• 60. Venedig Biennale 2024

    Der Olymp zeitgenössischer Kunst?

    Venedig ist eine Insel der Glückseligkeit, wenn dort in den Stätten der Kunst die internationale Biennale stattfindet. Sie wird manchmal auch als Kunst-Olympiade bezeichnet, weil in Pavillons, die teilweise über die ganze Stadt verteilt sind, die unterschiedlichen Länder ihre aktuelle Kunst präsentieren und um den Goldenen Löwen für den besten Länderpavillon konkurrieren.

    Hinzu kommt an den beiden großen Locations, den Giardini und dem Arsenale, die von einem Kurator – in diesem Jahr Adriano Pedrosa aus Brasilien – präsentierte Hauptausstellung.

    Adriano Pedrosa will unserem eurozentrischen Kunstgeschmack die Kunst des sogenannten Globalen Südens, das Fremde, nahebringen. Als Titel wählte er: „Foreigners everywhere“: „Fremde überall“ oder inhaltlich besser „Überall Fremdsein“. Hierbei kann es um das Fremdsein in einer Gemeinschaft, einem fremden Land oder auch im eigenen Körper gehen.

    Zur Veranschaulichung wählte Pedrosa für seine Hauptausstellung vorwiegend Künstler*Innen mit Außenseiterpositionen:  Non-Hetero Sexualität oder anders ausgedrückt aus der Queer-Community, indigener Herkunft, Coloured People oder Menschen mit komplexer Migrationsgeschichte. Dadurch steht nicht unbedingt das extrem innovative Kunstwerk im Vordergrund, sondern das fremde, bisher noch nicht gesehene. In manchen Ausstellungsräumen hängen Bilder eher museal historisch und kontextual korrekt, doch wenig begeisternd. An anderer Stelle findet sich eher folkloristisches anmutendes Kunsthandwerk. Das lässt erneut die alte Diskussion aufblühen: „Was ist Kunst?“ Trifft das auch auf diese Werke zu? Wahrscheinlich Ja, nur benötigt es eine andere Betrachtungsweise. Auf jeden Fall sind letztlich wir als Besucher*Innen gefordert, aber auch berechtigt, unsere ganz persönlich spannenden „Perlen“ herauszusuchen. Doch keine Sorge, davon lassen sich unglaublich viele finden.

    Die diesjährige Biennale empfängt und erfreut uns sofort mit einer farbenprächtig komplett bemalten Fassade des zentralen Biennale-Pavillons in den Giardini. Dort ist sofort zu erkennen, was in diesem Jahr gezeigt wird. In typisch südamerikanisch ornamentalen Stil hat die brasilianische Gruppe WAHKU eine Legende illustriert, die erzählt, dass die Kontinente der Erde an der Beringstraße zwischen Alaska und Sibirien in früherer Zeit eine Verbindung hatten, die Menschen in beide Richtungen genutzt haben. Ein großer freundlicher Alligator bildete mit seinem Körper eine Brücke. Als Wegzoll bekam er von den Menschen Nahrung. Eines Tages jedoch töteten Menschen einen anderen Alligator, was den Großen so sehr verärgerte, dass er verschwand. Von da an blieben die Kontinente getrennt.

    Im großen Mittelraum des Biennale-Pavillon wird diese ursprüngliche Verbundenheit der Menschen aus unterschiedlichen Erdregionen anhand von Bildern der modernen Abstraktion thematisiert. Hier hängen Werke aus Asien und Südamerika gegenüber und lassen vorwiegend Gemeinsamkeiten erkennen. Die geometrischen Muster entsprechen eher nicht unsere Art der Abstraktion, die wir seit dem Bauhaus kennen, sondern zeigen ihren eigenen Stil südlicher Kultur.

    Innen beginnt der Biennale Pavillon mit einer neuen Aufstellung von Nil Yalters „Exile is a hard work“, die auch zuletzt im Berliner KW-Institut für zeitgenössische Kunst zu sehen war. Es bezieht sich auf die türkischen Gastarbeiter aus den 60ger Jahren, bleibt aber immer noch aktuell, weil sie universelle Bedeutung entfaltet. Nil Yalter wurde in diesem Jahr auf der Biennale mit dem Goldenen Löwen für ihr Lebenswerk ausgezeichnet.

    Ganz subjektiv betrachtet sind zeitgenössisch spannende Werke mehr noch im Arsenale zu finden. In den riesigen ehemaligen Werftanlagen Venedigs wirken die Ausstellungsstücke besonders faszinierend. Gleich am Eingang empfängt die Besucher der „Refugee Astronaut“ von Yinka Shonibare, dem britisch-nigerianischen Künstler. In Deutschland ist er von der Documenta 11 (2002) bereits bekannt und somit kein unbekannter Außenseiter. Der Astronaut fordert uns auf, ihm auf dem Weg seiner „Flucht“ in die Ausstellung zu folgen.

    In der ersten großen Halle schwebt an der Decke ein zeltförmiges Geflecht, das fantastische Schattenspiele ermöglicht. Dies wurde von der Biennale-Jury als bestes Kunstwerk der Ausstellung gekürt. Es stammt vom neuseeländischen MATAAHO Kollektiv, einer Gruppe Maori-Frauen und sei aus der Tradition von Geburtsmatten entstanden. Allerdings benötigte die massive Stahlkonstruktion mit der industriell perfekten Aufhängung sowie dem Flugzeug-Gurtmaterial sicher professionelle Ingenieure und Handwerker.

    Ein weiteres Highlight ist „The mapping journey project“ von Bouchra Khalili. Die marokkanische Künstlerin lebt und arbeitet jetzt in Wien und ist ebenfalls keine Unbekannte im Kunstbereich. Beispielsweise bekam sie auf der Sharjah-Biennale 2023 den Preis für eins der 3 besten Werke. Bouchra Khalili hat für ihr Projekt Menschen in Cafes, auf öffentlichen Plätzen, Bahnhöfen oder an Haltestellen angesprochen und sie über ihre Wege der Migration aus Afrika oder Asien nach Europa befragt. Gezeigt werden auf 8 großen Screens Landkarten-Videos, auf denen die Hände der Protagonisten mit einem Stift ihre Fluchtwege nachzeichnen und dazu berichten. Selbstverständlich gibt es eine englische Übersetzung. Diese Einzelschicksale sind bedrückend, weil sie ganz persönlich über durchgemachte Strapazen, Quälereien und Ausbeutung berichten.

    Die Auszeichnung als beste Nachwuchskünstlerin bekam Karimah Ashadu, eine in Hamburg und Lagos lebende nigerianische Künstlerin für ihre Videoarbeit „Machine Boys“. Hier schildert sie anschaulich die Not junger Männer als Motorad-Taxifahrer in Lagos, die diesen Weg gefunden haben, um aus Armut und Kriminalität herauszukommen. Wenn man bedenkt, wie mächtig die nigerianische Mafia ist, dann ist vorstellbar, wie schwer es auch ist, dieses „legale“ Leben zu führen und auch weiterhin zu verteidigen.

    Es sind hier nur einige wenige künstlerische Positionen aus der Fülle der Werke der Hauptausstellung der 60. Kunst-Biennale beschrieben, die jedoch allein schon den Besuch wert wären. Dazu verlockt aber immer auch Venedig als herrliche Kulisse u.a. mit der Via Garibaldi, dem Aperol Sprizz und den großartigen Plaudereinen und kontroversen Gesprächen mit vielen Kunstbegeisterten. Ein fantastisches Erlebnis!

    60.Biennale di Venezia, 20.April 2024 bis 24.November 2024

    Achtung:

    Sehr bald wird an dieser Stelle weiter über die Biennale berichtet. Dann geht es um die LÄNDERPAVILLONS: Sind sie noch zeitgemäß? Welche Bedeutung hat der Gedanke des „olympischen“ Kunstwettbewerbs? Wer hat den Goldenen Löwen gewonnen und welches sind die „Gewinner“ der Herzen oder der Fachleute? Was zeigt speziell der Deutsche Pavillon? Welche besonderen Kunst-Entdeckungen gibt es aktuell noch in Venedig?……































  • Nevin Aladag „Vibrating Images“

    Gemälde zum Musizieren

    Zum Gallery Weekend Berlin zeigt die Galerie Wentrup neue Werke von Nevin Aladag. Die Künstlerin wurde bereits bei der Documenta 14 (2017) bekannt, als sie in Kassel eine Art Paravant aus Keramikelementen in typischen arabischen Ornamenten präsentierte.

    Besonders beeindruckend war die Installation im Athener Teil der D 14. Hierfür hatte die Künstlerin Möbel auf Flohmärkten und im Sperrmüll gesammelt und zu Musikinstrumenten umgebaut. Profimusiker demonstrierten in Performances, dass man denen harmonische Klänge entlocken konnte. Im heutigen Kurz-Interview erklärte Nevin Aladag. „Ich wollte bei meinen Werken immer schon Malerei, Skulptur und Musik zusammenbringen. Und auch Menschen anregen, in Gemeinschaft zu musizieren.“

    Die jetzt gezeigten Bilder schließen direkt an diese Intention an. Sie sind abstrakte farbenfrohe Gemälde und doch dreidimensional mit aufmontierten Saiten, Trommelfellen und Mundstücken von Instrumenten. Zusammengesetzt entsteht ein hölzerner Resonanzraum, der Klänge entfalten kann. In der Ausstellung demonstrieren zwei professionelle Musiker dies eindrucksvoll. Die Bilder verlocken jeden, daran zu zupfen oder zu trommeln. Nevin Aladag: „Ich selbst kann leider keine gute Musik darauf spielen. Das überlasse ich lieber den Profis.“

    In einem weiteren Raum sind auch Collagen der Künstlerin aus Teppichstücken ausgestellt, wie sie typisch für Nevin Aladag sind. „Ich habe Wert darauf gelegt, dass die ursprünglichen Teppiche aus vielen verschiedenen, auch arabischen Kulturen stammen und alles miteinander harmoniert.“

    Vibrating Images verkörpern nicht nur optisch attraktive Malerei, sondern sind hochgradig anregend, damit zu spielen. Ein wenig erinnern sie an „Activity“-Spielzeug für Kleinkinder, doch genau das hatte ja auch auf uns Erwachsene immer eine große Anziehungskraft, mitzuspielen.

    Nevin Aladags Kunst war mehrfach auf internationalen Ausstellungen zu sehen, z.B. auch auf der Venedig Biennale 2017 oder 2023 im Kunsthaus Zürich.

    Gallerie Wentrup, Knesebeckstr. 95, 10623 Berlin

  • Roy Lichtenstein, 100 Jahre

    Comic-Kopie und doch einzigartig

    Comics und Werbung lieferten die Vorlagen für die Gemälde eines der wichtigsten Begründer der POP-Art. Neben Andy Warhol, Keith Haring und James Rosenquist war Roy Lichtenstein der berühmteste Künstler dieses Genre. Die Albertina in Wien zeigt aktuell eine Soloshow mit nahezu 100 Werken aus allen Schaffensperioden.

    Das erste Bild „Look Mickey“ in seinem typischen Stil malte Lichtenstein nach dem Disney-Comic 1962 und hatte das Glück, von dem einflussreichen Galeristen Leo Castelli entdeckt zu werden. Lichtensteins Maltechnik imitierte mit den Punkten und Rastern die Technik des Offset-Druckes, er blieb aber konstant bei der Malerei, punktete mittels Blechschablonen und gestaltet so Unikate.

    Später nahm er klassische Gemälde von z.B. van Gogh oder Picasso als Vorbilder, die er neu mit seinen Stilmitteln und nur in den Grundfarben schuf. Doch auch ein simpler abstrahierter Pinselstrich zeigte auf großformatiger Leinwand in dieser Darstellung eine völlig innovative besondere Wirkung.

    Roy Lichtenstein wurde 1923 in New York geboren, studierte klassische Malerei und wurde 1943 zum Militär eingezogen. Er war dabei in mehreren europäischen Ländern stationiert und arbeitete als Konstruktionszeichner. Nach dem Krieg wollte er in Paris weiter studieren, doch er zog wegen der Erkrankung seines Vaters zurück in die USA. Er nahm im Weiteren eine Assistenzprofessur für Industriedesign an und lehrte an der Universität in New Jersey Kunst.

    Heute herrscht ein Zeitgeist, in dem besonders Künstler präsentiert werden, die entweder aus indigener Herkunft stammen oder eine Non-Hetero-Sexualität leben. So wird auch in Wien parallel in der Albertina Modern eine Ausstellung unter dem Titel „Beauty of Diversity“ gezeigt. Ebenso sind für die Venedig-Biennale, die in wenigen Tagen öffnet, vorzugsweise Kunstschaffende dieser Kategorien vom Kurator Adriano Pedrosa angekündigt, alternativ Künstler*Innen mit Migrations-Lebenslauf, People of Colour oder zumindest Frauen. Es scheint eine Mode-Tendenz zu sein, die bereits mit der Documenta 15, damals noch als Novum begonnen hatte.

    Roy Lichtenstein gehörte zu keiner dieser besonderen Gruppen. Er war ein weißer US-Amerikaner und hatte aus zwei heterosexuellen Ehen zwei Söhne. Trotzdem reüssierte er als Künstler. Kreativer einzigartiger Wiedererkennungswert und malerische Qualität waren offenbar zumindest in den 60er bis 90er Jahren erfolgversprechend. Roy Lichtenstein malte passend dazu in seinen späteren Jahren viele Frauenbilder.

    Er starb 1997 im Ort seiner Geburt, in New York.

    Es ist eine große Freude, in Wien beschwingt und fröhlich durch die farbenfrohen großen Bilder im Comic-Stil zu spazieren, auch weil sie die postmoderne Lebensfreude ausstrahlen, die in jenen Jahren besonders in Amerika vorherrschte. Die Erinnerung an deren Ausstellung 1995 in den riesigen Deichtorhallen in Hamburg hat sich jedoch noch beeindruckender und überwältigender im Gedächtnis eingebrannt, weil sich in dem Ambiente die Wirkung der Vergrößerung noch intensiver entfalten konnte. Trotzdem ist die Wiener Präsentation ein absoluter Highlight-Tipp für diesen Sommer.

    Roy Lichtenstein, Albertina Wien, Albertinaplatz 1, 8.März bis 14.Juli 2024

  • Klima-Biennale in Wien, die Erste!

    ……. oder wie man die drohende Klima-Krise künstlerisch darstellt

    Wien hat sich dieser Problematik gestellt und an mehreren Ausstellungsorten in der Stadt Künstler*Innen die Chance gegeben, sich der Aufgabe zu widmen.

    Es sollen zunächst einige Beispiele beschrieben werden aus dem Kunsthaus Wien, wie jetzt das Hundertwasserhaus genannt wird. Doch auch der Namensgeber hatte bereits Naturschutz und Klima-Probleme thematisiert. Als er z.B. den Neubau der zuvor abgebrannten Müllverbressnungsanlage in seinem speziellen Stil neu gestalten sollte, bestand er auf aktuellster Technologie im Inneren, um die Emissionen niedrig und die Effizienz hoch zu halten.

    Jetzt befindet sich die Zentrale der Klima-Biennale im Hunderwserhaus zusammen mit der Ausstellung

    „INTO the WOOD“.

    Hier bestimmt der WALD den thematischen Schwerpunkt mit verschiedenen Aspekten seiner Bedeutung im Klimakreislauf.

    Der Künstler Markus Jeschaunig aus Graz baute für die Ausstellung einen Klimahelm, innen ausgekleidet mit verschiedensten Moosen und Farnen. Man kann in diese mobile Klimazone eintreten und den Duft von Wald originalgetreu wahrnehmen.

    Frage: „Wir sehen hier in der Ausstellung vorwiegend wissenschaftlich fundierte Projekte, die künstlerisch dargestellt wurden. In welcher Rolle sehen Sie sich? Als naturwissenschaftlicher Forscher oder als Künstler?“

    „Nun ja, schwierig, ich komme aus der Archiektur, landete dann in der bildenden Kunst, aber auch im Aktivismus. Im Grunde möchte ich alles zusammenführen, so wie die Idee dieser Klima Biennale es auch zeigt. Und ich möchte dafür arbeiten, dass all die ökologischen Erkenntnisse in reale Projekte münden. Mein Traum ist die „Atmende Stadt“ „Breathing City“.“

    Oliver Ressler ist österreichischer Video-Künstler mit Schwerpunkten auf gesellschaftlichen, kapitalistischen und ökologischen Themen. Seinen Filmbeitrag drehte er im Hambacher Forst, wo sich eine Protest-Community gegen die weitere Abholzung für Braunkohlenabbau ein Dorf teils mit in den Bäumen hängenden Häusern gebaut hatte. Für Ressler ist dies ein Beispiel für zivilen Ungehorsam, aber auch für eine in sich geschlossen funktionierende Gemeinschaft ohne Hierarchien. Darin sieht er absolute Parallelen zum Prinzip des Waldes, wo ebenfalls alle Organismen und auch Tiere miteinander in symbiotischem Gleichgewicht leben.

    Unter dem Titel: „Dog Days Bite Back“ gibt es weiterhin eine Einzelausstellung von Oliver Ressler im Belvedere 21 als weiteren Teil der Klima-Biennale mit Filmen und Fotos zur Klimakrise.

    Jeewi Lee aus Süd-Korea, lebt jetzt in Berlin, thematisiert die Zerstörung von großen Waldflächen im Harz durch Borkenkäfer. Sie leben unter der Rinde und zerstören sie dabei. Borkenkäfer kommen besonders bei Umweltbelastung und Erwärmung in Wäldern mit  Monokulturen vor, weil die Bäume dann weniger resistent sind. Die Kunstwerke sind auf koreanischem Seidenpapier abgepauste Käfergänge.

    Ein zweites Projekt der Künstlerin bezieht sich auf Waldbrände. Feuer zerstört alles, aber die Asche macht den Boden fruchtbar für neue Vegetation. Jeewi Lee sammelte 2022 die Asche nach einem Feuer in der Nähe der Stadt Lucca in Italien und produzierte aus ihr Seifenstücke, die jeweils einen Abdruck der Rinde des entsprechenden Baumes bekamen, fast wie kleine Grabsteine.

    Der Fotograf Richard Mosse, geb. in Irland, jetzt in New York lebend zeigt auf den ersten Blick wunderschöne riesige Luftbildaufnahmen, allerdings mit Farbverfälschungen, die aber Veränderungen des Urwaldes am brasilianischen Amazonas verdeutlichen, z.B. rechteckige Plantagen mit Palmen zur Palmöl-Produktion, die den ursprünglichen so wichtigen Urwald als Sauerstoffproduzent für die ganze Erde zerstört und ersetzt haben.

    Ein weiterer Beitrag zur Klima-Biennale wird im Wiener Museum für angewandte Kunst gezeigt. Hier sind Plakate von Klaus Staeck zu sehen. Unter dem Titel „Nichts ist erledigt“ werden ältere Werke aus den 70/80er Jahren gezeigt, deren Inhalt nach wie vor aktuell ist. Außerdem sind auch neuere Plakate aus den letzten Jahren zu sehen, die ebenfalls die Brisanz der Naturzerstörung durch die Menschheit thematisieren.

    Dies sind nur wenige Beispiele der Wiener Klima-Biennale. Es ist eine erstaunliche ästhetische Kombination aus wissenschaftlicher Recherche, warnendem Aktivismus, aber auch künstlerisch anspruchsvoller beeindruckender Vielfalt. Man fühlt sich nicht oberlehrerhaft bevormundet und doch komplex teils neu informiert. Also überhaupt nicht Lehrpfad für Schulklassen, sondern ein feines Kunsterlebnis für alle.

    Klima-Biennale Wien, 5.4. bis 14.7.2024, verschiedene Venues

  • Piet Mondrian in Wolfsburg – Beste Ausstellung 2023

    Gratulation zum Kuratorenpreis des ART-Magazins

    Das ART-Magazin hatte 12 Ausstellungen des Jahres 2023 im deutschsprachigen Raum für den Kuratorenpreis nominiert. Am 10.4.2024 wurde der Gewinner bekannt gegeben: Andreas Beitin, Kurator und Direktor des Kunstmuseums Wolfsburg mit Elena Engelbrechter als Co-Kuratorin für die Ausstellung

    „Re-Inventing Piet Mondrian und die Folgen“.

    Auch in diesem Blog wurde darüber begeistert berichtet:

    https://wordpress.com/post/inartberlin.com/511

    Deshalb Herzlichen Glückwunsch in die Geburtsstadt der Blog-Autorin zu dieser großartigen Anerkennung!

  • Mike Kelley

    Spielereien oder Tiefenpsychologie?

    Das Werk des US-amerikanischen Künstlers, der 1954 in Detroit geboren wurde und vorwiegend in Los Angeles arbeitete, verwirrt und verstört auf den ersten Blick. Es erscheint keinen Roten Faden, keinen Wiedererkennungseffekt zu haben und doch ist es letztlich vor allem eins: amerikanisch.

    Zum Beispiel erstaunte Mike Kelley Anfang der 90ger Jahre mit Kollagen aus Stofftieren. Er hatte sie auf Flohmärkten oder Müllbergen gesammelt. Sie sind alle selbstgemacht, gebraucht und irgendwie „zerliebt“. In einem Konglomerat auf eine Leinwand montiert erwecken sie eher den Eindruck einer Kindergarten-Gruppen-Gemeinschaftsarbeit. Der Titel lautet: „More love hours than can ever be repaid”.

    Darin ist ein recht tiefer Sinn des Künstlers zu erkennen. Die Stofftiere beinhalten aus seiner Sicht besonders viel Liebe, beginnend mit der liebevollen Herstellung, aber auch durch das Kuscheln und Spielen des Kindes. So viel Liebe könne niemals zurückgezahlt werden. Ein kompliziertes Konzept, das eher etwas über die Persönlichkeit des Künstlers aussagt. Meist wurde die Arbeit mit den Kuscheltieren als Auseinandersetzung mit seiner konservativen, eher spießigen Erziehung im Elternhaus interpretiert. Doch es soll auch Betrachter gegeben haben, die es mit sexuellem Missbrauch von Kindern in Zusammenhang brachten.

    Ein weiterer dominanter und herrlich bunter Ausstellungsteil widmet sich Kelleys fantasievoller Darstellung von KANDOR, die er zwischen 1999 und 2011gestaltete. Dies ist die „Festung der Einsamkeit“, die Heimatstadt von SUPERMAN auf seinem Planeten Krypton. Obwohl der Planet zerstört wurde, überlebte Kandor, da die Stadt zuvor zur Miniatur geschrumpft wurde. Echte Superman-Fans seien hier um Vergebung gebeten, wenn die gesamte komplexe Historie nur sehr grob zusammengefasst wurde. Der Künstler formt prächtige leuchtende unterschiedliche Modelle von Kandor, die unter gläsernen Kuppeln stehen, wodurch sie konserviert wurden.

    Ob Kelley nur Fan des Comic-Helden war oder vor allem auch seine eigene Fantasie von ihm anregen ließ, muss offenbleiben. Auf jeden Fall bleibt Superman eine Ikone amerikanischer POP-Kultur, die Mike Kelley gern als Basis für mehrere seiner Kunstwerke verwendet hat. War dies als Konsum-Kritik gedacht? Oder als Bewunderung? Die Kandor-Modelle jedenfalls sind ästhetisch wunderschön, wie sie bunt im abgedunkelten Raum strahlen in einer Umgebung, die einem fiktionalen Labor ähnelt.

    Mike Kelley starb 2012 durch Suizid.

    Dieser Bericht entstand aus dem Besuch der Mike Kelley Retrospektive in Paris in der Bourse de Commerce, dem eindrucksvoll umgebauten ehemaligen Gebäude der Börse durch die Pinault-Stiftung.

    Aktuell ist die Ausstellung jedoch nach Düsseldorf gewandert, wo es gilt, sich irritieren, aber auch begeistern zu lassen.

    Mike Kelley „Ghost and Spirit”, K21 Düsseldorf 23.März bis 8.September 2024

  • Joe Sam

    Kunst gegen Gewalt an Afroamerikanern

    Neben dem großen San Francisco MOMA versteckt sich auf 3 Etagen des luxuriösen St Regis Hotels das „Museum of the African Diaspora“. Hier soll speziell Kunst gezeigt werden, die in den afroamerikanischen Communities entstanden ist.

    Aktuell sind Werke von Joe Sam zu sehen. Er wurde 1938 in Harlem geboren und arbeitet als „mixed media painter“. So werden seine farbenprächtigen Assemblagen aus Schriftzügen, Fotoausschnitten und Fundstücken bezeichnet. Studiert hat er Soziologie, Psychologie und Education an verschiedenen US-amerikanischen Universitäten.

    Der Künstler thematisiert schwerwiegende Ereignisse, bei denen Afroamerikanern Unrecht und Gewalt angetan wurde, z.B. das Jonestown-Massaker. Hier kamen 1978 in einem vom Anführer Jim Jones erzwungenen Massenselbstmord 909 Menschen ums Leben.

    Oder auch Rodney King, der 1991 Opfer unverhältnismäßiger Polizeigewalt wurde.  Ein Jahr später wurden die betroffenen Polizisten juristisch freigesprochen, was erhebliche Unruhen in Los Angeles auslöste.

    Auch die Morde während einer Bibelstunde 2015 in der Emmanuel African Methodist Episcopal Church an 10 Afroamerikanern in Charleston gehören zu den grundlegenden Themen in Sam Joe`s Kunstwerken.  

    Auch erinnern einige Details an Jean Michel Basquiat, der ebenfalls in seinen Bildern die Diskreminierung von Afroamerikanern zeigen wollte.

    Beeindruckend fällt die fantastische Gestaltung der Assemblagen sofort ins Auge, die uns BetrachterInnen sofort fröhlich stimmt. Neben der anklagenden Erinnerung an die schlimmen Ereignisse entwickelt sich zusätzlich auch stets eine versöhnliche Atmosphäre.

  • West Coast USA – “The Broad”

    The Art of America -Teil 1

    Was hängt in den Museen in Kalifornien?

    Die Amerikaner lieben eindeutig amerikanische Kunst! Das ist auf keinen Fall verwunderlich. Und sie lieben große Formate. Überhaupt: Großartiges! Allen voran im Museum „The Broad“ in Los Angeles!

    Auf den ersten Blick hängen hier vor allem Hunderte Millionen Dollar in Form von Kunstwerken an den Wänden, z.B. allein 6 Werke von Jean Michel Basquiat, von dem ein anderes für 100 Millionen schon mal versteigert wurde.

    Weiterhin finden sich 4 Säle voll mit Schlüsselwerken von Roy Lichtenstein, einem der wichtigsten Vertreter der Pop-Art, ebenso wie Andy Warhol.

    Auch die poppigen Skulpturen von Jeff Koons sind Vertreter der typischen zu Hollywood passenden Kunst.

    Interessant und künstlerisch differenzierter, aber ebenso wertvoll, Werke von Julie Mehretu, die auch an der Documenta 13 (2012) teilnehmen durfte, sowie Jenny Holzer.

    Das Museum „The Broad“ besteht seit 2015 und wurde hauptsächlich von dem Milliardär Eli Broad und seiner Frau Edith privat finanziert für ihre Privatsammlung, die etwa 2000 Werke umfasst. Den riesigen Bau in prominenter Lage von L.A. ließen sie vom Architekturbüro Diller Scofidio u. Renfro erstellen.

    Da passt doch das Werk von Barbara Kruger typisch hinein: „I shop, therefore I am“.

    „The Broad“ ist nur ein Beispiel für die Museumskultur in den USA, die allein deshalb existiert, weil sehr reiche Familien sie als Sponsoren finanziert. Das bedingt jedoch, dass dort gehängt wird, was der Besitzer bestimmt. Wir sehen keine komplexe Thematik oder die Finesse kuratorischer Ideen. Vielmehr sollen wir lediglich die Besitzer bewundern. Deutlich zu spüren ist dieser Unterschied zu Europa, wo viele staatliche Museen den Kurator*innen den Freiraum für thematische Ausstellungen ermöglichen oder auch noch wenig bekannten Künstler*innen den Raum geben. Hier sehen wir wechselnde Ausstellungen mit komplett anderer Ausrichtung als der reinen Zurschaustellung von Vermögen.

    Auch in weiteren Museen in Kalifornien sind große Abteilungen mit Dauerausstellungen gefüllt und nach den Namen der Sammler und Geldgeber benannt. Dabei sei an den Kampf von Nan Goldin erinnert, die fordert, dass genau geschaut wird, woher deren Reichtum kommt und dass keine Huldigung von fragwürdigen Geschäften in Kunstmuseen geduldet werden darf.

    Bei unserem Besuch an einem Sonntag im Februar gab es großen Andrang von Besuchern, besonders auch Familien mit Kindern jeden Alters. Ebenso fehlten keineswegs – wie oft bei uns in Deutschland – die jungen Erwachsenen. Möglicherweise liegt das auch daran, dass keinerlei Eintritt verlangt wird.

    Trotz aller Kapitalismus-Kritik ist es schon ein großes Vergnügen, so viele wundervolle Kunstwerke mal anzuschauen, die wenigstens nicht in hochgesicherten Lagern verschwinden, sondern der Öffentlichkeit zugänglich gemacht werden.

    „The Broad“: 221 S Grand Ave, Los Angeles, CA 90012, USA

  • Berlin liest 100 Stunden über Totalitarismus

    Ein Projekt von Tania Bruguera

    Im Hamburger Bahnhof wird vom 7.2.2024 19.Uhr bis zum 11.2.2024 23 Uhr aus dem Buch von Hannah Arendt: „Elemente und Ursprünge totaler Herrschaft“ (1951/1952) gelesen. Es gab hierzu einen Open Call, durch den sich alle Menschen als Leser*Innen melden konnten. Bei stündlichem Wechsel wird auf Englisch oder Deutsch gelesen. Dabei ist es der Leserin freigestellt, nur vorzulesen, zu kommentieren oder noch besser die Zuhörer in eine lebendige Diskussion über das Thema zu bringen. Der Hamburger Bahnhof ist über alle 100 Stunden kostenlos weit geöffnet.

    Die Künstlerin und Aktivistin Tania Bruguera lebte ursprünglich in Kuba, brachte jedoch wegen ihrer kritischen Performances die dortige Regierung so gegen sich auf, dass sie großen Repressalien ausgesetzt war und sogar unter Hausarrest leben musste. Während dieser Zeit in Unfreiheit 2015 organisierte sie zum ersten Mal das Projekt der 100-Stunden Lesung. In ihrem Haus war ihr jedoch jegliche Kunstaktivität verboten worden. Doch vor ihren Fenstern lasen Freunde und Mitstreiter Tag und Nacht. Die Behörden wussten sich nicht anders zu helfen, als eine lautstarke Baustelle auf der Straße zu installieren.

    Bereits auf der Documenta fifteen  (2022) erreichte Tania Bruguera eine weltweite Öffentlichkeit, als sie auf die totalitäre Unterdrückung kritischer Kunst und Künstler in Kuba mit ihrem Kollektiv INSTAR (Instituto de Artivismo Hannah Arendt) hinwies. Sie selbst war bereits ins Exil genötigt worden. Man hatte ihr unmissverständlich klargemacht, dass ein befreundeter Künstler aus seiner langjährigen Gefängnisstrafe nur freigelassen würde, wenn sie das Land verlasse.

    Auf die heutige Frage, ob sich inzwischen in Kuba etwas verändert habe, ob insbesondere Verbesserungen durch ihre Arbeit erreicht wurden, antwortete Tania Bruguera: „Die Kunstszene in Kuba ist inzwischen völlig ausgeblutet.“ Bis auf sehr wenige seien ihre Kolleg*Innen alle ins Exil gegangen, weil sie ständigen Anfeindungen und Sanktionen ausgesetzt gewesen seien. Jegliche Rückkehr ins Land werde ihnen allen verwehrt.

    Die Rechte an der Performance hat inzwischen die Irene und Peter Ludwig-Stiftung erworben. Hier in Berlin ist es eine Art Neuinszenierung, denn wir leben in einem demokratischen Land mit aktuell wenig Sanktions-Sorgen. Weltweit wird jedoch inzwischen wieder eine Form von Zensur für Künstler sehr negativ bewertet am Beispiel der geplanten, aber zurückgenommenen Bekenntnisauflage gegen Antisemitismus etc. Außerdem hat Deutschland eine schwere qualvolle Geschichte mit totalitären Regimen.

    Die Lesenden seien laut Direktor Till Fellrath nicht ausgesucht worden, sondern bis auf wenige Experten bunt gemischt aus dem Open Call zufällig hervorgegangen.

    Es ist für alle Menschen, die gerade in Berlin leben, arbeiten oder zu Besuch sind eine Aufforderung, zum Hamburger Bahnhof zu gehen, zu hören und auch intensiv mitzudiskutieren, gerade angesichts der aktuellen Rechtsorientierung von viel zu vielen Menschen im Land.

    „Where your Ideas become Civic actions“, 100 Hours reading: The Origins of Totalitarianism.

    Berlin, Hamburger Bahnhof (Museum für zeitgenössische Kunst)

    Donnerstag, 7. Februar 19Uhr bis Sonntag 11.2.2024

     

  • Jeff Wall

    „Ich versuche immer, einfach schöne Fotos zu machen.“

    Jeff Wall hat massgeblich zur Etablierung der Fotografie als eigenständige Kunstform beigetragen. Er hat schon in den 1970ger Jahren einprägsame Kompositionen für seine Bilder erstellt, indem er Räume mit Menschen ganz speziell inszeniert. Sein Markenzeichen ist, dass er diese Bilder als Großbild-Dias in riesigen Leuchtkästen zeigt, wie man sie zuvor nur aus der Werbung kannte. So strahlen sie von hinten beleuchtet aus dem Inneren heraus und hinterlassen unabhängig von den äußeren Lichtverhältnissen eine Strahlkraft, die sich bei den Betrachtern tief in die Erinnerung einprägt. Auch die fast Lebensgröße der Bilder mit der Möglichkeit des immersiven Eintauchens verstärkt diesen Effekt. Der Künstler nennt sie „Tableaus“, denn sie sind mehr als ein Foto, eher ein Gemälde in Form eines anderen technischen Mediums.

    Seit Erfindung der Fotografie dient sie der authentischen Dokumentation. Dabei ist inzwischen der Wahrheitsgehalt von Fotos spätestens seit der Digitalisierung und KI fraglich geworden. Das spielt bei Jeff Wall jedoch keine Rolle. Es ist eine „cinematografische Fotografie“. Renaissance-Künstler wie Tintoretto erzählten auch schon in einem einzigen Gemälde ganze Geschichten. In dieser Tradition sind auch die Bilder von Jeff Wall Ausdruck einer imaginierten Filmhandlung. Als Betrachter fragt man sich, was vorher stattgefunden hat und was danach passieren könnte.

    In der Fondation Beyeler in Basel werden aktuell 55 Meisterwerke des Künstlers präsentiert, die aus unterschiedlichen Schaffensperioden stammen und auch verschiedene Techniken zeigen.

    Ein beispielhaftes Werk ist „Milk“, das bei der Documenta 10 (1997) in einer Fußgängerunterführung dort nicht nur die zahlenden Ausstellungsbesucher anstrahlte. Jeff Wall berichtet jetzt in Basel, dass er zufällig im Vorrübergehen einen Mann an einer Mauer sitzend total angespannt und verlassen gesehen hatte. Dies beeindruckte und inspirierte ihn, doch er suchte einen anderen farblich und graphisch kontrastierenden Hintergrund, aber ganz in der Nähe. Der Mann auf dem Bild war nicht der ursprüngliche aber auch kein Schauspieler. Es musste ein Zeitpunkt mit intensiver Sonneneinstrahlung gefunden werden, um die ultrakurzen Verschlusszeiten einzuhalten für die Darstellung der Milchfontäne. Wenn man den linken Arm des Mannes betrachtet, ist die muskuläre wutbedingte Anpannung inklusive der Faust zu erkennen, so dass nachvollziehbar wird, welche Kraft auch in der rechten Hand möglich wurde, um die Milchtüte zur Explosion zu bringen.

    Zufällige Alltagserlebnisse seien Grundlage der Ideen für Inszenierungen eines neuen Bildes, erklärt Jeff Wall. „Ich habe den Zufall stets zu meinem Komplizen gemacht.“ Es entstehe dann eine Fotografie einer Situation, die auch wenn sie später inszeniert wurde, so real hätte stattfinden können.

    Andere Inspirationsquellen sind laut Jeff Wall literarische Narrative. So entstand ein ebenfalls berühmtes Werk: „Invisible Man“ nach einer in den USA weitbekannten Novelle von Ralph Ellison (erschienen 1952). (Documenta 11, 2002). Hierin beschreibt der Autor einen afroamerikanischen erfolglosen Schriftsteller, der sich in einem Keller in Harlem einen Raum eingerichtet hat, den er mit 1036 Glühbirnen beleuchtete. Diese literarische Vorgabe war die Idee für die Installation des Tableaus.

    Jeff Wall (Jg 1946) ist ausgebildeter Kunsthistoriker und Professor an der British Columbia University in seiner Heimatstadt Vancouver (Canada). So sind oft Anspielungen auf klassische Gemälde in seinen Inszenierungen zu entdecken. Ein Beispiel ist eine Szene links unten in „Storyteller“. Sie erinnert deutlich an das „Frühstück im Grünen“ von Edouard Manet, wobei der Ort unter der Autobahn bei Jeff Wall im Gegensatz zu Manet bewusst überhaupt nicht idyllisch gewählt wurde. Zeigen wollte er, dass die anwesenden indigenen Menschen an den Rand der Stadt und der Gesellschaft ausweichen mussten.

    Der Katalog dieser Ausstellung in Basel ist besonders interessant, weil Jeff Wall selbst die Interpretationen zu seinen Bildern geschrieben hat und auch in einem Interview mit dem Kurator Martin Schwander über seine Arbeit autentisch berichtet.

    Heute hat die künstlerische Fotographie ihren anerkannten Platz gewonnen, zu deren Siegeszug die Tableaus von Jeff Wall jedoch einen wesentlichen Grundstein gelegt haben. Seine Werke entwickeln bis heute noch eine ansteckende Strahlkraft und laden eindrucksvoll zum Erkunden aller Details und der dazugehörenden Storys ein.

    Fondation Beyeler, Basel/Riehen 28.1. bis 21.4.2024