstlerin lebt und arbeitet jetzt in Wien und ist ebenfalls keine Unbekannte im Kunstbereich. Beispielsweise bekam sie auf der Sharjah-Biennale 2023 den Preis für eins der 3 besten Werke. Bouchra Khalili hat für ihr Projekt Menschen in Cafes, auf öffentlichen Plätzen, Bahnhöfen oder an Haltestellen angesprochen und sie über ihre Wege der Migration aus Afrika oder Asien nach Europa befragt. Gezeigt werden auf 8 großen Screens Landkarten-Videos, auf denen die Hände der Protagonisten mit einem Stift ihre Fluchtwege nachzeichnen und dazu berichten. Selbstverständlich gibt es eine englische Übersetzung. Diese Einzelschicksale sind bedrückend, weil sie ganz persönlich über durchgemachte Strapazen, Quälereien und Ausbeutung berichten.


Die Auszeichnung als beste Nachwuchskünstlerin bekam Karimah Ashadu, eine in Hamburg und Lagos lebende nigerianische Künstlerin für ihre Videoarbeit „Machine Boys“. Hier schildert sie anschaulich die Not junger Männer als Motorad-Taxifahrer in Lagos, die diesen Weg gefunden haben, um aus Armut und Kriminalität herauszukommen. Wenn man bedenkt, wie mächtig die nigerianische Mafia ist, dann ist vorstellbar, wie schwer es auch ist, dieses „legale“ Leben zu führen und auch weiterhin zu verteidigen.


Es sind hier nur einige wenige künstlerische Positionen aus der Fülle der Werke der Hauptausstellung der 60. Kunst-Biennale beschrieben, die jedoch allein schon den Besuch wert wären. Dazu verlockt aber immer auch Venedig als herrliche Kulisse u.a. mit der Via Garibaldi, dem Aperol Sprizz und den großartigen Plaudereinen und kontroversen Gesprächen mit vielen Kunstbegeisterten. Ein fantastisches Erlebnis!
60.Biennale di Venezia, 20.April 2024 bis 24.November 2024
Achtung:
Sehr bald wird an dieser Stelle weiter über die Biennale berichtet. Dann geht es um die LÄNDERPAVILLONS: Sind sie noch zeitgemäß? Welche Bedeutung hat der Gedanke des „olympischen“ Kunstwettbewerbs? Wer hat den Goldenen Löwen gewonnen und welches sind die „Gewinner“ der Herzen oder der Fachleute? Was zeigt speziell der Deutsche Pavillon? Welche besonderen Kunst-Entdeckungen gibt es aktuell noch in Venedig?……
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Roy Lichtenstein, 100 Jahre
Comic-Kopie und doch einzigartig


Lichtenstein 
Comics und Werbung lieferten die Vorlagen für die Gemälde eines der wichtigsten Begründer der POP-Art. Neben Andy Warhol, Keith Haring und James Rosenquist war Roy Lichtenstein der berühmteste Künstler dieses Genre. Die Albertina in Wien zeigt aktuell eine Soloshow mit nahezu 100 Werken aus allen Schaffensperioden.

Lichtenstein 
Vorlage Das erste Bild „Look Mickey“ in seinem typischen Stil malte Lichtenstein nach dem Disney-Comic 1962 und hatte das Glück, von dem einflussreichen Galeristen Leo Castelli entdeckt zu werden. Lichtensteins Maltechnik imitierte mit den Punkten und Rastern die Technik des Offset-Druckes, er blieb aber konstant bei der Malerei, punktete mittels Blechschablonen und gestaltet so Unikate.

Später nahm er klassische Gemälde von z.B. van Gogh oder Picasso als Vorbilder, die er neu mit seinen Stilmitteln und nur in den Grundfarben schuf. Doch auch ein simpler abstrahierter Pinselstrich zeigte auf großformatiger Leinwand in dieser Darstellung eine völlig innovative besondere Wirkung.


Roy Lichtenstein wurde 1923 in New York geboren, studierte klassische Malerei und wurde 1943 zum Militär eingezogen. Er war dabei in mehreren europäischen Ländern stationiert und arbeitete als Konstruktionszeichner. Nach dem Krieg wollte er in Paris weiter studieren, doch er zog wegen der Erkrankung seines Vaters zurück in die USA. Er nahm im Weiteren eine Assistenzprofessur für Industriedesign an und lehrte an der Universität in New Jersey Kunst.


Heute herrscht ein Zeitgeist, in dem besonders Künstler präsentiert werden, die entweder aus indigener Herkunft stammen oder eine Non-Hetero-Sexualität leben. So wird auch in Wien parallel in der Albertina Modern eine Ausstellung unter dem Titel „Beauty of Diversity“ gezeigt. Ebenso sind für die Venedig-Biennale, die in wenigen Tagen öffnet, vorzugsweise Kunstschaffende dieser Kategorien vom Kurator Adriano Pedrosa angekündigt, alternativ Künstler*Innen mit Migrations-Lebenslauf, People of Colour oder zumindest Frauen. Es scheint eine Mode-Tendenz zu sein, die bereits mit der Documenta 15, damals noch als Novum begonnen hatte.
Roy Lichtenstein gehörte zu keiner dieser besonderen Gruppen. Er war ein weißer US-Amerikaner und hatte aus zwei heterosexuellen Ehen zwei Söhne. Trotzdem reüssierte er als Künstler. Kreativer einzigartiger Wiedererkennungswert und malerische Qualität waren offenbar zumindest in den 60er bis 90er Jahren erfolgversprechend. Roy Lichtenstein malte passend dazu in seinen späteren Jahren viele Frauenbilder.

Er starb 1997 im Ort seiner Geburt, in New York.
Es ist eine große Freude, in Wien beschwingt und fröhlich durch die farbenfrohen großen Bilder im Comic-Stil zu spazieren, auch weil sie die postmoderne Lebensfreude ausstrahlen, die in jenen Jahren besonders in Amerika vorherrschte. Die Erinnerung an deren Ausstellung 1995 in den riesigen Deichtorhallen in Hamburg hat sich jedoch noch beeindruckender und überwältigender im Gedächtnis eingebrannt, weil sich in dem Ambiente die Wirkung der Vergrößerung noch intensiver entfalten konnte. Trotzdem ist die Wiener Präsentation ein absoluter Highlight-Tipp für diesen Sommer.
Roy Lichtenstein, Albertina Wien, Albertinaplatz 1, 8.März bis 14.Juli 2024
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Klima-Biennale in Wien, die Erste!
……. oder wie man die drohende Klima-Krise künstlerisch darstellt

Wien hat sich dieser Problematik gestellt und an mehreren Ausstellungsorten in der Stadt Künstler*Innen die Chance gegeben, sich der Aufgabe zu widmen.
Es sollen zunächst einige Beispiele beschrieben werden aus dem Kunsthaus Wien, wie jetzt das Hundertwasserhaus genannt wird. Doch auch der Namensgeber hatte bereits Naturschutz und Klima-Probleme thematisiert. Als er z.B. den Neubau der zuvor abgebrannten Müllverbressnungsanlage in seinem speziellen Stil neu gestalten sollte, bestand er auf aktuellster Technologie im Inneren, um die Emissionen niedrig und die Effizienz hoch zu halten.



Vielleicht schon Landschaften mit Windrädern als Utopie damals? Jetzt befindet sich die Zentrale der Klima-Biennale im Hunderwserhaus zusammen mit der Ausstellung
„INTO the WOOD“.
Hier bestimmt der WALD den thematischen Schwerpunkt mit verschiedenen Aspekten seiner Bedeutung im Klimakreislauf.



Der Künstler Markus Jeschaunig aus Graz baute für die Ausstellung einen Klimahelm, innen ausgekleidet mit verschiedensten Moosen und Farnen. Man kann in diese mobile Klimazone eintreten und den Duft von Wald originalgetreu wahrnehmen.


Frage: „Wir sehen hier in der Ausstellung vorwiegend wissenschaftlich fundierte Projekte, die künstlerisch dargestellt wurden. In welcher Rolle sehen Sie sich? Als naturwissenschaftlicher Forscher oder als Künstler?“
„Nun ja, schwierig, ich komme aus der Archiektur, landete dann in der bildenden Kunst, aber auch im Aktivismus. Im Grunde möchte ich alles zusammenführen, so wie die Idee dieser Klima Biennale es auch zeigt. Und ich möchte dafür arbeiten, dass all die ökologischen Erkenntnisse in reale Projekte münden. Mein Traum ist die „Atmende Stadt“ „Breathing City“.“
Oliver Ressler ist österreichischer Video-Künstler mit Schwerpunkten auf gesellschaftlichen, kapitalistischen und ökologischen Themen. Seinen Filmbeitrag drehte er im Hambacher Forst, wo sich eine Protest-Community gegen die weitere Abholzung für Braunkohlenabbau ein Dorf teils mit in den Bäumen hängenden Häusern gebaut hatte. Für Ressler ist dies ein Beispiel für zivilen Ungehorsam, aber auch für eine in sich geschlossen funktionierende Gemeinschaft ohne Hierarchien. Darin sieht er absolute Parallelen zum Prinzip des Waldes, wo ebenfalls alle Organismen und auch Tiere miteinander in symbiotischem Gleichgewicht leben.


Oliver Ressler 
„Protest-Architektur“ im MAK 
„Protest-Architektur“ im MAK Unter dem Titel: „Dog Days Bite Back“ gibt es weiterhin eine Einzelausstellung von Oliver Ressler im Belvedere 21 als weiteren Teil der Klima-Biennale mit Filmen und Fotos zur Klimakrise.
Jeewi Lee aus Süd-Korea, lebt jetzt in Berlin, thematisiert die Zerstörung von großen Waldflächen im Harz durch Borkenkäfer. Sie leben unter der Rinde und zerstören sie dabei. Borkenkäfer kommen besonders bei Umweltbelastung und Erwärmung in Wäldern mit Monokulturen vor, weil die Bäume dann weniger resistent sind. Die Kunstwerke sind auf koreanischem Seidenpapier abgepauste Käfergänge.

Ein zweites Projekt der Künstlerin bezieht sich auf Waldbrände. Feuer zerstört alles, aber die Asche macht den Boden fruchtbar für neue Vegetation. Jeewi Lee sammelte 2022 die Asche nach einem Feuer in der Nähe der Stadt Lucca in Italien und produzierte aus ihr Seifenstücke, die jeweils einen Abdruck der Rinde des entsprechenden Baumes bekamen, fast wie kleine Grabsteine.

Der Fotograf Richard Mosse, geb. in Irland, jetzt in New York lebend zeigt auf den ersten Blick wunderschöne riesige Luftbildaufnahmen, allerdings mit Farbverfälschungen, die aber Veränderungen des Urwaldes am brasilianischen Amazonas verdeutlichen, z.B. rechteckige Plantagen mit Palmen zur Palmöl-Produktion, die den ursprünglichen so wichtigen Urwald als Sauerstoffproduzent für die ganze Erde zerstört und ersetzt haben.


Ein weiterer Beitrag zur Klima-Biennale wird im Wiener Museum für angewandte Kunst gezeigt. Hier sind Plakate von Klaus Staeck zu sehen. Unter dem Titel „Nichts ist erledigt“ werden ältere Werke aus den 70/80er Jahren gezeigt, deren Inhalt nach wie vor aktuell ist. Außerdem sind auch neuere Plakate aus den letzten Jahren zu sehen, die ebenfalls die Brisanz der Naturzerstörung durch die Menschheit thematisieren.




Dies sind nur wenige Beispiele der Wiener Klima-Biennale. Es ist eine erstaunliche ästhetische Kombination aus wissenschaftlicher Recherche, warnendem Aktivismus, aber auch künstlerisch anspruchsvoller beeindruckender Vielfalt. Man fühlt sich nicht oberlehrerhaft bevormundet und doch komplex teils neu informiert. Also überhaupt nicht Lehrpfad für Schulklassen, sondern ein feines Kunsterlebnis für alle.
Klima-Biennale Wien, 5.4. bis 14.7.2024, verschiedene Venues
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Piet Mondrian in Wolfsburg – Beste Ausstellung 2023
Gratulation zum Kuratorenpreis des ART-Magazins


Das ART-Magazin hatte 12 Ausstellungen des Jahres 2023 im deutschsprachigen Raum für den Kuratorenpreis nominiert. Am 10.4.2024 wurde der Gewinner bekannt gegeben: Andreas Beitin, Kurator und Direktor des Kunstmuseums Wolfsburg mit Elena Engelbrechter als Co-Kuratorin für die Ausstellung
„Re-Inventing Piet Mondrian und die Folgen“.
Auch in diesem Blog wurde darüber begeistert berichtet:
https://wordpress.com/post/inartberlin.com/511
Deshalb Herzlichen Glückwunsch in die Geburtsstadt der Blog-Autorin zu dieser großartigen Anerkennung!


























