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„Nichts ist original“ in Film und Fotos
Julian Rosefeldt im C/O Berlin

Die gewagte These des Titels stellt Julian Rosefeld im C/O Berlin eindruckvoll und unterhaltsam unter Beweis. Gezeigt wird ein großer Querschnitt an Filmen, Bildern, Installationen und mehr des Multimediakünstlers. Dabei ist zunächst kompliziert, für seine Werke eine erklärende übergreifende Thematik zu finden, weil sie so vielfältig und jeweils einzigartig sind.


Fragt man den Künstler selbst, meint er nur: „Ich habe keine klassische Message , die ich verbreiten will. Vielmehr horche und schaue ich, was so passiert, worüber aktuell geredet wird…und dann kommt – wie übrigens bei den meisten Künstlern – aus mir ein Gedanke hervor, eine Idee und wie ich etwas darstellen kann, mit welcher Technik und welchem Inhalt.“


Die Ergebnisse sind im C/O mit Freude zu entdecken. Der Titel „Nothing is original“ verwirrt, doch es ist ein Zitat eines berühmten Filmregisseurs, ein Leitsatz. Ein absolutes Original sei nie abzubilden, doch man solle und dürfe alles klauen, wenn es zu einem authentischen Bild passe. Ein weiterer Grundsatz von Jean-Luc Godard lautet: „ Es kommt nicht darauf an, woher etwas kommt, sondern nur, wohin man es bringt.“ Diese Sätze spricht Cate Blanchett zu Beginn der Ausstellung in einem Filmausschnitt von „Manifesto“ skurrilerweise an eine Klasse von Grundschulkinder, die ein Bild malen sollen.


„Meine Heimat ist ein düsteres wolkenverhangenes Land“ nennt Rosefeld eine Bilderserie, die er in der Uckermark aufgenommen hat. Hier setzt er sich kritisch mit dem deutschen Heimatbegriff auseinander. Da steht ein kräftiger Neonazi an einem braunen Sumpf mit dem Rücken zum Betrachter. Der Bildaufbau ist eine deutliche, ironisierende Referenz an Caspar David Friedrich und die verklärende Sicht von Natur und Wald in der deutschen Romantik. Auch der Mann, der den Kreidefelsen sauber fegt, damit er wieder weiß wird, gehört dazu. Dass die hundertjährige Eiche auf einem weiteren Foto von 10 deutschen Schäferhunden bewacht wird, läßt eine ähnliche Kritik vermuten.


„American Night“ ist eine Serie von Filmsequenzen, in der sich Rosefeldt mit dem Klischee von Western auseinandersetzt. Mitten in typischen Motiven des Genres brechen gezielt eingesezte Irritationen durch wie z.B. ein Kampfhubschrauber oder eine Puppenspielerin mit Figuren amerikanischer Präsidenten. Bei Julian Rosefeld geht es um Dekonstruktion von Mythen und Klischees, die uns die Filmindustrie in unser Gedächtnis einprägen will. Doch er vermittelt dies auch mit Humor.

Weitere Bilder entstanden bei Besuchen von besonderen Ereignissen oder im verborgenen Tunnelsystem unter dem Marktplatz in München, wo der Künstler plötzlich auf von den Nazis versteckte Kunstwerke stieß oder in Industrieunternehmen.Es ist eine beeindruckende 30-Jahre-Retrospektive, die einen intensiven Blick mit Zeit und Geduld verdient.


Nicht versäumt werden sollte auch ein Blick in die obere Etage des Hauses. Dort zeigen anläßlich des 25. Geburtstages des C/O Preisträger des Berlin Talent Award, wie vielfältig mit fotografischen Mitteln hervorragende Kunstwerke gestaltet werden können.


„Nothing is Original“, Julian Rosefeldt im C/O Berlin, 24.Mai bis 16.Sept. 2025
„Documentary in Flux“ Preisträger des Berlin Talent Awards, 14.Mai -16.Sept. 25
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Kennen Sie das Grundgesetz?
Menschenrechts-Artikel als Kunstwerke


Das Gebäude im Regierungsviertel ist noch teilweise im Bau, zu erkennen aber an der großen goldenen Skulptur von Tony Cragg. Nur das Forum Kunst des Bundestages zeigt dort bereits seine erste thematische Kunstausstellung, noch anlässlich des 75. Jahrestages des deutschen Grundgesetzes.
19 Grundrechte werden in 19 künstlerischen Positionen dargestellt und es ist wirklich eine hervorragend animierende Nachhilfestunde für uns alle in Sachen Menschenrechte.

Hans Haacke 
Marc Jung Hans Haake, der Urheber des Werkes „Der Bevölkerung“ im Bundestag hat ein Plakat -auch zum Mitnehmen und weiteren Verbreitung- beigetragen. Artikel 14 regelt das Eigentums- und Erbrecht : „Eigentum verpflichtet. Sein Gebrauch soll zugleich dem Wohle der Allgemeinheit dienen.“


Via Lewandowsky 
Artikel 10 lautet: „Das Briefgeheimnis sowie das Post- und Fernmeldegeheimnis sind unverletzlich.“ Angesichts der heute multiplen medialen Kommunikationswege wirkt das etwas altmodisch. Doch hierauf basieren z.B. auch aktuelle Datenschutzgesetze.
Via Lewandowski nutzt für seine Darstellung die mathematische Einstein-Kachel. Er gab jeder einzelnen symbolische Inhalte und fügte sie zu einer erkennbaren bunten vielsagenden Deutschlandkarte zusammen. Erstaunlich, wie die ungewöhnlichen geometrischen Figuren ineinander passen und auch die einzelnen Stichworte und Symbole ein gemeinschaftliches Bild heutiger Sicht auf Wahrung persönlicher Daten geben.


Tobias Zielony Unter den Grundgesetz-Artikeln ist der Artikel 7 möglicherweise der unscheinbarste. „Das gesamte Schulwesen steht unter Aufsicht des Staates.“ Zwar sind Schule und Bildung Aufgaben der Bundesländer, doch bleibt laut Artikel 7 stets eine Art Aufsichtspflicht beim Bund.
Zum Problem des Schulwesens arbeitete Tobias Zielony mit dem Schüler Nick zusammen, der ihm sein Problem schilderte, dass das öffentliche Schulwesen oft keine Lösung für Individuen mit besonderen Begabungen und/oder Schwächen hat. Nick schwänzte nicht, er war krank geschrieben, weil er auf die Situaltion in wechselnden Schulen mit Herzrasen und Schweißausbrüchen reagierte. Das Gymnasium sei wohl zu schwer für ihn, wurde gesagt. Doch ein unabhängiger Test bestätigte eine Hochbegabung. Der Künstler collagierte mit Nick 4 Bilder, die seine verzwickte Lage zeigen. Eine Schule für alle ist gerade im weltweiten Vergleich eine großartige Errungenschaft, doch es gibt Lücken für einzelne Individuen.

Marc Jung trägt ein großes Graffity-Bild mit dem Titel „King of Thorns“ bei, in dem es in seiner Vielschichtigkeit multiple Anspielungen zu entdecken gibt. Sein GG-Artikel 18 war bestimmt äußerst schwierig, umzusetzen: „Wer die Freiheit der Meinungsäußerung, insbesondere die Pressefreiheit, die Lehrfreiheit, die Versammlungsfreiheit, die Vereinigungsfreiheit, das Postgeheimnis, das Eigentum oder das Asylrecht zum Kampfe gegen die freiheitliche demokratische Grundordnung mißbraucht, verwirkt diese Grundrechte. Die Verwirkung und ihr Ausmaß werden durch das Bundesverfassungsgericht ausgesprochen.“ Das Bild fasziniert schon durch die Farbenfreude und für Kenner findet sich auch eine Reminiszenz an Caravaggios Werk „Die Dornenkrönung Christi“. Dieser Maler schuf auch: „Judith enthauptet Holofernes“, was vielleicht auch ein wenig in Marc Jungs Bild steckt, eine Geschichte, bei der das Gesetz nicht in der Lage war für Gerechtigkeit zu sorgen, so dass Judith Selbstjustiz verübte.

Ilit Azoulay 
Monika Bonvicini 
Tuli Mekonjo Es finden sich so viele spannende Interpretationen international bedeutender Künstlerinnen und Künstler in der Ausstellung, die von Kristina Volke kuratiert wurde, aber wie üblich vom Kunstbeirat des Deutschen Bundestages beauftragt und begleitet wurde. Das Gremium entscheidet über die Thematik bei Ausstellungen und Kunstankäufen des Parlaments und setzt sich aus Abgeordneten aller Fraktionen zusammen, hier also noch aus der Zeit der Ampel-Koalition. Vorsitzende ist stets die Bundestagspräsidentin. Julia Klöckner, neu in diesem Amt, eröffnete die Ausstellung am 21.5.2025.

Julia Klöckner 
Tuli Mekondjo http://www.kunst-im-bundestag.de
„WIR- 19 Grundrechte“, Marie Luise Lüders-Haus, Luisenstr. 29-30, 10117 Berlin, 22.5.25 bis 21.6.2026
geöffnet: Dienstag bis Sonntag 11 bis 18 Uhr, kostenfrei ohne Anmeldung
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„Over the Rainbow“ bei Beyerle
Eurovision Song Contest 2025 in Basel

Der Eurovision Song Contest ist eine gewaltige TV-Show, die in diesem Jahr 2025 in Basel stattfand und weltweit 160 Millionen Zuschauern die großartige Vielfalt der Kulturen Europas in Form eines Gesangswettbewerbs präsentiert.


Die Fondation Beyerle in Basel ist in der Kunstwelt auch eine berühmte und hochklassige Institution für moderne und zeitgenössische Kunst. Daher zeigte sie anlässlich des ESC in ihrer Stadt eine Sonderausstellung aus ihrer Sammlung, die eine „Hommage an die Musik ebenso wie an die Buntheit und Vielfalt des ESC“ darstellen sollte.
Judy Garlands Song „Over the Rainbow“ und die regenbogenfarbene Skulptur „We are Poems“ von Ugo Rondinone über dem Portal sollten die Verbindung zur Regenbogen-Welt der ESC-Community bilden.
Die Musiker, die den Beitrag für Albanien interpretierten, wurden zu einem Besuch der Kunstausstellung vom Schweizer Fernsehen gebracht, wodurch letzlich Beyerle ebenfalls weltweit Aufmerksamkeit bekommen konnte. Doch passen beide Welten wirklich zueinander?


Gegen das strahlende lebendige Farbenspektakel der Life-Show auf der einen Seite konnten selbst Meisterwerke von z. B. Van Gogh, Picasso, Marc Rothko oder Andy Warhol leider nur verblassen.



Aktuelles multimediales Bühnen-Design ist mit seinen technischen und KI-Möglichkeiten so überwältigend, dass es unsere optische Wahrnehmung komplett überflutet und begeistert. Und trotzdem ist auch dies eine Form von Kunst.


Grundsätzlich war es ein freundlicher Versuch einer Gegenüberstellung, der jedoch nicht wirklich gelungen ist.


Trotzdem bleibt die Fondation Beyerle auch weiterhin mit ihren kommenden außergewöhlichen Ausstellungen ein wunderbarer Hotspot der Kunstwelt.


PS: Sieger des ESC 2025 wurde Österreich mit „Wasted Love“ , gesungen von JJ. Congratulation!
Fondation Beyerle, Basel/Riehen, „Over the Rainbow“ 8. bis 18. Mai 2025
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Frank Gehry’s Kunstpalast in ARLES
Der Turm des LUMA

In dem kleinen geruhsamen Städtchen im Süden Frankreichs, idyllisch gelegen am Rhone-Delta gibt es nicht nur das architektonische Erbe der Römerzeit mit der Arena und dem antiken Theater, sondern seit 2021 einen jener einmaligen Kunstpaläste von Frank o‘ Gehry.
Arles bekam in einem alten Industriegelände einen silbrig glitzernden Turm, der so spektakulär seine Farbe mit der Sonneneinstrahlung wechselt wie das großartige Gebäude des Architekten in Bilbao.


Beim LUMA ist eindeutig das Gebäude der Star am Kunsthimmel, weniger die ausgestellten Kunst. Allerdings besticht in der Innenausstattung auch das Werk eines Künstlers: Olafur Eliasson montierte über die als Doppelhelix gebaute Wendeltreppe einen drehenden Spiegel, der herrlich verwirrende Perspektiven entstehen lässt.
Die Treppe ist möglicherweise eine Reminiszenz an die Doppelhelix-Treppe aus dem Loire-Schloss in Chambord, die auf Entwürfe von Leonardo da Vinci zurück gehen soll. Auch unsere DNA ist als Doppelhelix aufgewickelt.
Zur Freude nicht nur von Kindern gib es im Luma eine weitere Doppelspirale. In den Röhrenrutschen kann man auch mit seinen Partnern um die Wette rutschen. Doch sie sind vor allem ein besonders dekoratives Objekt.



Von der Dachterrasse aus hat man einen wunderbaren Ausblick über die ganze Stadt, aber auch auf das Mosaik von Kerstin Brätsch, das die Terrasse des Museumscafés bildet.
Das Museum ist die Verwirklichung eines Traumes von Maja Hoffmann aus der Schweizer Pharmafamilie Hoffmann-La-Roche. LUMA ist ihre Stiftung mit Sitz in Zürich, die für die Finanzierung sorgte.



Aktuell wird im Luma-Turm u.a. die Arbeit „Danny/ No More Reality“ von Philippe Parreno gezeigt, der bekannt ist für seine Verwendung komplexer digitaler Technologien bis zu künstlicher Intelligenz. Von einer Drehbühne aus sehen die Besucher*Innen diverse skulpturale Licht- und Sound-Installationen. Weitere Wechselausstellungen folgen, z.B. über Maria Lassnig.
Es ist ein großartiger Genuss, dieses weiter architektonische Meisterwerk von Gehry zu erkunden und sich darin zu verlaufen. Der Anblick des Objektes vor dem tiefblauen mediterranen Himmel in der Abendsonne ist außerdem fantastisch.



Sommerzeit, Reisezeit und Zeit für Kunst; und in Kombination mit der Fondation Vincent van Gogh auch in Arles sowie der Fondation Victor Vasarely in Aix-en-Provence ein Super-Erlebnis.
LUMA-Arles, Parc des Ateliers, 35 Avenue Victor Hugo, 13200 Arles, geöffnet mittwochs bis sonntags.
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Sigmar Polke in ARLES
Pure Lust am Experimentieren

Ein Künstler, ein Fotograf, ein Glasmaler, ein Chemiker, ein Maler…. Sigmar Polke zeichnet sich dadurch aus, dass er sich zu keinem Zeitpunkt auf einen einzigen individuellen Stil festgelegt, sondern stets neue Materialien oder Techniken ausprobiert hat.


Als 22-jähriger Student an der Düsseldorfer Kunstschule gründete er mit Gerhard Richter und anderen eine Kunstrichtung, die jedoch ironisch gemeint war: „Kapitalistischer Realismus“. Polke war 1941 in Oels geboren worden, das inzwischen zu Polen gehört und lebte bis 1953 in der DDR. Dort war den Künstlern der „Sozialistische Realismus“ staatlich verordnet. Darauf spielte Polkes Ausdruck an. Zusätzlich sollte er gegen die kapitalistische POP-Art der US-Amerikaner kontrastieren, die zunehmend Motive und Stil aus der Werbung übernahm.



Sigmar Polke war geprägt durch die Protest-Ideen der sogenannten 68-iger. Sie waren die Nachkriegs-Generation in der Bundesrepublik und stellten sich laut und teil aggressiv gegen ihre Vätergeneration, die ihr nationalsozialistisches Weltbild noch nicht abgelegt hatten. Polke gehörte somit zu denen, die den Aufbau und die freie demokratische Gesellschaft in Deutschland mit aufgebaut und etabliert haben; er speziell mit seinen künstlerischen Fähigkeiten.
Wenn andere Künstler Fotos als Kunstwerke gestalteten, malte Polke Zeitungsbilder mit einzelnen Rasterpunkten auf seine Gemälde. Wenn andere auf Leinwand malten, bevorzugte Polke Industriestoffe als Untergrund, besonders gern auch bedruckte Tischdecken oder Gardinen. Duch diese Alltagsmaterialien aus einfachen Haushalten zeigte er seine Solidarität mit der Bevölkerung.





Später verließ er auch fertige Farbe und experimentierte mit Farbpigmenten, besonders Violett, verbunden mit Öl und Benzin. Die so entstandenen Bilder veränderten ihre Farbe je nach Lichteinfall, was ihm 1986 den Goldenen Löwen der Venedig-Biennale einbrachte.
Sein spätestes Kunstwerk war die Gestaltung von Kirchenfenstern in Zürich.

Heute hat Polke ähnlich viel Weltruhm wie seine Zeitgenossen Joseph Beuys, Gerhard Richter, Georg Baselitz oder Jörg Immendorff, sodass auch er in Frankreich verehrt und ausgestellt wird.
In diesem Sommer zeigt die Fondation Vincent van Gogh in Arles, Südfrankreich eine umfangreiche Ausstellung von Sigmar Polke. Die Organisation möchte Künstler im Sinn von van Gogh präsentieren, der längere Zeit dort lebte und viele seiner Werke malte. Er inspirierte die folgenden Künstlergenerationen wesentlich. Gemeinsam haben Polke und van Gogh das Motiv der Kartoffel, muss man aber suchen!


Auf jeden Fall: Sommerzeit, Reisezeit, Zeit für Kunst !
Sigmar Polke „Sous les paves, la plage” (Unter dem Pflaster, der Strand; die Erde), Fondation Vincent Van Gogh, 35ter, rue du Docteur-Fanton, 13200 Arles (F) , Achtung: keine Parkplätze, noch bis 16.Okt.2025
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Nicht nur Picasso!
Kunstgenuss im Urlaub: Malaga

Ein Centre Pompidou im Süden Spaniens? Und ein Picasso-Museum? Das erwartet man eigentlich nicht in der eher vom maurischen Stil beeinflussten Stadt Malaga. Doch weit gefehlt: hier wird moderne und zeitgenössische Kunst gefeiert und stolz präsentiert.
In das Picasso-Museum wollen tausende Menschen. Dort muss man Zeitfensterkarten frühzeitig online kaufen, um die Chance auf Einlass zu bekommen. Richtig ist, dass das Museum eine respektable Sammlung des Künstlers besitzt und präsentiert. Besonders seine Keramiken bekommen eine prominente Darstellung.



Doch der Museumsleitung ist auch hoch anzurechnen, dass sie ihren Besuchern, die vielleicht nur wegen des berühmten Namens kommen, zusätzlich großartige Werke zeitgenössischer Kunst anbieten. So wird momentan William Kentridge präsentiert: „More Sweetly Play the Dance”. Es ist die spektakuläre 40m lange Video-Installation einer Prozession mit der Musik einer Brass-Band aus Johannisburg. Die Kohlezeichnungen des Hintergrundes und die Figuren wie aus einem Scherenschnitt sind eine typische Ausdrucksform des Künstlers.



Es ist auch ein Vorgeschmack auf die großen Retrospektiven anlässlich des 70. Geburtstags von Kentridge, die ab September in Essen und Dresden geplant sind. Besonders in Dresden sollen angesichts des dort berühmten großen Fürstenzuges ebenfalls Kunstwerke mit Prozessionen erlebbar werden.


Das Gebäude des Centre Pompidou in Malaga stammt von Daniel Buren, dem französischen Künstler, der für seine Streifen-Muster berühmt ist oder den Turm des Heizkraftwerkes in Chemnitz bunt gestaltete. In Malaga sind es bunte quadratische Fenster eines Würfels, deren Lichtspiel der Sonne im darunter gelegenen leeren Raum schillernde Effekte verursachen. Seit 10 Jahren werden hier thematischen Wechselausstellungen mit Werken aus dem Mutterhaus in Paris gezeigt.

Otobong Nkanga: The Weight of Skars Sommerzeit, Reisezeit, Zeit für Kunst! Tip: Es ist schön kühl innen im Centre Pompidou, weil ein großer Teil des Museums in die Erde hinein gebaut ist.
Museo Picasso, Palacio de Buenavista, C. San Augustin 8, 29015 Malaga, Spanien
Centre Pompidou Malaga, Distrito Centro, 29016 Malaga, Spanien
Extra: Zentrum für zeitgenössische Kunst Malaga, C.Alemania, S/N, 29001 Malaga (erst wieder im Juni geöffnet)
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„Freischwimmen“ in Wolfsburg
Ein fröhliches und bereicherndes Baden in Kunst

Es gibt „Waldbaden“, jetzt also auch „Kunstbaden“. Einem Trend in der Museumswelt folgend – auch entwickelt beim Deutschen Museumsbund- eröffnet das Kunstmuseum Wolfsburg einen künstlerischen Mitmach-Parcours. Das umfassende Thema von „Freischwimmen“ ist, sich einen Tag im Freibad vorzustellen mit Eintauchen ins Wasser, hier in die Kunst, Auftauchen und Entspannen auf der Liegewiese. Es gibt Stempel in einen Pass für jede bewältigte Aufgabe und am Ende einen Freischwimmer-Button.



Wolfsburg bietet in der neuen Ausstellung mehrere Stationen mit fantastischen Werken der hauseigenen Sammlung, die eine Art Kristallisationskerne für multisensorische Empfindungen und aktives kreatives Handeln sein sollen.

Foto Kunstmuseum WOB Das Spiegelkabinett von Jeppe Hein lädt ein zu optischen Spielchen und Selfies in lustigen Posen.
Eine überdimensionierte Version eines abstrakten Bildes von Sarah Morris wird mit Schaumstoff-Bausteinen nachgebaut.

Christian Falsnaes schuf einfach eine Bühne, auf der die BesucherInnen sich nach Anweisungen aus einem Kopfhörer bewegen sollen. Performance mit Laien!
Zeitgemäß medial gibt es das bereits etablierte „Studio digital“ des Museums, erweitert mit Kombinationen der dreidimensionalen körperlichen Realität. Dieser Bereich wurde mit Hilfe einer Schülergruppe des Max-Born-Gymnasiums Backnang entwickelt, die bereits das Grundprogramm wesentlich geprägt hatte.


Die Schüler wurden beim Rundgang für die Presse per Video zugeschaltet. Auf die Frage, was sie sich von einem Museum noch mehr wünschen würden, hieß es spontan: „Mehr Sitzmöglichkeiten!“ Eine fantastische Antwort, die mit Sicherheit von allen Altersgruppen unterstützt wird.
https://studiodigital.kunstmuseum.de
Die beschriebenen Stationen stehen exemplarisch für viele Positionen der Ausstellung.
Offensichtlich möchten sich die Museen heutzutage für mehr und unterschiedliche Bevölkerungsgruppen interessant machen, indem sie hochkarätige Kunst spielerisch mit allen Sinnen erfahrbar werden lassen.
Das ist keineswegs neu, denn gerade erleben wir diese partizipative Kunst in Berlin in den beiden großen Ausstellungen von Yoko Ono, die das Konzept schon vor über 60 Jahren „erfunden“ hat. Sie ging stets davon aus, dass ein Kunstwerk erst durch Mitarbeit der Besucher*Innen vollständig wird. Der Hauptbestandteil ihrer Werke sind ihre „Instruktionen“.



In Berlin funktioniert das Konzept heute wie damals hervorragend. Beim Gallery-weekend waren die Tische mit weißen Schachspielen und das Zusammensetzen von Porzellanscherben oder auch das Falten von Papierkranichen permanent voll besetzt. Gestalten für den Frieden!
Mit Sicherheit wird der Museumsbesuch im Kunstmuseum Wolfsburg eine perfekte Ergänzung im familiären Ferienprogramm, zumal in der Kombination mit der weiterhin gezeigten exzellenten „Schwerelos“-Ausstellung im großen Saal. Doch vielleicht sollte man auch Öffnungszeiten „nur für Erwachsene“ anbieten, damit sie fröhlich und frei Hemmungen vor Kunst und Kultur spielerisch ablegen können.
„Freischwimmen – Köpper in die Kunst“, Kunstmuseum Wolfsburg, 9. Mai — 28. Sept. 2025
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EMBRACE von Klara Hosnedlova
Eintauchen in einen magischen Märchenwald

Die riesige Installation in der historischen Halle des Hamburger Bahnhofs ist eine künstlerische Reminiszenz an die tschechische Heimat der Künstlerin Klara Hosnedlova. Der harten industriellen Architektur des Gebäudes setzt sie eine weiche schmeichelnde Atmosphäre entgegen, die aus dicken Strängen aus Flachs und Hanf geflochtenen skulpturalen Figuren entsteht.


Klara Hosnedlova wurde 1990 in einem kleinen Ort der damals noch Soviet-geprägten Tschechoslowakei geboren, der heute zur tschechischen Republik gehört. Sie lebt und arbeitet jedoch auch in Berlin.


In ihre Flachs-Tapisserien hinein sind fossilienartige Rahmen aus Sandstein eingelassen, in denen fotorealistische Bilder mit extrem feinen Stickereien beeindrucken. Ähnliche Reliefs hängen auch an Metalwänden, die die Bögen der Bahnhofshalle verschließen. Mit Sandstein seien viele Fassaden von Bahnhöfen und öffentlichen Gebäuden in der Heimat der Künstlerin verkleidet. Ebenso gebe es dort viele brutalistische Betonbauten. Auf diese deutet sie mit den Beton-Gehwegplatten hin, die den Boden großenteils bedecken.


Die Künstlerin arbeitet auch mit Performances, die jedoch keine öffentlichen Vorführungen sind, sondern ihr Motive für Fotos, aber auch für zukünftige Projekte bieten sollen. Hierzu gibt es Beispiele in dem aktuellen Katalog.
Beim Eintauchen in die Natursymbolik der Installation wird man zusätzlich vom speziellen Sound aus Frauenstimmen und der Komposition eines tschechischen Rappers akustisch eingehüllt. So entsteht ein Gefühl, „umarmt“ zu werden: EMBRACE.

Eine Besonderheit der neuen Gestaltung der Haupthalle ist, dass es sich um die erste Arbeit mit Unterstützung des CHANEL Culture Funds handelt, mit dem der Hamburger Bahnhof eine 3-jährige Zusammenarbeit eingeht. Dabei sieht es so aus, als würde das Sponsoring keinen direktiven Einfluss auf die künstlerische Arbeit ausüben. Hierauf sollte trotz schwindender Mittel für Museen weiterhin intensiv geachtet werden, um keine amerikanischen Verhältnisse entstehen zu lassen. Die Freiheit der Kunst bleibt eine besonders schützenswerte Errungenschaft.
Auffällig ist aktuell, dass offensichtlich die künstlerische Gestaltung der historischen Halle in den letzten Jahren Frauen vorbehalten bleibt: 2020 Katharina Grosse, später Sandra Mujinga, Eva Fabregas, Alexandra Pirici und jetzt Klara Hosnedlova.

Ayoung Kim 
Eva Fabregas 
Marianna Simnett Auch in anderen Räumen des Hamburger Bahnhofs stellten und stellen auffallend viele Künstlerinnen aus: Ayoung Kim, Marianna Simnett, Nadia Kaabi-Linke, Zineb Sedira, Christina Quarles, Semiha Berksoy, Naama Tsabar, Andrea Pichl. Müssen wir vielleicht für eine Ausgewogenheit langsam über eine Männerquote nachdenken? Dies soll bitte nur als kleine Anmerkung mit einem Schmunzeln gesehen werden, denn bisher zeigten die weiblichen Kunstwerke im Hamburger Bahnhof zugegeben sämtlich unglaublich spannende Positionen von hoher Qualität.
Klara Hosnedlova: „EMBRACE“, Hamburger Bahnhof Berlin, 1.Mai bis 26. Oktober 2025
Eröffnung. 1. Mai 2025, 19 Uhr, gleichzeitig zur Eröffnung des Gallery Weekends
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Victor Vasarely
Optische Täuschungen und geometrische Farbigkeit


Vasarely gilt als einer der wichtigsten Erfinder der OP-ART: Nein, das hat nichts mit Operationen zu tun. Vielmehr begeistern die Arbeiten des 1906 in Ungarn geborenen Künstlers bis heute mit ihrer besonderen Fähigkeit, auf einer zweidimensionalen Fläche eine 3. Dimension optisch zu erzeugen, also optische Täuschungen zu produzieren. Die Meisterleistung besteht auch darin, dass er seine Werke bereits zu Zeiten geschaffen hat, in denen kein Computerprogramm oder eine KI zur Verfügung standen. Nur die exakte mühevolle geometrische Berechnung und präzise Ausführung brachten das Ergebnis zustande.


In den 70ger Jahren hingen in vielen Studentenzimmern Poster mit den beliebten Motiven von Vasarely. Er legte großen Wert darauf, dass seine Kunst für alle erschwinglich ist und ließ diese Papierdrucke in riesiger Auflage zu. So erlangte er nicht nur als 4maliger Documenta-Teilnehmer (von der ersten bis zur vierten), seine große Popularität.
Vasarely schaffte nicht nur Gemälde, sondern entwickelte als Grafiker z.B. auch das Logo von Renault, das heute noch verwendet wird.

1976 wurde das Gebäude der Fondation Vasarely in Südfrankreich in Aix-en-Provence prominent auf einem Hügel eröffnet. Der Künstler selbst hatte den Bauplan aus 16 sechseckigen Räumen entworfen, die wabenförmig angeordnet sind. Er eröffnete sein Museum damals mit großem Stolz und konnte sich bis zu seinem Tod 1997 an seinem Erfolg erfreuen.


An den Innen-Wänden ließ er monumentale Versionen seiner Kunstwerke von bis zu 6 x 8 m Größe aus verschiedenen Materialien, auch z.B. gewebten Teppichen installieren. Sie zu entdecken ist ein überwältigendes Erlebnis und eine Freude für alle Generationen und auch Touristen aus allen Ländern.


Fondation VASARELY, 1 Avenue Marcel Pagnol, 13090 Aix-en-Provence, geöffnet mittwochs bis sonntags 10.30 bis 17.30 Uhr.





