• Ein Plädoyer für die Relevanz von Kunst für eine lebendige Demokratie

    Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier gibt der Kunst „FREIRAUM“ im Schloss Bellevue

    Riesig prangt das Motto auf dem Dach der Fassade des ranghöchsten Gebäudes unseres Landes: FREIRAUM KUNST. Wie eine Graffito erinnert es an ein Hausbesetzung. Und das ist es auch. Für 2 Wochen besetzt die Kunst das Schloss Bellevue, den Amtssitz des Bundespräsidenten.

    Frank Walter Steinmeier hat Bellevue mit Freude der Kunst überlassen. Er betont in seiner Eröffnungsrede seine ausgewiesene Wertschätzung:

    „Für mich ist die Ausstellung schon wichtig, weil die Bedeutung von Kunst und Kultur für die Gesellschaft inmitten der Debatten, die wir führen, etwas in den Hintergrund geraten scheint.

    Kunst und Kultur einzuladen, ihre Gedanken, Reaktionen und Kommentierungen zu gesellschaftlichen Fragen gerade auch in wichtigen Veränderungesprozessen  beizutragen, das könnte eigentlich zur Selbstverständlichkeit werden, denn demokratische Gesellschaften leben nun mal von unterschiedlichen Stimmen. Kunst macht unterschiedliche Erfahrungen, Prägungen und Lebenswelten sichtbar. Kunst ist in diesem Sinn eben kein Luxus, sondern essentieller  Teil der demokratischen Debatte.

    Warum? Weil sie wesentliche Erinnerungen bewahrt.  Weil sie den Status Quo hinterfragt. Weil sie den Finger in offene Wunden legt und weil sie in ihrer ganz eigenen Nähe zur Realität manchmal überraschende Perspektiven nach vorne holt.

    Kunst spürt in Umbruchsituationen schneller als andere, was in der Luft liegt.

    Mit anderen Worten: Wir als Gesellschaft, wir brauchen Kunst! Eine Demokratie ohne freie Kunst verliert die Fähigkeit zur Selbstkritik und eine Kunst ohne Freiheit verliert gesellschaftliche Relevanz.

    Kunst braucht vielleicht auch Gelegenheiten wie diese : die Einladung in den öffentlichen Raum mit der Bitte sich zu den Zäsuren und Veränderungen im Alltag zu Wort zu melden.“

    Weiter zur gezeigten Kunst!

    Das Dach-Banner wurde von Christian Awe gestaltet, einem der Mitinitiatoren der Ausstellung.

    „Blau als die Farbe der Freiheit, der Sehnsucht, des Träumens und im Hintergrund sind die Wasserelemente: Ich male Wasser als Element des Lebens, als Quelle des Lebens, als kraftvolles Element, das aber auch schnell durch die Hände verrinnt, wie aktuell auch die Demokratie, wofür die Grundlage Toleranz und Dialog sind, was wir hier mit der Ausstellung erreichen wollen. „

    Dass diese Ausstellung in kürzester Vorbereitungszeit organisiert werden konnte, ist der Akademie der Künste zu verdanken mit dessen Vizepräsidenten Anh-Linh Ngo als Kurator. Er hatte 2023 auch vielbeachtet den Deutschen Pavillon auf der Architektur-Biennale in Venedig 2023 kuratiert.

    Gleich im Foyer stellt El Bocho – der zweite Initiator der Ausstellung -zwei große Gemälde einander gegenüber: auf der einen Seite die fiktive „Bundepräsidentin“. Ihr gegenüber steht ein männlich dominiertes Netzwerk – ohne Köpfe – wie es die Poltik von heute prägt. Im ursprünglichen Zustand hingen an den Wänden die Portraits bisheriger Bundespräsidenten beginnend bei Friedrich Ebert und Theodor Heuss. Warten wir aber jetzt nicht alle gespannt auf unsere erste Präsidentin?

    Vom Christopher Lehmpfuhl , dem dritten Initiator sind zwei Bilder im Treppenhaus zu finden. Mit seinem speziellen dick-pastösen Farbauftrag dokumentiert er nochmal leere Hallen und das Amtszimmer des Präsidenten vor der Sanierung.

    Der Langhans-Saal im Schloss ist der Ort, wo der Präsident seine Staats-Reden hält. Er durfte nicht künstlerisch verändert werden, da bis zum Einzug in das Interimsgebäude am Spreebogen möglicherweise noch wichtige Ereignisse eine öffentliche Rede notwendig machen.

    Doch die Künstlerin Karin Sander stellte stellvertretend Frank-Walter Steinmeier hier als 1:5 3D-Miniatur auf einen Sockel. Es steckt der Denkanstoß darin, das Spannungsfeld zwischen Person und Amt stets zu bedenken. Dabei begeistert die lebensechte Figur die Besucher*Innen offensichtlich, löst aber auch unterschiedliche Emotionen aus.

    Auch die bekannte Berliner Künstlerin Katharina Grosse steuert eine Assemblage von Farbtafeln bei. Sehen wir darin ein buntes Flammenmeer? Oder eine Farbexplosion als Gute Wünsche für eine prächtige Neugestaltung des altehrwürdigen Schlosses?

    Wie gute Kunstwerke im Lauf ihres Lebens auch an Bedeutung Veränderungen erleben können, zeigt beispielhaft das Foto von Boris Mikhailov. „Mutter und Kind“ entstand 1990 in der Ukraine auf der Krim. Damals war es ein Ausdruch von Freiheit und Lebensfreude. 2014 anektierte Russland die Halbinsel Krim und greift seit 2022 die ganze Ukraine militärisch an. Das läßt beim heutigen Anblick des Bildes eher Wehmut und Trauer aufkommen.

    Gregor Schneider ist bekannt für seine hintergründige Verdoppelung und Bedeutungsänderung schlichter Räume. Er entdeckte, dass in der Nachbarschaft seines Elternhauses in Rheydt das Geburtshaus des NS-Propagandaminister Joseph Goebbels steht. Der Künstler kaufte es, dokumentierte die Räume per Video und entkernte es langsam fein säuberlich. Auch dieser Prozess wurde per Video festgehalten. Die Filmsequenzen entwickeln im Schloss Bellevue, dem Symbol für unsere freiheitliche Demokratie angesichts der grausamen Geschichte, für die Goebbels wesentlich mitverantwortlich war, einen tiefen Gruselfaktor.

    Diese und weitere ausgewählte Kunstwerke befinden sich zweifelsohne in einem politischen Umfeld. Doch auch ohne plakative politische Gestaltung können sie zeigen, dass sie politisch sind. Kunst ist in der Lage, bei ihrer Betrachtung in den Menschen neue kreative Gedanken anzustoßen und die brauchen wir für eine lebendige Demokratie. „Freiraum Kunst“ ist ein wichtiges Bekenntnis zur Relevanz von Kunst für unsere Gesellschaft und absolut sehenswert.

    „FREIRAUM KUNST- Akademie der Künste goes Bellevue“, 13. – 28. Juni 2026 Schloss Bellevue, Berlin; Zeitfenster-Tickets online zu buchen

  • Jon Rafmans geniales digitales Internet-Gruselkabinett

    „Main-Stream-Media“ in Düsseldorf

    Es sind nur wenige Stufen ins Untergeschoss und schon versinkt man mittendrin: umschlungen vom Boden bis zur Decke in den Tiefen des Internets! Der canadische Künstler Jon Rafman (46) hat die Räume des K21 in Düsseldorf mit Tapeten, Teppichen und Vorhängen ausgelegt, verhängt und verkleidet und überall sind darauf wilde Collagen  aus seinen im Netz gesammelten oder selbst generieren Bilder gedruckt. Man läuft auf Abbildungen von Sperrmüll oder Fantasy-Landschaften, sitzt auf Hockern mit fiktiven Gestalten oder in kleinen Boxen, wo das Mainstream -Media-Network des Künstlers läuft.

    Nirgends entkommt man der Bilderflut des Internets, bzw des von Rafman umgestalteten Inhaltes der weltweiten Medienwelt. Er zeigt entstellte Fantasie-Tiere ebenso wie ultraschnelle Fahrten durch schwerste Katastrophen: durch Feuersbrünste aus Süd-Californien oder Kaufhäuser, in die Wasserwellen einstürzen. Die Perspektive ist immer so gewählt, dass man selbst mitten drin steht. Handys recken sich hoch, doch niemand flieht.

    Jon Rafman nutzt Fotos und Bildsequenzen, die er im Internet findet, für seine Kunst. Beispielweise sammelt er seit 2008 Bilder, die die Google-Street-view-Kameras weltweit aufgenommen haben. Da entstehen völlig zufällig komische oder auch tragische Zufallsaufnahmen. Diese Serie heißt „Nine Eyes“, weil die Kamera auf den Autos 9 Objektive hat, und wurde zuletzt im Louisiana Museum in Kopenhagen gezeigt.

    Hier in Düsseldorf sind zusätzlich Videos zu sehen, die Geschichten einzelner Fotos weitererzählen: Ein schrecklicher Autounfall, ein Mann hockt verzweifelt am Fahrbahnrand:

    Der Sprecher (Jon) berichtet er habe 10 Jahre später eine E-Mail bekommen, in der sich der Mann vom Straßenrand massiv beschwert, dass er, Jon Rafmann seinen Unfall einfach öffentlich gemacht hat ohne ihn zu fragen. Man erfährt, dass er bei diesem Unfall seine geliebte Freundin verloren hat. Er sei betrunken gefahren und deshalb zu 10 Jahren Gefängnis verurteilt worden. Es folgt eine Todesdrohung gegen den Künstler. Dies alles ist so echt dargestellt, dass man sich fragt, ob diese Geschichte real ist. In der Ausstellungsbeschreibung erfährt man, dass Jon Rafman mit Leuten zusammenarbeitet, die sich Internet-Stories ausdenken. Mittels einer Software, die „Text to Picture“ verarbeitet, entstanden so aus erfundenen Geschichten auch gleich ganze Videos. Jon Rafman bestätigt, dass er mit der Spannung zwischen Realität und Fiktion spielt.

    „Dream Journal 2016-2019“ ist ein Animationsfilm in Spielfilmlänge, der schon auf der Biennale in Venedig 2019 faszinierte. Es zeigt eine Mischung aus Träumen und Alpträumen. Eine junge Frau läuft in immer neue surreale Räumen und Landschaften, trifft auf sich wandelnde Gestalten, mal gut, mal verschlingend. Es ist zeitweise idyllisch schön, dann wieder kommt ein gefräßiges Loch und schluckt alles. Es wird sich erbrochen und es fließen Ströme von Bluttropfen. Rafman vermittelt Emotionen wie Angst und Ekel. Doch wie von Geisterhand landet die junge Frau erneut in einer anheimelnden Atmosphäre. Ich hatte mich sehr gefreut, jetzt in Düsseldorf endlich lange Strecken des Films anzuschauen, denn die Grafik ist herrlich kreativ und bildgewaltig. Doch mit zunehmender Dauer hat es Jon Rafman geschafft, dass ich nur noch fliehen wollte. So immersiv eindringlich wirken die Massen an Bildern, die Überflutung gruseliger Szenen, selbst, wenn sie eindeutig technisch, teils mit KI künstlich generiert sind.

    Jon Rafman geht von der These aus, dass es keinen Mainstream mehr gibt, weder in der Musik, denn es gibt kein MTV mehr, noch im kollektiven Informationsbereich. Früher, als wir alle Fernsehen schauten, wusste am Montag der Großteil des Landes, was Samstag bei Wetten Dass? gezeigt oder in der Tagesschau berichtet wurde. Inzwischen bedienen sich die Menschen selbst personalisierter Informationsquellen im Internet. Den Künstler interessiert die Wirkung dieser Entwicklung auf eine Gesellschaft. Finden sich noch gemeinsame Themen, über die man spricht oder zerbricht der Individualismus jedes Wir-Gefühl und einen zwischenmenschlichen Zusammenhalt?

    Digitale Techniken gewinnen in der Kunst zunehmend an Bedeutung. Es werden die gleichen Technologien wie in der Gamer-Szene genutzt, jedoch für künstlerische Darstellungen. So entstehen durchaus Kunstwerke als Ausdruck spezifischer Botschaften und Visionen.  Digitale Werke wie die von Jon Rafman werden ihren Platz in der Kunstszene zunehmend erobern, ähnlich wie es auch die künstlerische Fotografie vorgemacht hat.

    So vereinnahmend und überbordend die Ausstellung in Düsseldorf auch ist , so fantastisch ist es zugleich, sich dieser verrückten Welt außerhalb der Wirklichkeit auszusetzen und sie genussvoll zu erleben. Es ist ein absolut empfehlenswertes Hightlight der Ausstellungen des Sommers. Sehr angenehm wirkt die aufwändige deutsche Untertitelung vieler Filme, die es sehr erleichtert, die Pointen zu verstehen.

    Jon Rafman: „Main-Stream-Media” im K21 der Kunstsammlung NRW in Düsseldorf , 30.5.2026 – 27.9.2026

  • Venedig 2026: Die Super-Reichen und ihre Palazzi

    Peggy Guggenheim war die erste. Sie zeigte 1948 ihre weltberühmte Avantgarde-Kunstsammlung auf der Biennale und erwarb danach den unvollendeten Palazzo Venier dei Leoni, wo bis heute Ihre Werke präsentiert werden.

    Die wohlhabene Amerikanerin wurde inzwischen Vorreiterin eines Trends. Extrem reiche Menschen erwerben prachtvolle Gebäude in Venedig und stellen dort sich und ihren Reichtum in Form wunderbarer zeitgenössischer Kunst zur Schau. Nun gibt es bestimmt schlechtere Investitionen als die aktuelle Kunstszene zu fördern, doch es muss stets bedacht werden, dass wir dort Werke präsentiert bekommen, die dem Geldgeber gefallen. Um die künstlerische Bewertung kümmern sich glücklicherweise weltweit viele -hoffentlich neutrale- Kritiker.

    Francois Pinauld folgte 2005 und erwarb den Palazzo Grassi und 2009 die Punta della Dogana. In beiden fantastisch sanierten Gebäuden zeigt der milliardenschwere französische Kunstmäzen wechselnde Glanzstücke zeitgenössischer Kunst.

    Das Ca‘ Corner della Regina ist seit 2011 im Besitz der Konzern-Stiftung des Mode-Familienunternehmens PRADA.

    Nicolas Berggruen erlangte sein Vermögen als Finanzinvestor, u.a. durch geschickte Geschäfte mit Übernahme und Weiterverkauf von Karstadt. Als Kunstliebhaber kaufte der den Palazzo Diedo 2022, wo er erstmals 2024 in den Monaten der Biennale zeitgenössische Kunst seines Geschmacks präsentierte.

    Seit Mai 2025 reiht sich der belgische Modedesigner Dries van Noten in diese illustre Gesellschaft ein, indem er den Palazzo Pisani Moretta erwarb.

    Dagegen haben sich die LAS-Stiftung Berlin gemeinsam mit AMOS REX aus Helsinki mit ihrer ultramodernen Installations-Präsentation von Natasha Tontey im Ateno Veneto nur eingemietet. Doch auch der Ursprung dieser beiden Stiftungen basiert auf dem Privatvermögen reicher Mäzene.

    Die Installation besteht zentral aus einem KI-generierten Video „The Phantom Combatants“ und erzählt die Geschichte einer indonesischen Widerstandkämpferin aus den 50ger Jahren. Sie gehörte wie auch die Künstlerin der Minderheit der Minahasan an. Deren Kultur und Souveränität  sollen gezeigt und beschützt werden. Die raumfüllende Arbeit entspricht dem Konzept von LAS und Amos Rex, die Kunstwerke fördern, die aktuelle innovative Technologien nutzen. Das Werk erinnert somit durchaus an die Symbolik und Machart der Gamer-Szene. (Nur bis 25.Oktober 2026)

    Da die Ausstellungen der Superreichen trotz der kritischen Einstellung ihnen gegenüber dem kunstaffinen Biennale-Publikum in Venedig viel Erlebnis und vorwiegend Freude vermitteln, bekommen sie hier ihre angemessene Aufmerksamkeit.

    Im Palazzo Grassi werden zwei Künstler präsentiert. Den größten Raum nehmen auf 3 Etagen die Gemälde von Michael Armitage ein. „The Promise of Change“ ist der Titel der Retrospektive des 1984 in Nairobi geborenen britisch-kenianischen Malers. Bei ihm sind die beiden Welten seiner Herkunft zu erkennen. Seine Mutter stammt aus Kenia, er selbst zog früh in die Heimat des Vaters nach London, wo er studierte. Die Politik, Probleme und Kultur Ostafrikas werden in den Bildern in seinem ganz besonderen Stil qualitativ hochwertig thematisiert. Schade ist, dass wir Besucher*Innen von der Fülle der Werke (wie bereits 2024 mit Julie Mehretu) überflutet und leicht überfordert werden. Es bietet sich an, sich nur 5 bis 6 Werken intensiv zu widmen.

    Der zweite Künstler im Palazzo Grassi ist Amar Kanwar (1964). Der indische Dokumentar- und Kunst-Filmer hat bereits bei vielen Großausstellungen fantastische Videos gezeigt. Kanwars jüngstes Werk,“The Peacock’s Graveyard“ (2023), ist eine Siebenkanal-Filminstallation, in der fünf märchenhafte Geschichten in kurzen Bildschirmtexten erzählt werden, unterbrochen von bewegten und unbewegten tollen Bildern. Es gibt Stille und Umgebungsgeräusche – von Regen, einem entfernt vorbeifliegenden Jet –, die zusammen mit den Bildern aufgenommen wurden, in Kombination mit Raga-Hip-Hop aus Indien. Bild und Sound bilden ein einnehmendes immersives Erlebnis, das sich einprägt. Achtung: bitte den unscheinbaren Eingang in den dunklen Video-Raum besonders suchen! (bis 22.11.2026)

    In der Punta della Dogana begeistert die untere Ebene der US-Amerikanischen Künstlerin Lorna Simpson (1960) mit ihrer Ausstellung: „Third Person“. Schon der erste große Raum wird von einer Reihe obsidianfarbener Klangschalen eingenommen, die auf Porphyrstapeln stehen und die die Besucher mit einem Schlägel zum Klingen bringen können. An den Wänden reihen sich gespenstische arktische Landschaften in prächtigen Blau- und Eisgrautönen, die zwischen Abstraktion und Realismus schwanken und aus Simpsons Serie „Ice“ (2018–21) stammen. (bis 22.11.2026)

    Die Fondazzione Prada zeigt in diesem Jahr Werke von zwei US-Amerikanischen Künstlern. „Helter Skelter“ von Richard Prince und Arthur Jafa bedient sich medialer Bilder und Filme amerikanischer Herkunft, mit denen sie „Männlichkeit“ thematisieren. Vom Malboro-Man bis zu einem Film, in dem sich schwarze und weiße Männer brutal und blutig mätzeln, entsteht vor allem ein Bild toxischer Männlichkeit. Es bleibt zu hoffen, dass die Intention der Künstler als Kritik an diesem Männerbild gemeint ist, was jedoch nicht ganz sicher erkennbar bleibt. Im Vergleich zum langweiligen amerikanischen Pavillon in den Giardini ist hier jedoch deutlich mehr Amerika mit Vielseitigkeit und Mehrdeutigkeit zu finden, was erkundet werden sollte. (bis 23.11.2026)

    Der Palazzo Diedo von Berggruen Arts & Cultures zeigt seine Sammlung unter dem Titel „Strange Rules“. Die Restaurationsarbeiten sind in den letzten 2 Jahren deutlich fortgeschritten, so dass mehr und andere Kunstwerke präsentiert werden können. Ibrahim Mahama, Lee Ufan, Urs Fischer und Carsten Höller haben z.B. Räume dauerhaft gestaltet. Als Neuerwerbung ist ein mobiles Werk von Phillippe Parreno „The Diambulist Humself“ eine besondere Attraktion. Wunderschön ist auch der Innenhof des Gebäudes mit dem Video von Ayoung Kim für jede Art des Zusammentreffens. (Bis 22.11.2026)

    Die Sensation der Externen Ausstellungen ist in diesem Jahr jedoch der erstmalige Auftritt des belgischen Modedesigners Dries van Noten mit seiner Fondazzione. Schon der Titel könnte das alternative Hauptmotto für die ganze Welt-Kunst-Show sein, die die Biennale in Venedig traditionell nun mal ist: „THE ONLY TRUE PROTEST IS BEAUTY“. Keine Pussi Riot Aktion oder Pro-Palästina-Demonstrationen, sondern „Schönheit“ als Widerstand und Protest: Wie passend, wo gerade die Weltlage so schwierig erscheint, aber auch provokativ. Von der Kunst wird stets eine wichtige Funktion in der Gesellschaft verlangt: sie soll die Probleme der Welt visualisieren, Kritik üben, Diskussionen anstoßen und am liebsten noch alles zum Positiven wenden. „Schönheit“ steht schon lange nicht mehr auf dem Plan. Deshalb ist diese Ausstellung für sich durchaus schon Protest.

    Zu sehen ist eine Fülle von künstlerischen Gewändern aus der Design-Schmiede von „Comme des Garçons“, des Ursprungs-Lables des Namensgebers, sowie Schmuck von Christian Lacroix. Kontrastiert wird das Bild von z.B. schmutzigen Blech-Skulpturen von Peter Buggenhout oder riesigen Fotos exzentrischer Menschen des Fotografen Steven Shearer. Dazwischen klassisches beeindruckendes Kunsthandwerk wie das mechanische Schachspiel. Ja, das Haus ist überladen mit Kunsthandwerk und optisch kaum zu erfassen, doch mit den beschriebenen Kontrasten ein absolut sehenswertes Erlebnis. (Nur bis 4. Oktober 2026)

    Die Spaziergänge durch Venedig sind immer ein besonderes Highlight des Biennale-Besuchs, gespickt mit externen Länderpavillons, aber auch den zunehmenden Collateral-Ausstellungen. Und es gibt noch viel mehr als die hier beschriebenen Palazzi. Also einfach hineingehen und über die Kombination prachvoller alter Gemäuer und Contemporary Art einfach staunen.

    Arte Biennale di Venezia: 9.Mai bis 22.November 2026

  • Biennale Venedig 2026 Bemerkenswerte Pavillons / Bemerkungen über Pavillons

    Eine Tradition der Biennale in Venedig sind die Pavillons, die von über 100 Ländern der Welt eigenverantwortlich mit Kunst bestückt und einem Wettbewerb ausgesetzt werden. Dies gilt als „Kunst-Olympiade“ und wird immer wieder heiß kritisiert. Ist solch ein Prinzip heute nicht zu nationalistisch? Passen freie Kunst und Zuordnung zu einem Staat und seiner Politik überhaupt zusammen? Es gibt ja im Vergleich zum Sport keine messbaren Bewertungskriterien!

    In diesem Jahr prallten diese unterschiedlichen Positionen – wie bereits berichtet – im Vorfeld und zur Eröffnung mit multiplen politisch motivierten Protestaktionen erneut aufeinander. Doch es gibt auf der Weltkunstausstellung auch Pavillons, deren Kunst hervorragend heraussticht.

    LETTLAND/LATVIA:

    Ein Paradebeispiel, wie die Geschichte und Gegenwart eines Landes künstlerisch präsentiert werden kann, ist der Pavillon von Lettland/Latvia (Arsenale). Industrielle Kleiderständer sind in großer Menge eng zusammengestellt, künstlerisch verbogen, verknotet oder stolz in die Höhe ragend, versetzt mit symbolischen Accessoires: leere Kleiderbügel, Stoffe mit gedruckten Fotos der revolutionären Bewegung der 90ger Jahre, kleine Metallvögel. Vögel sind die Zeichen der Freiheit, doch Freiheit bekommt man nicht geschenkt, sondern muss immer wieder dafür kämpfen.   Der Künstler und Dozent für Textildesign der Uni Riga Bruno Birmanis hatte Ende der 80ger Jahre die „Untamed Fashion Assemblies“ (ungezähmte Modeschauen) gegründet. Die Gruppe veranstaltete wilde Shows mit verrückten provokativen Textil-Kunstwerken. Junge Menschen liefen bei lauter Musik tanzend auf den Straßen über Barrikaden oder Riesen-Traktoren. Hier entwickelte sich aus und mit Kunst eine relevante Protestkultur, die wesentlich zur Befreiung des Landes vom Sowjetregime beitrug. Die Filmsequenzen des Archivs Birmanis werden hinter einem Vorhang herrlich in ebenso wilden Schnitten gezeigt, wie die Aktionen damals abliefen. Die Kleiderständer-Installation gestalteten jedoch die aktuell jungen Designer*Innen  der Uni mit dem Titel „Backstage of Utopia“. Auch heute ist die neue Generation im Backstagebereich, also hinter den Kulissen wild und aktiv, um ihr Land angesichts der aktuellen Bedrohung durch russische militärische Angriffe zur Wiedererweiterung des alten Staatsgebietes zu schützen und bereit, um die Freiheit zu kämpfen.

    Der Pavillon strahlt nicht nur ästhetische Finesse aus, sondern auch inhaltliche Stärke und Willen zum Widerstand. Er ist eine veritable Barrikade, die das einfache Durchgehen zum nächsten Raum verhindert. Diese Verbindung eines Kunstwerkes mit kraftvoller empathischer Verbundenheit mit dem eigenen Land und den Menschen ist wirklich „bemerkenswert“!  

    GERMANY:

    Bemerkungen über den deutschen Pavillon sind hier auf keinen Fall allein Lokalpatriotismus, sondern künstlerisch absolut unverzichtbar. Es findet sich dort endlich keine Auseinandersetzung mit der zwar schrecklichen, aber uralten Nazizeit, sondern die Thematisierung unserer neueren Geschichte, nämlich der Zeit des geteilten Landes und besonders der Situation der Menschen in der EX-DDR.

    Die leider vor kurzem verstorbene Henrike Naumann führt deutlich vor Augen, wie trist und obrigkeitsgesteuert mit Einheitsmöbeln und staatlich zensierter Kunst die Bürger leben mussten. Auch hier geht es um Befreiung; die Erinnerung, welches Glück es darstellt, dass diese Wende erkämpft worden ist.

    Die zweite Künstlerin Sung Tieu, die mit ihren Eltern als Gastarbeiter in die ehemalige DDR kam, zeigt, wie ausgegrenzt vor der Wende und danach völlig allein gelassen diese Menschen lebten. Sie symbolisiert das durch die subtil dramatische Umwandlung der Fassade des Pavillons. Mit kleinteiligen Mosaiksteinchen wurde das Gebäude zu einem tristen typischen DDR-Plattenbau.

    Vorbild war der Wohnblock, in dem Sung Tieu mit viel zu vielen Menschen als Kind mit ihrer Mutter überleben musste, weil die Arbeit in den Industriebetrieben wegen sofortiger „Abwicklung“ weggefallen war. Der Pavillon präsentiert empfindsam die Stimmung der Wendezeit. Gleichzeitig signalisieren die Werke, dass der Kampf um Respekt und Menschenwürde immer weiter geht, auch wenn uns die Geschichte eine große Chance auf Neubeginn und positive Lebensqualität gegeben hat.

    TÜRKEI:

    Die türkische Künstlerin Nilbar Güres hat ihren Raum mit fantastischen Textil-Skulpturen mit deutlich feministischer Ausstahlung gestaltet.

    UKRAINE:

    Tiefgründig ist auch für die Ukraine die Dokumentation der Reise der Skulptur eines Hirsches, 2019 von Zhanna Kadyrova gestaltet. Sie wurde tausende Kilometer durch Länder und zu politischen Gross-Veranstaltungen, jetzt nach Venedig transportiert. Die Figur sieht zart aus wie eine Origami-Figur aus Papier, ist jedoch faktisch aus hartem widerstandfähigem Beton. Das Symbol ist eindeutig!

    TAIWAN:

    …. zeigt seinen Beitrag im ehemaligen venezianischen Gefängnis, das durch die Seufzer-Brücke mit dem Dogenpalast verbunden ist. Deshalb Vorsicht: hier wird es eng und chaotisch durch Unmengen von Touristen. Doch innen ist das Werk einer digitalen KI-generierten Kunstrichtung zu entdecken. In einem skurril-gruseligen Animationfilm erklärt ein geschlechtsloser KI-Gnom, wie der Film entstanden ist.

    Zum Opening gab es als Ergänzung eine -komplett reale- Performance. Eine junge Performerin zeigte mit einer Puppe ein Zusammenspiel zwischen Kampf und liebevoller Umwerbung. Der Künstler Li Yi-Fan wirkte wie ein junger IT-Freak, lächelte fröhlich, überlies aber das Sprechen und Erklären dem Moderator. Natürlich gehört auch diese Kunstrichtung zu einer Biennale, doch die Faszination empfinden möglicherweise eher Technik-Fans.

    ÖSTERREICH: Über die extreme Präsentation im österreichischen Pavillon von Florentina Holzinger wurde bereits im vorherigen Beitrag berichtet.

    SÜDAFRIKA: Ebenso soll hier der Vollständigkeit halber noch einmal „Elegy“, der vom südafrikanischen Staat zurückgezogene, trotzdem präsentierte eindringliche Beitrag von Gabrielle Goliath in der Kirche San Antonin erwähnt werden.

    USA: Nur eine flüchtige Randnotiz gilt dem US-Pavillon. Alma Allen wurde von neu eingesetzten Trump-nahen Organisatoren beauftragt und hat mehrere Skulpturen aus Marmor, Bronze oder Stahl nach Venedig gebracht. Ein US-amerikanischer Kunstkritiker bezeichnete sie als geeignet für Supermärkte oder Einkaufsmeilen.

    Es ist nicht zu bestreiten, dass auch in mehreren der zig weiteren Länderpavillons bestimmt großartige Kunst zu entdecken ist. Es macht einen Riesenspaß, sich durch die ganze Stadt zu bewegen auf der Suche nach unerwartetem Kunstgenuss. Nehmen Sie die Herausforderung an und voten Sie später für Ihren Favoriten bei der diesjährigen Wahl des besten Länderpavillons. Der Link kommt per Email auch zu Ihnen.

    Biennale Arte di Venezia: 9.Mai bis 22. November 2026

  • Biennale Venezia 2026: Protest-Rummel und Publikums-Voting

    Die leider verstorbene Kuratorin Koyo Kouoh versprach uns eine ruhige entspannte Ausstellung „In Minor Keys“, also in Moll-Tonarten. Ihr Assistent zitierte sie im Vorfeld: „Wir sind alle müde. Die Welt ist müde. Wir müssen heilen und lachen, uns mit Schönheit, Liebe und Poesie umgeben, wir müssen tanzen und Essen zubereiten, wir müssen atmen… und die Radikalität der Freude genießen.” Die Realität zeigte bei der Eröffnung zunächst das komplette Gegenteil.

    Dass Russland und Israel mit ihren Länderpavillons von der Biennale-Organisation zugelassen wurden, obwohl ihre Länder aggressive Kriege führen, geriet weltweit in die Kritik. Die Freiheit der Kunst sollte hoch gehalten werden. Empört reagierte darauf die Fachjury, die über die Preise des Goldenen Löwen entscheiden sollte. Sie bekannten öffentlich, den beiden Ländern auf keinen Fall einen Preis zuzusprechen. Daraufhin kündigte der Künstler des israelischen Pavillons Belu-Simion Fainaru an, rechtliche Schritte zu prüfen. Die Jury trat sofort komplett zurück. Nun ist der Goldene Löwe von Venedig ein hohes Prestige-Objekt, das unbedingt erhalten werden sollte. Die Organisatoren beschlossen daher, ihn in diesem Jahr als absolutes Novum vom Publikum wählen zu lassen und erst am Ende des Events am 22.11.2026 zu übergeben. Tatsächlich bekamen wir als Besucher gestern – der digitalen Ticket- und Einladungs-Vergabe sei Dank – eine Email mit dem Link zur Stimmabgabe. Wir alle sollten diese Chance unbedingt wahrnehmen, denn üblicherweise werden Besucher in der Kunstwelt als völlig unqualifiziert und unwichtig für die Bewertung von Kunst betrachtet.

    Lassen Sie uns die Herrausforderung annehmen, nach Venedig fahren und klarstellen, was WIR künstlerisch wertvoll empfinden!

    In der Eröffnungswoche machte die Biennale Schlagzeilen mit lauten Protesten vor dem russischen Pavillon. Pussi Riot aus Russland und Femen aus der Ukraine riefen ihre Verurteilung russischer Kriegsführung mit nacktem Oberkörper und farbigen Rauch-Raketen in die Welt: keinerlei leise Molltöne, sondern lautstark voller Empörung. Am Samstag, dem ersten offenen Tag für alle Biennale-Besuchenden hat Russland seinen Pavillon endgültig geschlossen und zeigt jetzt am Eingang Videos der Demonstration der Frauen. Die ganze „Kunst“, die sie aufgebaut hatten, war offensichtlich pure Provokation, zumal die Kuratorinnen Töchter wichtiger Putin-Gefährten sind.

    Über dem Ausstellungsgelände und besonders dem israelischen Pavillon, der diesmal im Arsenale liegt, kreisen täglich laut und störend Überwachungshubschrauber. Wie schon seit lämngerem solidarisieren sich viele Menschen aus dem Kunstbereich für die Bevölkerung in Palästina und gegen die zerstörerischen Angriffe der israelischen Armee. Doch wer darf entscheiden, wann eine Gegenwehr nach einem Überfall durch Terroristen unangemessen brutal wird?

    Jedenfalls gab es am Freitag, dem 3. der Preview-Tage eine „Streik“-Aktion vieler Kunstschaffenden. Sie schlossen ihre Länderpavillons komplett oder zumimndes ab dem Nachmittag und zogen zu einer Demonstration auf die Via Garibaldi. Dieser „Künstlerstreik“ war ein echtes Novum!

    Der südafrikanische Kulturminister hatte seinen Länderbeitrag letztlich komplett verboten, weil hierin auch die Tötung einer palästinensischen Dichterin durch israelische Soldaten thematisiert wird. Juristische Einsprüche waren im Land nicht erfolgreich, doch es fanden sich private Befürworter und Förderer. „Elegy“ von Gabrielle Goliath ist der unter die Haut gehende Klagegesang über brutale qualvolle Femizide in aller Welt, egal aus welchen Gründen. Man sollte es sich unbedingt in der Kirche San Antonin anschauen, wo Ort und Akustik die Wirkung hervorragend unterstreichen.

    Für weitere Schlagzeilen sorgte – wie erwartet – der österreichische Pavillon von Florentina Holzinger. Die Künstlerin hatte mit ihren Theaterinszenierungen schon für krasse Bewertungen gesorgt: „feministische Fäkal-Orgien“ hiess es zuvor in der Presse. Solche Vorurteile zogen riesige Menschenmengen beim Opening an. An dem Tag unterstrich der Dauerregen in Venedig die Wasser-Thematik von „Seaworld Venice“ noch zusätzlich. Doch die Reaktionen waren voller Bewunderung für den konsequenten Mut der Performerinnen, körperlich an ihre Grenzen zu gehen. Florentina Holzinger kletterte persönlich nackt am Seil in die große an einem Kran hängende Glocke und aktivierte sie als menschlicher über Kopf hängender Schlegel. Jede Stunde soll eine neue Zeit eingeläutet werden. Weitere Performances im Pavillon mit lebenden Skulpturen an einer Stange sowie Jetski-Kreisen in einem Bassin aus Urin lassen Fragen offen, doch sie hinterließen auch vorwiegend neugierige Bewunderung.

    Wer aber allen Skandalen und Protesten zum Trotz einen entspannten Kunstgenuss finden möchte, findet diesen in den kuratierten Hauptausstellungen der Biennale. Beim Betreten des großen Pavillons in den Giardini ist eine erste Reaktion: Wunderbar, dass Kunst auch wieder einfach schön sein darf! Wer sich dann auch darauf einläßt, den Ideen und Konzepten der Künstlerinnen und Künstler nachzuspüren, die Tafeln und den Katalog zu lesen, merkt schnell, welch tiefe Hintergründe in den Darstellungen enthalten sind. Koyo Kouoh hat vorwiegend Künstler*Innen aus dem sogenannten Globalen Süden ausgewählt, deren Namen es verdienen, bekannter zu werden. Dabei sind Präsentation und Kombinationen der Werke großartig gelungen.

    Auch in diesem Jahr ist der Besuch der Biennale in Venedig eine spannende Entdeckungsreise durch alles, was Kunst zeigen und auslösen kann. Ein lebendiges unglaublich vielseitiges Erlebnis im zusätzlich fantastischen Ambiente der Lagunenstadt! Außerdem können Sie sich bald auf weitere Berichte hier bei INArtberlin über mehr Highlights in Venedig freuen!

    61. Biennale Arte di Venezia: „In Minor Keys“, 9.Mai bis 22.November 2026

  • Wir bauen eine neue Welt…

    Lina Lapelytés neue kleine Oper

    Draußen tobt die Welt: Kriege, Katastrophen, Klimakrise, Chaos. Doch wir haben diese wunderbare Möglichkeit, hier in der großen Halle des Hamburger Bahnhofs in die umschmeichelnde Atmoshphäre eines immersiven Kustwerkes einzutauchen. Der Duft frisch geschlagenen Holzes durchdringt den Raum und lässt uns die Schönheit der Natur genießen. Auf 400tausend Holzwürfeln können wir flanieren – umschwebt von dem betörenden und beruhigenden Gesang der 12 Performerinnen und Performer aus aller Welt. Sie singen poetische tiefsinnige Verse; ausgewählt, vertont und choreographiert von der litauischen Künstlerin Lina Lapelyté. Währenddessen herrscht ein ständiges Aufbauen und Umgestalten der vielen kleinen Skulpturen aus Holzwürfeln. Niemand steht still, aber alle Bewegungen und Aktionen verlaufen ruhig, gelassen und trotzdem konstruktiv. Auch wir sind aufgerufen, die Szenerie mitzugestalten. Wir fühlen die Struktur des Holzes, greifen und stapeln immer neue Figuren. Es ist fast wie zu Kindergartentagen und eine Situtlion der Entschleunigung, ein meditatives Erleben mit allen Sinnen.

    Die Künstlerin wurde bekannt, als sie mit zwei Kolleginnen auf der Venedig-Biennale 2019 den Goldenen Löwen für den besten Länderpavillon für „Sun and Sea“ gewann, einer Inszenierung einer Strand-Szene mit Operngesängen über Klimawandel und Umweltzerstörung, die in ihrer paradoxen Mischung aus Idylle und krasser Problemdarstellung wahrhaft überwältigend war.

    In diesem Jahr soll auf der jetzt beginnenden Biennale in Venedig keine Jury über die Preisvergaben entscheiden. Diese ist nach den politischen Debatten über den Ausschluss von Länderbeiträgen Russlands und Israels gemeinsam zurückgetreten. Die Biennale-Leitung entschied, dass das Publikum per Votum die Preisvergabe bestimmen soll, und zwar bis zum Ende des Events im Herbst. Im Grunde eine revolutionäre, spannende Idee, doch den herrlichen litauischen Länderpavillon von 2019 hätte damals kaum eine ausreichende Zahl von Zuschauern für einen Sieg gefunden. Er befand sich versteckt und schwer erreichbar in einem alten Weftgebäude.

    Der Titel: „We make Years Out of Hours“ beschreibt die Idee der Langsamkeit in einer hektischen Zeit. Die philosophischen Gedichte der Lieder sind in dem sehr guten übersichtlichen Katalog des Hamburger Bahnhof nachzulesen. Wir brauchen Zeit und Einfühlungsvermögen, um uns auf diese tiefen Gedanken einzulassen, doch es lohnt sich. „Wie weit ist weit?“, „… Ich habe Angst, rauszugehen….“, „Wenn der Krieg vorbei ist….“  Genau für den Augenblick bauen wir schon mal eine neue bessere Welt!

    Lina Lapelyté: „We Make Years Out of Hours“, Hamburger Bahnhof, Berlin, 1.Mai 2026 bis 10.Januar 2027

  • Kunst oder Klamauk: Beeples „Regular Animals“ in der neuen Nationalgalerie

    Sie waren der absolute Hit auf der ART Basel Miami Beach und rasch ausverkauft: die Roboter-Hunde, die mit den Köpfen berühmter MÄNNER herumtappeln, kleine Papiere drucken und ausscheiden. Alles sei eine künstlerische Demonstration, was eine selbstdenkende Künstliche Intelligenz so könne. Die sehr realistischen Köpfe sind neben dem Künstler selbst Andy Warhol, Pablo Picasso, Kim Jong-un, Elon Musk, Mark Zuckerberg und  Jeff Bezos. Zum Gallery Weekend beschert uns die Neue Nationalgalerie diesen witzigen Spaß, der sicher viele Menschen in das Museum lockt.

    Doch fehlt da nicht zum Unterschied eines Spektakels für Disneyland ein etwas tieferer philosophischer Background? Hierfür hat die großartige Documenta-Kuratorin Carolyn Christov-Bakargiev im Artist-Talk fast eine Laudatio beigetragen. Aus ihrer Sicht sei die digitale Kunst eine neue relevante Kunst-Richtung. Gefragt, ob sie so etwas auf ihre Documenta eingeladen hätte, meinte sie: aus heutiger Sicht ja. Doch damals habe es keine NFTs o.ä. gegeben. Sie habe 2012 die Zentrierung der Kunst auf den Menschen aufbrechen wollen und eine Wertschätzung anderer belebter und unbelebter Natur bewirken wollen. Das habe ihr die übertriebene Schlagzeile eingebracht, sie fordere ein Wahlrecht für Erdbeeren. Hätte die digitale Technologie mit Smartphones und KI damals schon eine so erhebliche Verbreitung in der Welt gehabt, hätte sie diesen Aspekt sicher gezeigt.

    Wer aber ist Beeple: Mike Winkelmann ist ein US-amerikanischer Web- und Game-Designer, der sehr früh aus Freude digitale Kunst-Werke produziert hat. Über 5000 Tage stellte er täglich kleine aktuelle Bildchen her, die er in einer Collage zusammenstellte, aber nur virtuell als NFT, dieser berühmten Form des nicht greifbaren „Kunstwerkes“, das aber jeder online anschauen kann. Doch NFTs sind auch käuflich: aber nur als Eintrag in ein hoch gesichertes Register und nur mit Kryptowährung zu bezahlen. Man bekommt den Eintrag , „um damit angeben zu können“. Beeples „Everydays: The first 5000 Days“ entstand 2021 und wurde für 69 Millionen Dollar (laut SPIEGEL) versteigert. Es begann ein wahrer Boom von Spekulationen mit NFTs. Auch Kunstgaleristen versuchten, diese neue „Kunst“-Gattung zu vermarkten und erfanden wundersame kreative Erklärungsversuche über den Wertzuwachs. 2025 crashte der NFT-Markt komplett! Die Blase war geplatzt.

    Jetzt begeistern also diverse Roboter nicht nur in Ausstellungen, sondern auch z.B. den Bundeskanzler in China. Und werden momentan nicht auch die schrecklichen Kriege mit Drohnen, also fliegenden Robotern geführt, die extrem zerstörerisch sind? Vielleicht gibt es also doch einen sozialpolitischen Hintergrund, der die Hündchen zu einem Kunstwerk mit warnendem Charakter erhebt?  

    BEEPLE. „Regular Animals“, Neue Nationalgalerie Berlin, NUR vom 29.4. bis 10.5.2026

  • Shilpa Gupta

    „Auch ich lebe unter deinem Himmel“

    „I live under your sky, too“ ist ein sinngebendes Zitat der Künstlerin für all ihre Werke. Shilpa Gupta ist eine indische Konzeptkünstlerin. Wir wissen hier kaum etwas über die Historie des indischen Kontinents, höchstens, dass dort mehr als eine Milliarde Menschen leben und die Kastenzugehörigkeit immer noch eine Rolle spielt. Doch die politischen Ereignisse, die die indische Künstlerin geprägt haben, müssen wir uns neu vor Augen halten.

    Shilpa Gupta wurde 1976 im damaligen Bombay geboren, das heute Mumbai heißt. Sie wuchs in einer lauten Stadt auf, die bis heute von verschiedenen teils gewaltvollen Konflikten geprägt ist. Hier spielen ethnische Herkunft, aber auch die Religion eine Rolle. Schon die Abschiebung muslimischer Bürger aus „British India“ 1947 nach Pakistan oder Bangladesch und somit Trennung vom hinduistischen Indien war der Beginn eines ewig schwelenden Konfliktes. Shilpa Gupta hat schon früh immer wieder versucht, die Grenze zwischen den Ländern und den Religionen zu überwinden, mittels Freunsdchaften, aber auch mit ihrem künstlerischem Engagement.

    Shilpa Gupta schaffte es durch intensives Bemühen an der School of Fine Arts in Mumbai zu studieren. Obwohl zeitgenössische Kunst in Indien kaum eine Rolle spielt, fand sie kleine Galerien, die ihre Konzeptkunst außergewöhnlich und interessant fanden, leider aber ohne kommerziellen Erfolg.

    Die Künstlerin arbeitet mit vielen unterschiedlichen Materialien und Medien als Konzeptkünstlerin. In Gegensatz zu ihrer Heimat findet ihre Kunst im Ausland hohe Anerkennung. So werden ihre Werke in New York, London, Tokio und Dubai ebenso geschätzt wie in Paris, Istanbul und Venedig.

    Aktuell sind wichtige Werke von Shilpa Gupta im Hamburger Bahnhof in Berlin zu bewundern.

    „Sie sind offensichtlich ein sehr feministisches Haus. Schon wieder zeigen Sie die Arbeit einer Frau, wie schon so oft. Ist das Ihr Konzept?“ fragte INArtberlin Sam Bardaouil, den einen des Kuratoren-Duos des Museums. „Nein, das machen wir nicht extra. Wir sind immer auf der Suche nach spannender Kunst. Die ist das einzige Kriterium, das für unsere Auswahl zählt. Und im Augenblick finden wir zufällig fantastische Kunst bei einzigartigen Künstlerinnen.“

    In Berlin ist ein dunkler Raum erfüllt von Protestgesängen aus viele Regionen der Welt. „We shall overcome“ oder „Bella Ciao“ sind leicht erkennbar. Sie erklingen aus altmodischen Mikrofonen, die zu Lautsprechern umgebaut sind und in einer Choreographie von der Deck hängend herumtanzen. Auf kleinen Hockern sitzend führt die Installation uns Besucher*Innen zu einem meditativen Innehalten.

    Shilpa Gupta möchte mit ihren Kunstwerken all denen eine Stimme geben, die unterdrückt werden. Sie kämpft gegen soziale Ungleichheiten, thematisiert sowohl  postkoloniale Spätfolgen als auch ganz aktuelle globale Wirtschaftsdynamiken.

    Das zentrale Werk in Berlin ist „TRUTH“. Die einzelnen Buchstaben sind wie Monumente im Raum stehend oder liegend aufgestellt. Besucher laufen durch sie oder um sie herum; nicht nur um die Buchstaben, sondern auch um die „Wahrheit“, die im aktuellen Bezug jede/r anders bewertet. Anregen möchte das Werk ein strenges Nachdenken über Tatsachen kontra Fake-News.

    Auf einem Podest unter Glas steht eine Auswahl von verschlossenen Fläschchen. In jedes hat Shilpa Gupta ein Poem unterdrückter Schriftsteller*Innen gesprochen.

    Ein Eye-Catcher ist auch ein Buchregal mit Buch-Deckeln aus Edelstahl. Sie haben nicht nur Schriftsteller und Buchtitel eingrafiert, sondern auch die Gründe, warum dieses Buch unter einem Pseudonym veröffentlicht wurde.

    Die jeweiligen Konzept-Ideen der Werke sind nicht immer auf den ersten Blick zu verstehen, doch die Tafeln daneben geben prägnante und einfühlsame Hinweise, mit denen ein einprägsames Verständnis für die Botschaft der Künstlerin ermöglicht wird.

    Shilpa Gupta: „What Still Holds“ im Hamburger Bahnhof, Nationalgalerie für zeitgenössische Kunst in Berlin 27.März 2025 bis 3.Januar 2027

    Als Extra noch etwas zur Vorfreude auf die kommende Ausstellung in der großen Halle des Hamburger Bahnhofs:

    400.000 rohe Holzwürfel mit einer Kantenlänge von 10 cm kündigen das nächste Kunstwerk von Lina Lapelyté an. Wird es wieder eine Oper? Die Komponistin gewann mit zwei Kolleginnen den Goldenen Löwen für den besten Länderpavillon in Venedig 2019 für Litauen. „Sun and Sea“ war eine Inszenierung mit Opernsängern in einem Strand-Szenarium. Wir können also gespannt sein, was ab 1.5.26 hier geboten wird!

  • Kerry James Marshall

    BLACK is so Beautiful !

    Kerry James Marshall war schon ein Lieblingskünstler der Kuratoren Roger Buergel und Ruth Novak bei ihrer Documenta 12 (2007). Doch inzwischen gilt er als einer der global bedeutendsten figurativen Maler der Gegenwart. Seine großformatigen, farbintensiven Gemälde sind voller kunsthistorischer Bezüge.

    Der absolute Wow-Effekt offenbart sich aktuell in einer grandiosen Solo-Show des Künstlers im Chipperfield-Bau des Kunsthauses Zürich. Dort besticht auf den ersten Blick das glänzende Schwarz, mit dem Marshall die Menschen auf seinen Bildern darstellt. Es ist sein Markenzeichen und gibt diesen vormals unterdrücklten People of Color, selbst wenn man kaum Gesichtskonturen erkennt, einen stolzen strahlenden selbstbewußten Ausdruck.

    Der Künstler malt fröhliche Alltagsszenarien: im Beauty-Salon, am See oder im Nachtclub, inszeniert jedoch die Diskriminierung der Afroamerikaner*Innen in den USA hochgradig sozialkritisch. Picknick, Golf, Krocket, Wasserski: sind das nicht die Hobbies reicher weißer Familien, die hier von Schwarzen selbstverständlich gelebt werden?

    Kerry James Marshall wurde 1955 in den US-amerikanischen Südstaaten in Alabama geboren, zog später mit seiner Familie nach Los Angeles, wo er Art-and-Design studieren konnte. Später fand er – bis heute –  seine Heimat in Chicago. Da drängt sich sofort die wichtige Frage nach einer Teilnahme auch an der kommenden Documenta 16 auf. Bekanntermaßen bekräftigte deren Kuratorin Naomi Beckwith, dass sie sich ihrer Wurzeln in der Black-Community in Chicago sehr bewußt sei, was sich auch in der Konzeption der Documenta wiederfinden werde. Marshall dementiert jedoch INArtberlin gegenüber sofort: „Nein, ich werde auf keinen Fall erneut bei der Documenta ausstellen. Ich war dort schon zweimal (1997 und 2007). Das reicht völlig.“ Dies wiederholt der sympatische 70jährige jedoch mehrfach so vehement , dass man fast das Gegenteil glauben könnte.

    1980 bot sich dem jungen Kerry James Marshall die Chance eines Besuchs im New Yorker MOMA. Allerdings war die Reise nur „Historienmalern“ vorbehalten. Er malte deshalb Szenen, die im Aufbau an klassische Historienmalereien anknüpften. Nur agierten bereits damals schon keine weißen reichen Adligen-Familien, sondern stolze Menschen in tiefem Schwarz. Damit qualifizierte er sich für die Reise zu seinem Lieblingsbild: Picassos „Guernica“, was für ihn ein prägendes Erlebnis wurde.

    Der Titel der Züricher Ausstellung „Histories“ beinhaltet eine doppelte Bedeutung: Zunächst erzählen die Bilder Geschichten (his stories), doch sie sind ebenso Zeitdokumente (History / Geschichte).

    Die monumentalen Gemälde sind aber auch Wimmelbilder. Überall sind kleine Details zu entdeckten, z.B. auch Collagen mit Zeitungsausschitten oder ironischen Spruchbändern. Ebenso finden sich Portraits berühmter Persönlichkeiten des antirassistischen Widerstands in den Bildern. Es macht große Freude mit den Augen auf Entdeckungsreise zu gehen.

    Kerry James Marshals vielschichtige Gemälde in riesigem Format sind ein Kontrapunkt zur westlichen weißen Historienmalerei und ergänzen somit unsere Geschichtsschreibung auf extrem wichtige Weise. Selten macht es soviel Vergnügen, sich die weiterhin aktuelle Relevanz von Bürgerrechtsbewegungen zu vergegenwärtigen.

    Kerry James Marshall: „The Histories, Geschichte(n)“, Kunsthaus Zürich, 26.März bis 16.August 2026

  • BRANCUSI

    Skulpturen-Ikone früher Abstraktion

    Constantin Brancusi (1876-1957) ist nicht neu, aber vielleicht immer noch modern?  Er gehört ins letzte Jahrhundert. Doch er gilt als historische Schlüsselfigur, als Vorreiter der Abstraktion in der Gestaltung von Skulpturen.

    Brancusi stammt aus einem kleinen Dorf in Rumänien, wo er 1876 geboren wurde. Er liebte schon früh die traditionelle Holzschnitzerei, doch er musste von zuhause weglaufen, um nicht zu einem anderen Beruf oder zum Militärdienst gezwungen zu werden. 1904 ging er nach Paris und bekam sogar eine Anstellung bei dem damaligen Star der Skulpturenszene Auguste Rodin. Brancusi kündigte jedoch nach wenigen Wochen mit seinem berühmten Satz: „Es wächst nichts im Schatten großer Bäume.“

    Brancusis Werken ist in all ihrer Abstaktion noch die reale Grundfigur anzusehen. Aus einer Ei-Form entwickelte er den ausdrucksstarken Kopf der „schlummernden Muse“. Doch der Künstler reduzierte die Gesichtszüge durch Schleifen und Polieren immer mehr, bis am Ende ein eindrucksvolles Konzentrat stiller Emotionalität entstand.

    „Prinzessin X“ (1915/16) war für Brancusi die perfekte Verschmelzung männlicher und weiblicher Figur, doch musste sie auch einmal aus einer Ausstellung rasch entfernt werden, weil viele nur den Phallus in ihr sahen.

    Brancusi arbeitete mit Holz, Gips, Marmor und Stein. Gelungene Objekte ließ er in Bronze gießen. Dabei gibt es nur wenige Motive in seinem Schaffen, doch diese stellte er in vielen unterschiedlichen Varianten her. Z.B. schlummernde Muse, Vogel im Raum, der Kuss, Leda in Bewegung.

    Ein besonderes Markenzeichen Brancusis ist, dass er die Sockel für seine Skulpturen besonders beachtete. Sie sollten stets ein wichtiges ergänzendes Pendant des Gesamtkunstwerkes sein, meist in konträrem Material. Der Vogel im Raum ist bereits ein schmaler, sehr langgestreckter Messingkörper, der aber zusätzlich einen hohen Holzsockel bekam, als solle er bis an den Himmel reichen. Aus mehreren Sockelkonstruktionen entstand ein ebeso wichtiges Werk Brancusis: die „Unendliche Säule“.

    Brancusi gibt uns nebenbei ein gutes Beispiel zur ewigen Frage: „Ist das Kunst oder kann das weg?“ 1926 verschickte er seine Skulptur „Vogel im Raum“ von Paris nach New York. Sein Freund und Förderer Marcel Duchamp kuratierte dort eine Ausstellung, bei der er sie präsentieren wollte. Angekommen in den USA stuften die Mitarbeiter des Zolls das Werk jedoch einfach als ein Metallteil ein, das kostenpflichtig verzollt werden müsse. Kunstwerke waren in Gegensatz dazu zollfrei. Damals wurden in den USA nur Nachbilder von natürlichen Objekten oder Menschen als Kunstwerke angesehen. Erst nach vielen gerichtlichen Auseinandersetzungen über 2 Jahre bekam Brancusi Recht und seine abstrakte Skulptur wurde auch juristisch als KUNST anerkannt. Es ist erstaunlich, dass wohl die USA und Zölle schon vor 100 Jahren ein Kapitel von Willkür und Profit gewesen sind.

    In der Neuen Nationalgalerie werden 150 Jahre nach seiner Geburt mehr als 150 Arbeiten des Künstlers gezeigt. Möglich wurde dies, weil das Centre Pompidou aktuell über 5 Jahre für eine Komplettsanierung geschlossen ist und seine Schätze somit gern ausleiht.

    Ein Highlight der Ausstellung ist ein teilweiser Nachbau der Künstlerwerkstatt, in dem auch in Filmsequenzen der Meister bei der Arbeit „lebendig“ wird. Viele historische Dokumente und selbstgefertigte Fotos seiner Kunstwerke umrahmen den Werkstattbau in einem zentralen runden Pavillon. Sie sind mit einem guten Gespür  für die Darstellung des damaligen Zeitgeistes zusammengestellt und angeordnet.

    Brancusis glänzende Skulpturen ergeben zudem in der Neuen Nationalgalerie eine herrliche kontrastreiche, aber harmonische Einheit mit dem Museumsbau von Mies van der Rohe, als seien sie genau hierfür geschaffen worden.

    „BRANCUSI“  Neue Nationalgalerie Berlin, 20. März bis 6. August 2026